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Drei Strategien, drei Depots: Viele Insider verkaufen viele Aktien

Die Probleme in Europa sorgen für sinkende Kurse. Doch ist die Euro-Krise der einzige Grund für die Verkaufswelle? Handelsblatt-Redakteur Frank Wiebe glaubt, dass die Neupositionierung von Insidern die Kurse beeinflusst.

Kerstin Leitel Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Kerstin Leitel Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Manchmal treiben Nachrichten die Börse, aber manchmal bewegt sich die Börse auch einfach in eine Richtung und man sucht nachträglich eine Erklärung dafür. Ich glaube Aktien sind ein paar Wochen, vielleicht auch Monate lang, zu gut gelaufen. Deswegen ist es normal, dass die Kurse im Moment nachgeben.

Kerstin Leitel

  • Die Redakteurin

    Kerstin Leitel arbeitet für die Finanz-Zeitung des Handelsblatt und berichtet vor allem über die Versicherungsbranche.

  • Die Strategie

    Ich will kein Geld verlieren, mit dieser Maxime gehe ich an den Start. Ein ausgewogenes Depot ist für mich wichtig, Anleihen sollen deswegen auch im Portfolio sein. Von Derivaten versuche ich mich allerdings fernzuhalten, was ich nicht verstehe, das kaufe ich nicht. Schließlich lässt sich auch mit Titeln aus Dax und MDax gutes Geld verdienen. Einen Kursrutsch kann ich aussitzen – wenn es anschließend wieder hoch geht. Das kann mir zwar keiner garantieren, aber schließlich versuche ich auf solide Unternehmen zu setzen, die nicht von einem Windhauch aus der Bahn geworfen werden. Und letztlich ist für mich wichtig, wie das Depot zum Kassensturz aussieht.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Als Gründe werden vor allem neue Sorgen um die Euro-Zone genannt. Aber was ist an diesen Sorgen wirklich neu? Dass Italien und Spanien Probleme haben, wussten wir die ganze Zeit. Klar, das Wiedererstarken der Berlusconi-Partei ist alles andere als lustig, wenn Europa irgendjemanden nicht gebrauchen kann, dann ihn.

Aber aus den USA kommen Signale, die damit nichts zu tun haben: Offenbar verkaufen hier Insider, als Manager und Eigentümer, relativ viele Aktien. Das ist oft der Vorlauf zu einem Einbruch der Kurse. Und der Grund ist wahrscheinlich, dass die Papiere einfach zu teuer geworden sind. Ich glaube, wir bewegen uns allmählich auf das Ende eines Börsenbooms zu.

Damit muss noch keine Trendwende in Sicht sein, aber wenn die Kurse ausgereizt sind, wird der Weg eben holpriger. In der letzten Zeit hatte die Börse sich schneller bewegt als die reale Wirtschaft. Sie ist vorausgelaufen - ein klassisches Muster - und kommt daher vielleicht auch eher an ihre Grenzen.

Börsianer warten gespannt auf "Super-Mario"

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich
Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich

Der Dax rutscht immer mehr ab. Nachdem es am Mittwoch nochmals abwärts ging, ist das Plus seit Jahresstart vollständig weggeschmolzen. Ob der Markt kurzfristig weiter verliert, hat wohl Mario Draghi in der Hand: Die Börsianer warten gespannt auf die Äußerungen von „Super-Mario“ im Anschluss an die Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag.

Frank Wiebe

  • Der Redakteur

    Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

  • Die Strategie

    Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Aber auch Zahlen von Daimler könnten dem Markt Schwung geben - und vielleicht auch meinem Depot, in dem schließlich VW-Aktien liegen. Der Kauf dieser Aktien hatte sich – zumindest bisher – als wahrer Glücksgriff erwiesen: Seit dem Kauf ging es für VW mehr als 13 Prozent nach oben. Schade, dass ich nicht mehr investiert habe. Aber als konservativer Anleger muss man eben auch aufpassen, dass man nicht zu viel auf eine Karte setzt.

Am Mittwoch vermeldete die VW-Tochter Audi Verkaufszahlen von Januar: 16,3 Prozent mehr Audis als vor einem Jahr wurden abgesetzt. Damit fällt der Zuwachs fast doppelt so hoch aus wie beim Stuttgarter Rivalen Daimler, dessen Kernmarke Mercedes-Benz sich im Januar um 9,2 Prozent gesteigert hatte. Die Börse ließ das aber kalt, der VW-Kurs sank im Schlepptau des Dax. Ich hoffe nun, dass mir Daimler nicht mit einem skeptischen Ausblick noch mehr auf die Rendite drückt.

Das spekulative Depot trotzt den sinkenden Kursen

Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola
Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola

Die Nervosität an der Börse nimmt spürbar zu. „Die Euro-Krise ist zurück“, hieß am Mittwoch mal wieder. Als ob sie jemals weggewesen wäre. Sie wird verdrängt, ob bewusst oder unbewusst, aber weg ist sie nicht. Sie begleitet uns; wahrscheinlich noch Jahre lang.

Jessica Schwarzer

  • Die Redakteurin

    Das Auf und Ab an der Börse, Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen - das beschäftigt mich seit Jahren. Nicht nur als Finanzredakteurin, auch privat. Für Handelsblatt Online schreibe ich regelmäßig über Trends an den Märkten und darüber, wie Anleger diese umsetzen können. Mein Depot ist das spekulative.

  • Die Strategie

    Spekulativ bedeutet für mich nicht, wild zu zocken, sondern Chancen zu nutzen. Natürlich muss ich dafür entsprechend höhere Risiken eingehen. Um diese Risiken halbwegs unter Kontrolle zu behalten, setze ich in meinem Musterdepot auf breite Streuung. Konkret heißt das beispielsweise, dass ich zwar auf Anleihen mit schwächerer Bonität, also Junk Bonds, oder Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern setze, aber dazu einen entsprechenden ETF wähle. Einzeltitel, Zertifikate und vielleicht auch Hybridanleihen mische ich bei.

  • Die Regeln

    Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Aktuell sorgten sich die Börsianer mal wieder um die politische Stabilität in den südeuropäischen Schuldenstaaten. Die andauernden Korruptionsvorwürfen gegen den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und das Wiedererstarken der Berlusconi-Partei in Italien – Ende Februar wird in Italien gewählt –  lässt die Zweifel der Anleger wachsen.

Das Ergebnis: Der Dax schmierte ab – schon zum zweiten Mal in dieser Woche. Dieses Mal hat es aber mein Depot zum Glück nicht erwischt. Unterm Strich hat es sich so gut wie nicht bewegt. An schwachen Börsentagen wohl eine gute Nachricht.

Auch bei Einzelwerten fiel nur die Commerzbank auf. Für die Aktionäre von Deutschlands zweitgrößter Bank war gestern kein guter Tag, wieder einmal. Mein Plus schnurrt damit weiter zusammen, aber ich hoffe auf bessere Tage.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.