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Drei Strategien, drei Depots: Die Ruhe nach dem Sturm

Nach dem Absturz vom Vortrag, konnte der Dax am Dienstag wieder etwas an Boden gutmachen. Große Sprünge gab es allerdings nicht - auch nicht bei unseren drei Anlegern. Sie warten lieber auf die richtige Gelegenheit.

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich
Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich

An der Börse ist Skepsis eingekehrt. Der Schmiergeldskandal in Spanien und die Unsicherheit wegen der bevorstehenden Wahl in Italien haben viele Investoren verschreckt.

Zwar kursieren die Meldungen aus Spanien schon seit einigen Tagen, doch immer noch haben sich die Investoren nicht zurück getraut. Nur vereinzelt konnten Aktien mit Kurssprüngen aufwarten, meist nach Vorlage ihrer Geschäftszahlen. Etwa Münchener Rück. Nach den Ergebnissen setzte sich die Aktie des Rückversicherers mit einem Plus von über vier Prozent an die Spitze des Dax. Vor allem die üppige Dividende dürfte die Investoren angelockt haben.

Frank Wiebe

  • Der Redakteur

    Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

  • Die Strategie

    Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Spätestens am Donnerstag könnte aber auch der Markt insgesamt wieder in Schwung kommen. Dann wird EZB-Präsident Mario Draghi wieder im Anschluss an die Verkündigung der aktuellen Zinssätze vor die Öffentlichkeit treten. Ein Zinsschritt erwarten die meisten Volkswirte nicht, wohl aber erhoffen sie sich Einschätzungen, wie die EZB die Stimmung am Markt beurteilt, den stärkeren Euro und die unerwartet umfangreichen Rückzahlungen der Langfristtender.

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Daneben kommen zahlreiche Konjunkturdaten und Unternehmensergebnisse - aber eben erst am Donnerstag. Am Mittwoch können wir wohl noch einmal durchatmen.

Sicherheit kann teuer werden

Kerstin Leitel Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Kerstin Leitel Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Sicherheit kann teuer werden. Davor haben Analysten schon Anfang des Jahres gewarnt, und es zeigt sich jetzt in den Verlusten von besonders sicheren Staatsanleihen, etwa aus den USA, Großbritannien oder Deutschland.

Zu einem kleinen Teil hat mich das jetzt auch erwischt: mit meiner Belgien-Anleihe. Belgien ist zwar auch hoch verschuldet und hat eine zum Teil dysfunktionale politische Struktur. Trotzdem funktioniert das Land recht gut, die Wirtschaft ist vor allem im flämischen Landesteil wettbewerbsfähig - und es geht niemand davon aus, dass das Land, dessen Hauptstadt zugleich die EU-Hauptstadt ist, ernsthaft krisenanfällig sein könnte.

Kerstin Leitel

  • Die Redakteurin

    Kerstin Leitel arbeitet für die Finanz-Zeitung des Handelsblatt und berichtet vor allem über die Versicherungsbranche.

  • Die Strategie

    Ich will kein Geld verlieren, mit dieser Maxime gehe ich an den Start. Ein ausgewogenes Depot ist für mich wichtig, Anleihen sollen deswegen auch im Portfolio sein. Von Derivaten versuche ich mich allerdings fernzuhalten, was ich nicht verstehe, das kaufe ich nicht. Schließlich lässt sich auch mit Titeln aus Dax und MDax gutes Geld verdienen. Einen Kursrutsch kann ich aussitzen – wenn es anschließend wieder hoch geht. Das kann mir zwar keiner garantieren, aber schließlich versuche ich auf solide Unternehmen zu setzen, die nicht von einem Windhauch aus der Bahn geworfen werden. Und letztlich ist für mich wichtig, wie das Depot zum Kassensturz aussieht.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Mein Fonds mit italienischen Anleihen läuft dagegen gut. Auch das haben Experten Anfang des Jahres vorausgesagt.

Kurseinbrüche bei Anleihen verlaufen in der Regel zum Glück weniger dramatisch als bei Aktien. Das Problem ist aber: Gerade die sicheren Papiere werfen kaum noch laufende Rendite ab, wenn man real, also nach Abzug der Inflationsrate, rechnet. Da reicht dann ein geringer Kursverlust aus, um das Investment für ein ganzes Jahr in den roten Bereich zu drücken.

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Und bei den risikoreicheren Anlagen ist es wahrscheinlich noch gefährlicher. Sie bringen nicht mehr sehr viel mehr ein als sichere Papiere. Dafür können aber, wenn die Risikobereitschaft der Anleger plötzlich nachlassen sollte, die Kurse dort viel deutlicher einknicken.

Überzeugt von europäischen Bankaktien

Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola
Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola

Ruhe nach dem Sturm, so könnte man das Börsengeschehen am Dienstag beschreiben. Nach dem Absturz vom Vortrag, machte der Dax ein wenig Boden gut. Große Sprünge gab es allerdings nicht.

Mein Depot profitierte davon, dass sich die am Vortag übel verprügelten Finanzwerte erholten. Die Deutsche Bank schaffte es sogar unter die Topwerte im Dax. Zwar habe ich die Aktie nicht als Einzelwerte gekauft, sie steckt aber in meinem börsengehandelten Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 Banks. Das ETF hat am Dienstag fast zwei Prozent gewonnen.

Jessica Schwarzer

  • Die Redakteurin

    Das Auf und Ab an der Börse, Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen - das beschäftigt mich seit Jahren. Nicht nur als Finanzredakteurin, auch privat. Für Handelsblatt Online schreibe ich regelmäßig über Trends an den Märkten und darüber, wie Anleger diese umsetzen können. Mein Depot ist das spekulative.

  • Die Strategie

    Spekulativ bedeutet für mich nicht, wild zu zocken, sondern Chancen zu nutzen. Natürlich muss ich dafür entsprechend höhere Risiken eingehen. Um diese Risiken halbwegs unter Kontrolle zu behalten, setze ich in meinem Musterdepot auf breite Streuung. Konkret heißt das beispielsweise, dass ich zwar auf Anleihen mit schwächerer Bonität, also Junk Bonds, oder Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern setze, aber dazu einen entsprechenden ETF wähle. Einzeltitel, Zertifikate und vielleicht auch Hybridanleihen mische ich bei.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Deutlich geringer fiel das Plus bei der Commerzbank-Aktie aus. Mit ihren Zahlen, genauer gesagt ihren gigantischen Abschreibungen, hatte Deutschlands zweitgrößte Bank am Montag für eine böse Überraschung gesorgt – und war an der Börse ordentlich unter die Räder gekommen. Die Erholung fiel am Tag nach den Zahlen mau aus, die Aktie verbuchte lediglich ein Mini-Plus. Aber immerhin.

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Ich bin weiter von meinem Engagement in europäische Bankaktien überzeugt. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die Finanzhäuser ihre Hausaufgaben machen. Auch wenn sie noch viel zu tun haben, irgendwann wird die Börse das honorieren.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

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