
DüsseldorfDavon träumen wohl alle Anleger: immer auf der richtigen Seite zu stehen – also dabei zu sein, wenn die Kurse steigen, der Börse rechtzeitig den Rücken zu kehren, bevor der Markt fällt. Eine der wohl bekanntesten Börsenweisheiten lautet „The Trend is your Friend“. Oder zu Deutsch: Der Trend ist Dein Freund.
Trendfolger sind eine Art Trittbrettfahrer der Börse. Sie analysieren Aktiencharts und Börsenumsätze, suchen nach Indikatoren, die auf einen neuen Trend oder gar die Umkehr eines bestehenden Trends hinweisen. Trendfolgemodelle sind streng mathematisch und schalten jegliche Emotionen aus. Während Privatanleger sich häufig an Indikatoren wie der 200-Tage-Linie orientieren, sind die Modelle der institutionellen Investoren hochkomplex. Computerprogramme suchen die Märkte nach Mustern ab, in deren Folge die Kurse regelmäßig entweder steigen oder fallen. Eines der ersten Trendfolgemodelle entwickelte Anfang der 1980er-Jahre der amerikanische Rohstoffhändler Richard Dennis. Es basierte auf der einfachen Regel, einen Wert zu kaufen, wenn der Preis über sein höchstes Niveau der vergangenen 50 Tage steigt, und ihn zu verkaufen, wenn der Preis unter sein 50-Tages-Tief fällt.
Der Gedanke dahinter: Wer einem Trend folgt, gewinnt immer. Steigen die Märkte, bleiben die Trittbrettfahrer investiert. Wenn die Kurse aber purzeln und den bestehenden Aufwärtstrend durchbrechen, dann steigen sie aus und lassen die Kurse erstmal weiter fallen. Und solange sie noch keine klaren Anzeichen für eine Trendumkehr sehen, steigen sie auch nicht wieder ein. Schließlich ist es eher unwahrscheinlich, dass Anleger genau den Zeitpunkt zum Einstieg erwischen, ab dem die Kurse wieder steigen.
Anders ausgedrückt: Gewinne laufen lassen und Verluste vermeiden. Klingt genial. Aber so einfach wie in der großen Hausse der 1980er- und 1990er-Jahre, in der die Regel wunderbar funktioniert hat, ist die Börsenwelt nicht mehr. „Die Märkte haben sich grundlegend verändert - sie funktionieren nicht mehr so wie noch vor einigen Jahren“, sagt Marc Bubeck von iShares, dem ETF-Anbieter der amerikanischen Investmentgesellschaft Blackrock.
"Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demographischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten."
"An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus."
"Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen , treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen."
"Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden."
"Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene 'Konten' zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren."
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
„Trends werden zunehmend kurzlebiger, und wenn man sie erkannt hat, können sie schon wieder vorbei sein.“ Grundsätzlich würde die Regel „The Trend is your Friend“ zwar noch gelten, ergänzt Simon Klein. „Allerdings ist sie in Krisenzeiten und damit in volatilen Märkten wie im vergangenen Jahr schwer anzuwenden“, sagt der Europa-Chef von Lyxor, der ETF-Tochter der französischen Société Générale. Die Trendfolgemodelle hätten im vergangenen Jahr alle versagt.
Die Stimmung an den Börsen drehte rasend schnell – besonders die Abstürze kamen sehr überraschend und waren extrem heftig. Viele Anleger, vor allem die privaten, schafften den Absprung nicht, konnten nur noch zusehen, wie ihr Depotwert dahin schmolz, und verkauften viel zu spät. Die gleichen Privatanleger dürften aber auch die Trendwende verpasst haben. Als die Börse wieder durchstartete, waren sie nicht investiert.
Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2011 notierte der Dax bei rund 7.500 Punkten und pendelte dann einige Monate lang zwischen 7.100 und 7.500 Zählern. Im August und September, als sich die Schuldenkrise zuspitzte, stürzte er dann plötzlich um fast 2.500 Punkte ab. Mittlerweile hat er sich schon wieder bis an die Marke von 6.900 Punkten herangearbeitet – allerdings im Zickzackkurs. „In volatilen Märkten kann man mit der Trendfolge sehr viel Geld verlieren“, sagt Klein. „Umgekehrt verdient man extrem viel, wenn man den Trend richtig erkennt.“ Mitunter schwanken die Kurse vieler Unternehmen sogar so stark, dass es kaum möglich ist, irgendwelche eindeutigen Trends auszumachen.
2011 war für trendfolger wirklich ein horrorjahr, aber bedeutet das auch, dass das so in der zukunft weiter geht?
das argument mit dem "turbulenten mark" zählt meiner meinung nach nicht. 2008 war auch turbulent und die kurse gingen im trend einheitlich nach unten. im wirtschaflich turbulenten jahr 2009 gings dann genauso im trend nach oben. 2010 war schwieriger, war aber zu erwarten, denn auch die vergangenen börsenjahre, die auf große trends folgten waren für trendfolger schlecht, siehe 2000 und 2004. was 2011 aber abging, war ein absoluter ausreißer nach unten. aber ich behaupte mal: solche jahre sind erforderlich, dass trendfolge langfristig erfolgreich bleibt. würde es immer funktionieren, würden es alle machen und das geht nicht.
ich halte es da lieber mit der alten amerikanischen börsenweisheit, die es schon seit über 100 jahren gibt.
wallstreet never changes because human nature never change.
@putput. Dann ist eben Ihr Geheimrezept, die Erfahrung. Was soll's?
Der Trend ist, politisch gesteuert den Markt mit Liquidität zu fluten und damit die Gesetze eines "freien Marktes" ausser Kraft setzen. Mit HF Trading den verbleibenden Rest des Marktes so zu manipulieren, das man immer auf der Gewinnerseite steht und die Plebs, die glauben an der Börse etwas reissen zu können, die Rechnung zahlen zu lassen.





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