
DÜSSELDORF. Nach den Ertragseinbrüchen in der Vergangenheit haben sich die Unternehmen eine derart niedrige Ausgangsbasis geschaffen, dass sie prozentual drei- oder gar vierstellige Gewinnsteigerungen in nur einem Jahr leicht schaffen können.
Die Relation aus Aktienkurs und Nettogewinn der dahinter stehenden Firma gilt gemeinhin als Maßstab dafür, ob eine Aktie teuer oder billig ist. Derzeit errechnen die Datenspezialisten für den weltweit wichtigsten Index S&P 500 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 140. Investoren bezahlen die Konzerne durchschnittlich mit dem 140-fachen bereinigten Nettogewinn aus den vergangenen vier Quartalen. Das ist das höchste Niveau seit mehr als 75 Jahren. Der extreme Wert resultiert daraus, dass viele Firmen vor Abschreibungen und Einmaleffekten nur knapp in der Gewinnzone sind. Gemessen am Aktienkurs errechnet sich daraus das hohe KGV. „Selbst wenn die Unternehmensgewinne jedes Jahr um 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen, wird erst im vierten Jahr wieder ein KGV von ca. 16 erreicht“, sagt Eberhard Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Ein 16er KGV entspricht dem historischen Mittel.
Zwar hat es ein solch extremes Gewinnwachstum noch nie gegeben. Während des Booms zwischen 2003 und 2006 kletterten die Nettogewinne der 500 größten US- Konzerne insgesamt gerade mal um 86 Prozent. In Deutschland waren es immerhin 150 Prozent. Doch das war weniger als Anleger diesmal offenbar erwarten.
Allerdings ist diesmal auch die Situation einmalig und nicht mit vergangenen Rezessionen zu vergleichen. Deshalb hinken historische Vergleiche. Denn angesichts der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte haben die US-Konzerne in den abgelaufenen vier Quartalen kaum etwas verdient. Die Gewinne fielen neun Quartale in Folge. Das gab es zuletzt 1932. Deshalb stieg diesmal das KGV so stark wie in der damaligen Weltwirtschaftskrise.




