Die Weltbank prognostiziert für 2009 ein Wachstum von 7,5 Prozent in China. Was bedeutet diese Prognose vor dem Hintergrund zweistelliger Wachstumsraten in den vergangenen Jahren?
Die chinesische Regierung selbst hat immer betont, dass sie ein Wachstum von acht Prozent braucht, um die innere Stabilität zu gewährleisten. Insofern ist ein Rückgang auf 7,5 Prozent, den auch wir erwarten, schon ein empfindlicher Rückgang. Zudem wird sich das Wachstum strukturell verändern und sehr stark durch Investitionen in den öffentlichen Bereich geprägt sein. Insofern werden die Kapazitäten sicherlich zurückgefahren werden. Natürlich wird diese Art von Wachstum nicht über mehrere Jahre haltbar sein. Aber China wird nicht in eine Krise fallen, sondern die am stärksten wachsende Region weltweit bleiben.
Sollten Investoren in Emerging Markets zurzeit generell stärker auf die großen Länder setzen?
Wer ein Anlageprodukt kauft, in dem große Länder stark gewichtet sind, macht damit bestimmt keinen Fehler. Gerade in Asien zählen die großen, bevölkerungsreichen Staaten wie China, Indien und Indonesien zurzeit zu den konjunkturell stabileren Volkswirtschaften. Und auch in Brasilien, das weniger stark von Exporten in die Industrieländer abhängig ist, sieht es vergleichsweise noch gut aus. Allerdings gibt es auch in der zweiten Reihe der Schwellenländer interessante Kandidaten, die von einer Rezession noch weit entfernt sind.
Lohnt sich ein Einstieg denn aktuell schon wieder?
Wichtig ist, dass sich Anleger darüber klar sind, dass die Finanzkrise noch nicht vorbei ist. Wir stehen erst am Anfang einer weltweiten Rezession und werden noch einige Monate mit negativen Nachrichten leben. Das spricht grundsätzlich nicht für eine schnelle Kursrally in den Emerging Markets. Die Zeit drängt also nicht, Investoren können abwarten, bis sich die Finanzkrise etwas beruhigt hat. Mittelfristig sind wir weiter davon überzeugt, dass die Schwellenländer die Wachstumsspitzenreiter sein werden und sich das auch am Aktienmarkt auszahlt. Am Rentenmarkt gibt es schon jetzt attraktive Einstiegsmöglichkeiten für langfristig orientierte Investoren bei Hartwährungsanleihen in Dollar oder Euro. Bei Bonds in lokaler Währung ist wegen des Währungsrisikos hingegen noch Zurückhaltung angesagt.




