Anlagestrategie

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Dirk Müller und Max Otte: „Das ist alles nicht mehr kalkulierbar“

Die Krise in Europa spitzt sich zu. An der Börse spielen die Kurse verrückt. Handelsblatt Online sprach mit Dirk Müller und Max Otte über die Aussichten für Anleger, die Perspektiven des Euro und Verschwörungstheorien.

Max Otte und Dirk Müller auf dem Parkett der Frankfurter Börse. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Max Otte und Dirk Müller auf dem Parkett der Frankfurter Börse. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Herr Otte, Herr Müller, ist derzeit eine gute Zeit, Aktien zu kaufen?

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Max Otte: Die Kurse steigen, weil die Anleger erkennen, dass Aktien günstig bewertet sind. Europa steht eigentlich besser da als viele glauben. Die Börse honoriert das allmählich.

Dirk Müller: Die Big Boys wissen auch nicht wohin mit ihrem Geld. Die meisten warten aber darauf, dass es nochmal rappelt, um dann einzusteigen.

Otte: Nach vier Jahren Panik, nach vier Jahren Krise, glaube ich, dass der Boden erreicht ist an den Aktienmärkten.

Müller: Im Moment ist es für niemanden einfach, eine Vorhersage zu treffen. Leider werden die Märkte derzeit nicht getrieben von den Fundamentaldaten; das macht es unberechenbar.

Otte: Wenn Sie heute eine billige Aktie kaufen, dann ist das Risiko aus meiner Sicht überschaubar.

Wie fällt Ihre Prognose aus, Herr Müller?

Müller: Wenn ich Prognosen höre, wo der Dax in einem Jahr steht – so ein Unsinn. Ich kann nicht mal sagen, wo der Dax in einer Woche steht! Da kommt der Draghi um die Ecke, mit einem Mal stehen wir 500 Punkte höher. Dann kommt eine andere Nachricht und der Dax fällt um ein paar hundert Punkte. Das ist alles nicht mehr kalkulierbar.

Otte: Anleger müssen heutzutage eine sehr hohe Schmerztoleranz haben.

Die Lieblingsaktien von Max Otte

  • Platz 10

    Delta Lloyd

    Otte: sehr günstige holländische Versicherung mit wenig Exposure in Südeuropa.

     

  • Platz 9

    Alcatel-Lucent

    Otte: spottbillig; allerdings muss sich das Unternehmen fangen. 100 - 200 Prozent Potential.

  • Platz 8

    Fuchs Petrolub

    Otte: Fair bewertet mit Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15; aber sehr gutes Unternehmen. Langfristige Renditeerwartung: + 10%

  • Platz 7

    Salzgitter

    Otte: Zykliker und damit sehr anfällig bei Konjunkturschwankungen. Dank der Cash-Reserven aber extrem günstig.

  • Platz 6

    Novartis

    Otte: Sichere Aktie, moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis (11), großzügige Dividendenrendite (4%).

  • Platz 5

    Energias des Portugal

    Otte: Kurs bei knapp zwei Euro. Im Bieterverfahren Ende letzten Jahres hat das chinesische Unternehmen Three Gorges 3,45 Euro je Aktie bezahlt. Insgesamt haben die Chinesen sich 21 Prozent der Anteile gesichert.

  • Platz 4

    Berkshire Hathaway

    Otte: Dank eines Rückkaufangebots Buffetts lediglich knapp über Buchwertgehandelt. Potential 30 Prozent. Festgeldersatz

  • Platz 3

    Enel

    Otte: breit aufgestellter Versorger, spottbillig wie der Italienische Markt.

  • Platz 2

    OMV

    Otte: Unter Buchwert gehandelt, KGV bei sechs, Dividendenrendite 4,5 Prozent.

  • Platz 1

    Nestlé

    Otte: sicherste Aktie der Welt, derzeit fair bewertet.

Das ist leicht gesagt.

Otte: Aber es stimmt. Erst die Schmerzen, dann das Geld. Das hat schon André Kostolany gesagt. Und er hatte Recht damit. Auch heute noch.

Müller: Es kommt darauf an, von welchen Anlegern wir sprechen. Wenn es um jemanden geht, der ein großes Vermögen hat und nur einen Teil davon, etwas riskanter anlegt, dann kann derjenige sicherlich auch mal Verluste von 30 Prozent aussitzen, bevor es wieder aufwärts geht. Aber jemand, der sein Leben lang hart gearbeitet hat, der kurz vor der Rente steht und dessen Altersvorsorge auf dem Spiel steht, der wird das anders sehen. Da fällt es mir schwer, zu sagen: Mensch, es geht halt mal runter, da musst du durch.

Herr Müller, würden Sie die Finger von Aktien lassen?

Müller: Nein. Aktien muss man haben. Was bleibt denn sonst? Bundesanleihen? Die Rendite gleicht nicht mal die Inflation aus. Festgeld? Soll ich einer Bank mein Geld für drei Jahre leihen, wo sich die Banken nicht mal trauen, sich untereinander Geld über Nacht zu leihen. Es bleiben nur Sachwerte, ganz vorne weg Aktien, Edelmetalle als Beimischung. Wichtig ist, dass man sein Depot absichert. Dann kann man auch beruhigt in den Urlaub fahren.

Und wie könnte so eine Absicherung aussehen?

Müller: Die Absicherung sollte so einfach wie möglich sein. Haben Sie überwiegend Aktien aus dem Dax? Dann kaufen Sie zusätzlich einen Verkaufs-Optionsschein auf den Dax; sozusagen als Notnagel für den Fall, dass Sie morgens aufstehen und der Dax eröffnet 700 Punkte tiefer. Im Moment ist alles möglich.

124 Kommentare

Alle Kommentare lesen
  • 09.08.2012, 11:33 UhrHandwerkerkunde

    Handwerker sagen dann immer: das wird teuer.
    Fein, so ein Handwerker, der fremder Leute Geld verpulvert.

  • 09.08.2012, 11:45 UhrSodener

    Mit der Überschrift ist alles gesagt - dies sollten sich auch "unsere Politkasper" vor Augen halten, und die Bevölkerung nicht jeden Tag vorsätzlich täuschen.
    Nicht wahr Herr Juncker?

  • 09.08.2012, 11:52 UhrAu79@Ag47


    Unbegrenzter Kredit ist doch so leicht zu bekommen:
    Die Gläubiger des Staates (Beamte, Abgeordnete, Kleriker, Lehrer usw. ) erhalten zum Fälligkeitstag 90 % (*) ihrer Ansprüche in allgemeiner Währung (€) ausbezahlt, die restlichen 10 % (*) werden in Form von Nullzins-Staatsschuldscheinen mit zukünftiger Fälligkeit „beglichen“ ( * kann variabel gestaltet bzw. angepaßt werden). Die Empfänger staatlicher Zahlungen werden insoweit Gläubiger und können das Ausmaß der öffentlichen Schulden leichter begreifen. Den Ungeduldigen unter den Empfängern der Nullzins-Staatsschuldscheine, nennen wir sie einfach Zukunftswerte, könnten diese „Papiere“ an einer öffentlichen Börse handeln, so wie eben auch jetzt schon Staatsanleihen öffentlich gehandelt werden können. „Die Märkte“ regeln dann alles weitere. Der Geduldige und Staatsgläubige würde keine Verluste erleiden. Auf die Nullzinsen sind keine Einkommensteuern zu entrichten und auch jetzt schon gibt es für sichere Geldanlagen keine Zinsen mehr. Der „Bund“ labt sich jetzt schon an Negativzinsen! Somit sind vom Staat angebotene Nullzinsen sogar noch vorteilhafter als Negativzinsen. Die jeweiligen Mitglieder eines Euro-Staates finanzieren somit ihren Staat selbst. Muudis und Standardändpu-ers könnten dann „raten“ wie sie wollen ,... Dieser Vorschlag richtet sich vor allem an Italien, Spanien usw. Bitte beachten Sie: Schlecker konnte die Schulden nicht mehr begleichen; war das eine Euro-Krise? Wir haben keine Euro- oder Währungskrise; wir haben insolvente Schuldner (Staaten). Es ist also eine Schuldenkrise, keine Währungskrise.
    9.8.2012-11:50.

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