Anlagestrategie

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Drei Strategien, drei Depots: Eine Woche im Zeichen der Euro-Krise

Für die deutschen Standardwerte ging es deutlich abwärts. Jessica Schwarzers Gewinne schmolzen dahin. Doch dank einer heißen Wette endete die Woche noch versöhnlich.

Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola
Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola

Eine Woche im Zeichen der Euro-Krise endet zumindest etwas versöhnlich: Zum Wochenausklang hat mein Depot Boden gutgemacht. Auch der Dax hat sich leicht erholt, auch wenn unterm Strich auf Wochensicht ein Minus von mehr als zwei Prozent steht. Damit hat sich mein spekulatives Musterdepot sogar besser entwickelt als die deutschen Standardwerte. Ein Trost ist das aber nicht.

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Bei Aktien mit denen ich bereits ein stolzes zweistelliges Renditeplus erzielt hatte, ist der Gewinn empfindlich zusammengeschnurrt. So geschehen bei Commerzbank und Facebook. Bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus kam das Zahlenwerk bei Anlegern nicht gut an. Auch das soziale Netzwerk Facebook konnte Börsianer zuletzt nicht überzeugen.

Jessica Schwarzer

  • Die Redakteurin

    Das Auf und Ab an der Börse, Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen - das beschäftigt mich seit Jahren. Nicht nur als Finanzredakteurin, auch privat. Für Handelsblatt Online schreibe ich regelmäßig über Trends an den Märkten und darüber, wie Anleger diese umsetzen können. Mein Depot ist das spekulative.

  • Die Strategie

    Spekulativ bedeutet für mich nicht, wild zu zocken, sondern Chancen zu nutzen. Natürlich muss ich dafür entsprechend höhere Risiken eingehen. Um diese Risiken halbwegs unter Kontrolle zu behalten, setze ich in meinem Musterdepot auf breite Streuung. Konkret heißt das beispielsweise, dass ich zwar auf Anleihen mit schwächerer Bonität, also Junk Bonds, oder Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern setze, aber dazu einen entsprechenden ETF wähle. Einzeltitel, Zertifikate und vielleicht auch Hybridanleihen mische ich bei.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Wirklich gut entwickelt sich mein Griechenland-Engagement. Was habe ich mir doch an dieser Stelle für Kritik anhören müssen, als ich diese zugegebenermaßen heiße Wette eingegangen bin. Bisher geht sie auf! Mittlerweile ist der börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf den FTSE Athex 20 mehr als 15 Prozent im Plus, allein in dieser Woche ging es gut sechs Prozent aufwärts.

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Weniger gut läuft es bei meinem zweiten Krisenländer-Engagement. Das Zertifikat auf spanische, italienische und portugiesische Aktien hat in der vergangenen Woche fast vier Prozent verloren – die Euro-Krise ist zurück. Zum Glück bleibt mir ein Plus von fast sieben Prozent und die Hoffnung auf bald wieder steigende Kurse.

Kerstin Leitel Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Kerstin Leitel Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

In China hat das Jahr der Schlange begonnen. Mit dem Tierkreiszeichen verbinden Chinesen „Handeln mit Ruhe und Verstand“ - eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für den Aktienmarkt. Es heißt, dass die Menschen in solchen Jahren optimistischer werden.

Es wäre nicht schlecht, wenn das auch über die Grenzen Chinas hinaus die Investoren beeinflusste - zumal es einige Faktoren gibt, die in den kommenden Wochen für Unruhe sorgen könnten, etwa die bevorstehenden Wahlen in Italien oder der Haushaltsstreit in den USA.

Kerstin Leitel

  • Die Redakteurin

    Kerstin Leitel arbeitet für die Finanz-Zeitung des Handelsblatt und berichtet vor allem über die Versicherungsbranche.

  • Die Strategie

    Ich will kein Geld verlieren, mit dieser Maxime gehe ich an den Start. Ein ausgewogenes Depot ist für mich wichtig, Anleihen sollen deswegen auch im Portfolio sein. Von Derivaten versuche ich mich allerdings fernzuhalten, was ich nicht verstehe, das kaufe ich nicht. Schließlich lässt sich auch mit Titeln aus Dax und MDax gutes Geld verdienen. Einen Kursrutsch kann ich aussitzen – wenn es anschließend wieder hoch geht. Das kann mir zwar keiner garantieren, aber schließlich versuche ich auf solide Unternehmen zu setzen, die nicht von einem Windhauch aus der Bahn geworfen werden. Und letztlich ist für mich wichtig, wie das Depot zum Kassensturz aussieht.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Auch die europäische Schuldenkrise ist zuletzt wieder etwas stärker in den Vordergrund gerückt. Wie es in der Euro-Schuldenkrise weitergeht, dürfte am Montag und Dienstag beim Treffen der Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel Thema sein.

Auf der Tagesordnung dürfte auch die Diskussion um den Wechselkurs des Euro stehen, die zuletzt insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland geführt wurde. Daneben stehen am Montag jedoch keine wichtigen Daten an, der Start in die Woche könnte also ruhig von statten gehen. 

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In der vergangenen Woche hatte der Dax über zwei Prozent verloren, trotz Kursgewinnen am Freitag. Der größte Verlierer in Deutschlands erster Börsenliga war übrigens die Commerzbank. Die Bank legt am Freitag ihre Zahlen vor und hatte bereits angekündigt, im vierten Quartal einen Verlust von 700 Millionen Euro erzielt zu haben.

Belastet wurden sowohl das Schlussquartal als auch das Gesamtjahr 2012 durch Abschreibungen auf Steueransprüche und den Verkauf der Bank Forum. Diese Nachrichten hatten die Aktie auf Talfahrt geschickt. Vor den Ergebnissen der Commerzbank am Freitag haben die Investoren aber noch andere Ergebnisse zu verarbeiten, etwa die von Thyssen-Krupp am Dienstag.

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Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich
Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich

Rotieren oder nicht rotieren, das ist hier die Frage. Gegen Ende letzten Jahres sagten viele Analysten voraus, dass die Investoren raus aus Anleihen und rein in Aktien "rotieren" würden, auf der Suche nach besseren Renditen. Eine Zeit lang schienen die steigenden Aktienkurse das ja auch zu bestätigen.

Frank Wiebe

  • Der Redakteur

    Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

  • Die Strategie

    Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Aber bald meldeten sich auch schon skeptische Stimmungen, die die "große Rotation" entweder für ein Märchen erklärten oder die Meinung vertraten, es sei zu früh, diesen Trend wirklich festzustellen. Außerdem wurde die Ansicht geäußert, der wirkliche Trend sei der Wiedereinstieg der Privatanleger in den Markt. So sagte zum Beispiel Pimco-Chef Mohamed El-Erian, er beobachtete keine Bewegung von Anleihen zu Aktien, aber sehr wohl eine von Geldmarktfonds in Anleihen und Aktien.

Zu beachten ist in dem Zusammenhang auch, dass noch im Januar weltweit ein riesiges Volumen an Unternehmensanleihen begeben wurde. In den letzten Tagen schienen die Anleger dann deutlich von Aktien zurück zu sicheren Anleihen zu "rotieren", am Freitag sah es an der Börse dann wieder etwas freundlicher aus.

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Die Frage stellt sich also, ob die große Rotation vielleicht nur eine kleine Rotation ist und im Grunde schon stattgefunden hat. Das wäre ein typischer Fall: Häufig sind Trends, wenn sie von den Experten verkündet werden, eigentlich schon gelaufen.

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Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

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  • 11.02.2013, 10:52 UhrHopfen_und_Malz

    "Jessica Schwarzers Gewinne schmolzen dahin."
    Wie das so ist bei prozyklischem Investieren. Jetzt verstanden, warum nachlesen ohne selbstdenken schadet?

  • 11.02.2013, 08:40 UhrLife_is_good

    Was haben diese Beiträge mit dem Artikel zu tun?

    Ich frage mich immer noch, für was diese Depotrubrik gut sein soll. Es wird vermittelt, dass man als Anleger unbedingt aktiv mit einem Auge ständig auf den Markt schielend unterwegs sein muss. Wenn ich langfristig anlege, z.B. zur Altersvorsorge mit Zeithorizont 20-30 Jahre, dann muss ich mir dieses jeden Tag nachgucken, was Facebook oder die Commerzbank gemacht haben nicht antun. Ich kann dann einfach leben und mich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu wenden. Ansonsten werde ich ja zum Sklaven meines Geldes und richte meine Emotionen nach dem täglichen Auf und Ab der Kurse aus.

    Und für professionelle Trader oder institutionelle Anleger mit kurzfristigem Horizont ist die Vorgehensweise eher amateurhaft (isch hab da nen heissen Tip bekommen...).

    Liebe Leute, lebt eher Leben, denn es ist das einzige, was Ihr habt. Zeit und nur Zeit (nicht Gold etc) ist das wertvollste Gut auf Erden und unersetzbar.

  • 10.02.2013, 23:15 UhrGoldfreund

    @Eddie
    Ausser Gold und Silber eignet sich fast nichts als Wertspeicher, denn nur Gold und Silber erfüllen die MINDESTeigenschaften von Geld:
    fungibel, liquide, chemisch dauerhaft beständig (im Gegensatz zu Nahrungsmitteln u. Papiergeld),
    ohne Verlust teilbar für Wechselgeld (im Gegensatz zu Edelsteinen),
    selten und nicht beliebig vermehrbar (im Gegensatz zu Papiergeld = Scheingeld),
    leicht transportierbar (im Gegensatz zu Immobilien)
    und sogar auch noch steuerfrei erwerbbar (aber nur Gold).

    (Anonymes) Gold ist Freiheit von:
    Einkommensteuer
    Erbschaftssteuern
    Vermögenssteuern
    Zwangsanleihen
    Rentenkassen
    Solidaritätszuschlägen
    Ex-Ehepartnern
    Arbeitsagenturen
    Konkursverwaltern
    Gerichtsvollziehern

    Gold ist unabhängig von der Zahlungsfähigkeit irgendeiner Institution oder irgendeines Staates,
    schützt damit vor der entfesselten Luftgeldpumpe, wird weltweit akzeptiert; und und und....

    Gibt es denn auch nur einen Staat, der einen Tilgungsplan für die aufgetürmten Schulden hat?

    "Wenn der Staat Pleite geht, ist natürlich nicht der Staat Pleite, sondern seine Bürger" (Carl Fürstenberg, deutscher Bankier, 1850-1933)
    ( deswegen werden sie m.E. ja auch Staatsbürger genannt!)
    "Man muß wählen, ob man der Stabilität des Goldes oder der Ehrenhaftigkeit und Intelligenz der Regierungen vertraut.
    Bei allem Respekt vor diesen Herren - ich empfehle Gold"
    (George Bernard Shaw, 1856 - 1950)

    „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null!“ (Voltaire, französischer Philosoph)

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