
DüsseldorfDie 19 schaffen wir nicht“, raunt Boris Ziganke seinem Chef zu. Der Börsenmakler von Scheich & Partner muss gleich den ersten Kurs für den Börsenneuling Talanx berechnen. Anleger haben die Versicherer-Aktie zu 18,30 Euro gezeichnet, jetzt hoffen alle auf einen Kurs über 19. Doch die Vorzeichen sind nicht gut; Talanx-Chef Herbert Haas hatte den Börsengang erst angekündigt, dann abgesagt und dann doch durchgezogen. Zu allem Überfluss eröffnet der Dax an diesem Morgen vor dem Einheits-Feiertag 50 Punkte im Minus.
Haas steht vor Zigankes Maklerschranke, umringt von Fotografen und Kamerateams, und wartet auf die erste Kursschätzung. Um 9.05 Uhr wagt Ziganke sie: „18,50 bis 19,20 Euro.“ Der Dax rauscht weiter nach unten. Ziganke telefoniert hektisch mit der Deutschen Bank, die den Börsengang an vorderster Stelle organisiert. Endlich, um 9.24 Uhr, verkündet er den ersten Kurs: 19,05 Euro.
Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.
Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5
Dividendenrendite: 1,6 Prozent.
Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine
Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent
Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent
Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine
Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4
Dividendenrendite: 1,5 Prozent
Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent
Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent
Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6
Dividendenrendite: 2,9 Prozent
Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine
Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent
Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent
Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent
Applaus. Die Deutsche Bank hat tatsächlich einen Kurs über 19 hinbekommen. Auf der großen Börsentafel dreht auch der Dax nun langsam ins Plus. „Talanx zieht den Dax“, witzelt Wolfram Schmitt, der für den Versicherer Investoren betreut. Das ist zu viel der Ehre; der Talanx-Kurs bröckelt wieder ab, aber die Erleichterung auf dem Frankfurter Parkett ist spürbar: Der erste große Börsengang des Jahres ist geglückt, und der deutsche Leitindex demonstriert in dieser goldenen Oktoberwoche erneut seine Stärke. Seit dem Tief von Anfang Juni stieg er von 6.000 auf 7.350 Punkte – ein Plus von fast 23 Prozent in nur vier Monaten.
Es scheint, als hätten die Anleger negative Signale ausgeblendet, die aus aller Welt an die Börse drängen:
Chinas Wachstum flaut ab. Jüngsten Daten zufolge wuchs die Wirtschaft zuletzt im Vergleich zum Vorjahr nur noch um sieben Prozent; in den kommenden Jahren könnte sich das Wachstum von früher acht bis elf auf drei bis sechs Prozent einbremsen, befürchten die Analysten der Société Générale. Für viele deutsche Konzerne ist China nicht der größte, aber der am schnellsten wachsende Markt. Nachlassende Dynamik könnte nicht ohne Folgen bleiben für Umsätze und Aktienkurse.

Deutsche Qualitäts-Aktien, wie eine BASF, VW etc., kann man immer und zu jeder Zeit kaufen, wenn man sie 15, 20 (oder länger) Jahre im Portfolio gedeihen lässt.

Wie immer ist es eine Frage des richtigen Timings. Daher ist es sehr schwer einzuschätzen was die Kurse kurzfristig für Bewegungen vollziehen werden. Mittel bis langfristig kann man wohl aber davon aus gehen dass durch die bevor stehende globale Rezession alle Konzerne, die Konsumgüter herstellen, starke Einbrüche erleiden werden. Anders sieht es mit Finanzdienstleistern aus, die vorwiegend von der Geldflut durch die Zentralbanken profitieren. Sie werden die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil, zur Stützung der Wirtschaft einsetzten, sondern viel mehr Spekulationsblasen befeuern mit denen sich, bis zum nächsten Platzen, sehr viel mehr Geld verdienen lässt.






2 Kommentare
Alle Kommentare lesen