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Energiewende: Wie sich Anleger für das dritte Energiezeitalter rüsten

Die BP-Katastrophe treibt die Suche nach Alternativen zum Öl. Von dieser Entwicklung können Unternehmen und deren Aktionäre profitieren, denn bis 2050 wird sich der weltweite Energiebedarf verdoppeln. Wie Anleger ihr Depot auf die neue Energiewelt ausrichten.

Die Reserven an Land gehen zur Neige; auf Tiefseebohrungen ruhen große Hoffnungen. Quelle: dpa
Die Reserven an Land gehen zur Neige; auf Tiefseebohrungen ruhen große Hoffnungen. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Ölhändler und Anleger blieben gelassen: Okay, im Golf von Mexiko war eine Bohrplattform explodiert; eine große zwar, aber so was kommt vor, Lecks kann man schließen. Die Aktie des Betreibers BP notierte am Abend des Unglückstages, dem 20. April 2010, kaum verändert, bei 666 Pence. Heute - BP-Aktien stehen bei 397 Pence - ist klar: In der Energiebranche ist nichts mehr, wie es war. Vor der Explosion der BP-Bohrplattform Deepwater Horizon gab es zwei Energiezeitalter: das vor der Ölkrise 1973 und das danach. In der (guten) alten Zeit wurden immer mehr Ölfelder entdeckt; Reserven schienen unendlich, ein Fass Rohöl kostete drei Dollar und Benzin 55 Pfennig pro Liter.

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In der ersten Ölkrise 1973/74 stieg der Preis für ein Fass Rohöl um 170 Prozent, Autofahren war an vier Sonntagen verboten und Heizöl immer öfter ausverkauft, weil die Menschen es hamsterten. Erstmals machten sich Techniker und Ökonomen Gedanken über eine ferne Zukunft ohne Öl. Hausbesitzer kauften Doppelglasfenster oder stopften Dämmwolle zwischen die Dachsparren; Autokäufer erfragten neben der PS-Zahl auch den Verbrauch.

Mit der BP-Katastrophe beginnt das dritte Energiezeitalter. Neue Grundsatzfragen stellen sich: Öl ist noch da, aber zu welchem Preis sollten wir es fördern? Was ist mit Alternativen? Sollen die schmutzig, aber verlässlich sein, wie Ölsand und Kohle - oder sauber, aber unsicher und teuer, wie Wind und Sonnenenergie? Was ist wichtiger: Der Kampf gegen den Klimawandel oder die Versorgungssicherheit der Menschheit?

Auch Investoren sollten sich Gedanken über diese Fragen machen. "Am Thema Energie kommt kein Anleger mehr vorbei, sei er nun Profi, wie Versicherungs- oder Fondsmanager, oder Privatanleger", sagt Ulrich Stephan, Leiter Privat Banking der Deutschen Bank in Frankfurt. Egal, wie der Energiemix der Zukunft aussieht, es wird mehr verbraucht werden als heute. Dafür sorgen die weiter wachsende Weltbevölkerung, die Industrialisierung und Motorisierung der Milliarden-Einwohner-Länder China und Indien sowie die Endlichkeit wichtiger aktueller Energielieferanten wie des Öls.

Der wachsende Energiehunger wird nicht nur Nachteile haben; er wird die Entwicklung neuer Technologien antreiben; neben der bereits erprobten Wind- und Sonnenenergie ruhen nun viele Hoffnungen auf Brennstoffzelle und Elektroauto; wie schnell deren Entwicklung und Verbreitung abläuft, hängt nicht zuletzt vom Ölpreis ab: Je teurer das Öl, desto größer der Reiz der Alternativen. Davon werden Unternehmen und deren Aktionäre profitieren. Zugleich werden die fossilen Energieträger wohl teurer, denn der Ausbau der Erneuerbaren wird nicht schnell genug erfolgen, um mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten.

Götterdämmerung für Big Oil

Die Kalkulation vieler Anleger, über die Aktien der Ölmultis vom langfristig steigenden Ölpreis zu profitieren, ging zuletzt nicht auf. Die Papiere der Multis hinken dem Gesamtmarkt seit Langem hinterher; einzig ihre relativ hohen Dividenden machen sie für Anleger zuletzt noch attraktiv. Das hat vor allem einen Grund: Die Konzerne erwirtschaften zwar hohe Umsätze und Cash-Flows, doch immense Fixkosten drücken den Gewinn.

Das BP-Unglück dürfte diesen Trend verstärken, neue Auflagen werden die Exploration, Erschließung und Förderung neuer Ölquellen noch kostspieliger machen. Dabei stiegen die Kosten auch vor dem Unglück schon immens. Exxon, BP und Shell gaben 2008 über 78 Milliarden Euro für die Erschließung neuer Quellen aus - rund ein Fünftel mehr als 2007.

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