Anlagestrategie

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Börsenweisheit: „Die Zeit der Schnäppchen ist noch nicht vorbei“

An der Börse herrscht Partystimmung, seit Juni steigen die Kurse rasant. Doch wie lange noch? Ist die Rally bald vorbei? Eine alte Börsenweisheit besagt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist um einzusteigen.

Sell in May? Wer im Mai ausgestiegen wäre, hätte das Kursplus verpasst. Quelle: dpa
Sell in May? Wer im Mai ausgestiegen wäre, hätte das Kursplus verpasst. Quelle: dpa

DüsseldorfFast 1.500 Punkte hat der Dax in knapp vier Monaten zugelegt. Da wird es dem einen oder anderen Anleger schon mal mulmig. Ist es an der Zeit, Gewinne mitzunehmen, bevor der Markt dreht? Schließlich folgt auf eine Party doch fast zwangsläufig die Katerstimmung. Und ihre Argumente für einen Rücksetzer sind gut: Euro- und Schuldenkrise sind noch nicht ausgestanden, die Nervosität an den Märkten ist noch immer hoch. Doch allen warnenden Stimmen zum Trotz glauben viele Marktteilnehmer, dass es so weit noch nicht ist.

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Im Gegenteil: Sie sind überzeugt, dass die Rally weiter läuft und liefern gute Gründe. „Die zentrale Frage dabei ist doch: Ist das eine liquiditätsgetriebene Rally, die bald vorbei ist, oder ist sie fundamental berechtigt und wird weiterlaufen“, sagt Andreas Feiden, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. „Ich meine, die Zeit der Schnäppchen ist noch nicht vorbei. Schon gar nicht für langfristig orientierte Anleger.“ Die Kurse seien weit davon entfernt, den Fundamentaldaten enteilt zu sein. „An den Märkten wird noch immer ein negatives Szenario für die Entwicklung der Euro-Zone eingepreist, was mir selbst bei einer moderaten Wirtschaftsentwicklung recht pessimistisch erscheint“, ergänzt Feiden.

Aktien für Langfrist-Anleger

  • AmBev

    Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
    Börsenwert in Millionen Euro: 81674
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
    Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

  • Apple

    Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
    Börsenwert in Millionen Euro: 428190
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

    Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

  • Baidu

    Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
    Börsenwert in Millionen Euro: 29197
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
    Dividendenrendite: keine

  • British American Tobacco

    Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
    Börsenwert in Millionen Euro: 75886
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
    Dividendenrendite: 4,6 Prozent

  • CF Industries

    Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
    Börsenwert in Millionen Euro: 11021
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
    Dividendenrendite: 0,8 Prozent

  • Deckers Outdoor

    Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
    Börsenwert in Millionen Euro: 1300
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
    Dividendenrendite: keine

  • Elekta

    Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
    Börsenwert in Millionen Euro: 3671
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

    Dividendenrendite: 1,5 Prozent

  • Kia Motors

    Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
    Börsenwert in Millionen Euro: 202557
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
    Dividendenrendite: 0,8 Prozent

  • Novo Nordisk

    Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
    Börsenwert in Millionen Euro: 67311
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
    Dividendenrendite: 1,6 Prozent

  • Millicom Cellular

    Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
    Börsenwert in Millionen Euro: 7195
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

    Dividendenrendite: 2,9 Prozent

  • Salesforce.com

    Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
    Börsenwert in Millionen Euro: 16508
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
    Dividendenrendite: keine

  • Shire

    Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
    Börsenwert in Millionen Euro: 13305
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
    Dividendenrendite: 0,5 Prozent

  • Vodafone

    Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
    Börsenwert in Millionen Euro: 106910
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
    Dividendenrendite: 6,1 Prozent

  • Williams Partners LP

    Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
    Börsenwert in Millionen Euro: 14171
    Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
    Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Beispiel Dax: Die deutschen Standardwerte seien in hervorragender Verfassung und sehr günstig bewertet, ist der Fidelity-Experte überzeugt. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax liegt mit 10,4 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 13,5 und auch unter dem globalen Mittelwert von 12,9. Auch die Dividendenrendite ist mit durchschnittlich 3,5 Prozent historisch hoch. Das spricht für Aktien.

Die größten Fehler der Anleger

  • Risikotoleranz

    "Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demographischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten."

  • Übertriebene Zuversicht

    "An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus."

  • Kurzfristiges Denken

    "Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen , treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen."

  • Verlustaversion

    "Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden."

  • Verdrängen

    "Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene 'Konten' zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren."

    Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Doch gerade Privatanleger bleiben der Börse noch immer fern. Zeit um zurückzukehren? Immerhin lautet eine alte Börsenweisheit „Sell in May and go away. But remember to come back in September“. Dahinter steckt die Überzeugung, dass die Sommermonate schwache Börsenmonate sind und Anleger den Märkten besser fernbleiben. Doch mit dem beginnenden Herbst sollten sie zurückkehren. Eine Regel, die allerdings in diesem Jahr nicht funktioniert hat. Zwar rutschte der Dax im Sommer binnen weniger Wochen von gut 6600 Punkten auf knapp unter 6000 Punkte ab – ein Minus von immerhin fast zehn Prozent –, doch dann folgte der Anstieg auf zwischenzeitlich 7450 Punkte. Wer im Mai ausgestiegen wäre, hätte dieses Kursplus verpasst.

  • 29.09.2012, 04:08 UhrArnuld

    http://www.youtube.com/watch?v=j5C-cqw2s00

  • 28.09.2012, 16:23 Uhrguderian123

    Zitat:„Statistisch gesehen ist September der schlechteste Börsenmonat, obwohl im Oktober die meisten Crashs vorkommen. Es müsste also heißen: ‘Remember to come back at the end of September’.“ Zitat Ende.

    Wenn im Oktober die meisten Crashs passieren, warum sollte man dann bitte Ende September einsteigen?
    Um einen Rückschlag zu erleiden wenn im Oktober ein Crash kommt oder warum?

    Und natürlich sollte man sein Investment nicht nach Sprichwörtern ausrichten.Aber sollten im Mai wirklich die Kurse auf dem Niveau des Vorjahres Hoch sein, und im September die Kurse auf Vorjahres Tief, könnte ein das Sprichwort"Sell in May and go away, but always remember: Come back in September", schon eine gewisse Entscheidung abnehmen.

    Jedoch denke ich nicht, dass es dieses Jahr zutreffen wird, denn die Kurse kratzen am Jahreshoch, vielleicht bilden sie sich noch etwas aus und erreichen noch neue Jahreshochs, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht.
    Und wenn ich Berichte hier im HB lese, wie zum Beispiel DAX bei 10000 Punkten, weiss ich auch nicht mehr was ich davon halten soll. Immerhin bewegt sich der Index "relativ" nah an seinen Allzeit Hoch, und dem Leser dann in der Hoffnung lassen,dass der DAX noch über 2000 Punkte steigen wird ist schon sehr naiv.Naiv sowohl vom Redakteur der es schreibt, dem Analysten oder Vermögensverwalter der diese These aufstellt, sowie der HB Leser der solche Thesen nicht hinterfragt.

    Denn man sollte nicht vergessen, dass nur wenige Vermögensverwalter, wirklich besser als der markt sind.


  • 28.09.2012, 16:05 UhrAntizyklik

    Wann immer ich den Satz lese... für langfistig orientierte Anleger...bla bla bla... dann werde ich ganz hellhörig. Irgendwie klingt das wie: Also wenn sie langfristig auf Ihr Geld warten wollen, dann kaufen sie jetzt und warten.
    Verdammt nochmal bei 5000 Dax Punkten vor einem Jahr gab es keine solchen Ratchläge. Ne ne die Profis legen Ihre Empfehlungen immer antizyklisch aus... das ist klar. Tja Feunde wie bekommt ihr eure Tulpenzwiebeln nun los zu diesen hohen Kursen? Ab 5500 können wir wieder über Aktien diskutieren.

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