Anlagestrategie

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Felix Zulauf im Interview: „Ich sitze auf Cash“

Die Euro-Krise wird erneut eskalieren. Das sagt Felix Zulauf. Der Schweizer Geldmanager bereitet sich auf einen Einbruch der Börse vor. Noch größer ist aber seine Sorge, dass wütende Bürger auf die Straße gehen könnten.

Felix Zulauf: "Man hat ein großes Heftpflaster aufgeklebt – aber von Heilung kann keine Rede sein."
Felix Zulauf: "Man hat ein großes Heftpflaster aufgeklebt – aber von Heilung kann keine Rede sein."

Herr Zulauf, Sie sind bekannt dafür, dass Sie ein feines Gespür für die Märkte haben. Wo stehen wir jetzt?

Wir befinden uns in der letzten Phase einer kräftigen Rally. Ich denke, dass wir in diesem Jahr eine größere Korrektur sehen werden.

Wann?

Das weiß ich nicht. Ich schätze, dass der Optimismus zunächst noch anhalten wird. Möglicherweise sehen wir sogar noch eine Art von Kaufpanik, die die Indizes auf neue Höchststände treibt. Aber spätestens ab dem zweiten Quartal wird es meiner Ansicht nach problematischer.

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Wie heftig wird die Korrektur ausfallen?

Ich halte es für realistisch, dass wir Einbrüche von mehr als zehn Prozent sehen werden und in einigen Märkten kann das 20 bis 30 Prozent ausmachen. Dass die Märkte so tief fallen wie 2009, glaube ich allerdings nicht. Wenn ein solcher Einbruch käme, dann wäre das immerhin eine Gelegenheit, um nachzukaufen.

Was könnte den Einbruch auslösen?

Die Märkte erwarten, dass sich die Weltwirtschaft erholt, dass wir die Probleme, die wir haben, überwinden. Ich bin da anderer Meinung. Ich denke, dass sich Konjunktur und Unternehmensgewinne nicht so entwickeln, wie der Markt das erhofft. Wenn klar wird, wie weit Wunsch und Wirklichkeit auseinander liegen, kann das einen Einbruch auslösen. Aber es gibt ja noch zahlreiche andere potenzielle Problemherde, die eine Korrektur auslösen könnten.

Inflation und Staatsbankrott Wenn das Geld nichts mehr wert ist

  • Inflation und Staatsbankrott: Wenn das Geld nichts mehr wert ist
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Die Politik sagt, das Schlimmste sei überstanden.

Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt. Man hat ein großes Heftpflaster aufgeklebt – aber von Heilung kann keine Rede sein.

Geht es nicht auch mit der Konjunktur langsam wieder aufwärts?

Schauen Sie sich doch die neuesten Konjunkturdaten in Europa an. Da ist doch keine Besserung erkennbar. Die real verfügbaren Einkommen stagnieren, in den Peripherie-Staaten fallen sie sogar. Dadurch sinkt auch die Nachfrage. Ich will nicht mal von Griechenland oder Spanien sprechen, wo die Lage ganz dramatisch ist. Aber selbst in Italien liegt das Bruttoinlandsprodukt acht Prozent unter dem Niveau von vor fünf Jahren – und es fällt immer noch.

An den Finanzmärkten ist zumindest wieder Ruhe eingekehrt.

Das liegt nur daran, dass die Europäische Zentralbank die Notbremse gezogen hat. Sie hat erklärt, bankrotte Staaten und Finanzinstitute zu finanzieren, damit der Euro nicht auseinanderbricht. Das war ein Signal an die Banken, wieder mit vollem Risiko in Staatsanleihen zu investieren - was auch passiert ist. Die Banken haben sich bei der EZB für ein Prozent Geld geliehen, damit haben sie Anleihen von Spanien oder Italien mit einem Zins von fünf, sechs oder sieben Prozent gekauft. Ein großartiges Geschäft für die Banken. Schließlich steht die EZB jederzeit bereit, die Risiken zu übernehmen. Die Folge ist, dass die Banken jetzt wieder vollgeladen sind mit Staatsanleihen. Letztlich hat man die Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben und vergrößert.

Die Notenbanken haben die Märkte stabilisiert. Das müsste Sie als Investor doch freuen.

Im Gegenteil. Mich ärgert, wenn Zentralbanken Geld drucken, mit dem sie auf den Märkten mitmischen und mir Konkurrenz machen. Ich muss zuerst mein Geld verdienen, dann muss ich meine Lebenskosten und Steuern bezahlen, von dem was übrig bleibt, kann ich investieren. Die Notenbank druckt einfach Geld. Das hat mit gesunder Wirtschaftspolitik doch nichts mehr zu tun. Aber leider ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten.

Was muss passieren, damit Europa die Krise überwindet?

Die Euro-Zone ist nach wie vor ein sehr fragiles Gebilde. Das Grundproblem bleibt ungelöst. Man hat völlig unterschiedliche Volkswirtschaften mit völlig unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und unterschiedlichen Kulturen in eine Währungsunion gezwungen, ohne dass es einen politischen Zusammenschluss gab. Das kann langfristig nicht funktionieren.

Was kann denn funktionieren?

Theoretisch wäre ein europäischer Bundesstaat denkbar, mit Zentralregierung, die die Vergemeinschaftung von Schulden und die Umverteilung organisiert – so wie beim Länderfinanzausgleich in Deutschland.

Ist das realistisch?

Nein, ich glaube nicht, dass die Bürger Europas in den nächsten 20 Jahren dazu bereit sein werden. Solidarität funktioniert nur, wenn es den Menschen gut geht. Sobald es schlechter geht, ist es mit der Solidarität schnell vorbei. Das sehen wir im Moment an vielen Beispielen. Schauen Sie sich Katalonien an. Dass die Unabhängigkeitsbewegung dort so stark wird, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Man ist müde, immer für die anderen zu zahlen.

Das sind Qualitätsaktien wert

  • Coca Cola

    Marktkapitalisierung: 168 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 3 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 8,4 Prozent

  • Heinz

    Marktkapitalisierung: 23 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 2,9 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 20,5

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 32,7 Prozent

  • L'Oreal

    Marktkapitalisierung: 67 Milliarden Euro

    Dividendenrendite: 2,2 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 21,6

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 28,3 Prozent

  • LVMH

    Marktkapitalisierung: 67,5 Milliarden Euro

    Dividendenrendite: 2,4 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 5,6 Prozent

  • McDonalds

    Marktkapitalisierung: 94 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 3,4 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,2

    Kursentwicklung (1 Jahr): - 6,1 Prozent

  • Nestlé

    Marktkapitalisierung: 204 Milliarden Franken

    Dividendenrendite: 3,5 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 13 Prozent

  • Procter & Gamble

    Marktkapitalisierung: 209 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 3 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 18,8

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 17,9 Prozent

  • SAP

    Marktkapitalisierung: 70 Milliarden Euro

    Dividendenrendite: 1,6 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,1

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 21,2 Prozent

  • Starbucks

    Marktkapitalisierung: 40 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 1,5 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 25,3

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 12,2 Prozent

  • Unilever

    Marktkapitalisierung: 88 Milliarden Euro

    Dividendenrendite: 3,5 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,4

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 14,3 Prozent

  • Wal Mart

    Marktkapitalisierung: 232 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 2,3 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 14,1

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 10,9 Prozent

  • Walt Disney

    Marktkapitalisierung: 100 Milliarden Dollar

    Dividendenrendite: 1,2 Prozent

    Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,2

    Kursentwicklung (1 Jahr): + 33,2 Prozent

Wie wird es weitergehen?

Die Politik wird weiterwursteln. Das Ergebnis wird sein, dass die Staatsverschuldung weiter steigt und die Mehrzahl der Länder in der Deflation gefangen bleibt. Die Krise wird nicht nur zehn Jahre, sondern eine ganze Generation andauern. Irgendwann wird es dann Brüche geben.

Was heißt das?

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Durch den Vorstoß der EZB hat man Finanzmärkte vorerst ruhig gestellt. Aber beim nächsten Mal wird der Druck von den Bürgern ausgehen. Fakt ist: Der Lebensstandard verschlechtert sich in den Schuldnerländern stetig, viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren, wir haben Millionen in die Armut geschickt! Es ist doch klar, dass die Menschen unzufrieden sind. Deshalb halte ich es für denkbar, dass sie eines Tages auf die Straße gehen und gegen diese Politik Sturm laufen werden.

Bundeskanzlerin Merkel betont, der Euro sei wichtig für den Frieden in Europa.

Der Euro sorgt nicht für Frieden, sondern für Unfrieden. Das habe ich schon bei der Geburtsstunde des Euros gesagt. Der Zusammenhalt in Europe ist heute schlechter als je zuvor in den letzten Jahrzehnten.

Lassen Sie uns über den Tellerrand blicken. Wie sieht es im Rest der Welt aus?

Nicht nur in Europa ist das Wachstum schwach. In Amerika erwarten alle, dass die Wirtschaft um drei Prozent wachsen wird. Wo soll das herkommen? Allein die Steuererhöhungen kosten schon anderthalb Prozent. Ich gehe davon aus, dass es dort eine große Enttäuschung geben wird. Die Schwellenländer wachsen zwar noch, aber auch nicht mehr so schnell wie in den letzten zehn Jahren. Selbst die wohlhabenden Chinesen bringen ihr Geld aus dem Land. Die haben feine Antennen für die Probleme in ihrer Heimat. Kurzum: Der Kuchen, der zu verteilen ist, wird nicht größer.

Deshalb versuchen die Länder, ihre Währung abzuwerten, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Richtig, sie wollen sich so einen größeren Teil vom Kuchen sichern. Zuerst haben die Amerikaner damit angefangen, dann folgten die Engländer, jetzt die Japaner, zum Schluss kommen noch die Europäer. Die Gefahr eines solchen Abwertungswettlaufs ist, dass die Situation eines Tages eskaliert, bis hin zu einer Einschränkung des Freihandels. Es könnte zu Konflikten unter den Nationen kommen. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber das Risiko besteht.

Japan hat einen radikalen Kurswechsel vollzogen. Was sind die Konsequenzen?

Was in Japan passiert, ist dramatisch. Japan hat erstmals seit Jahrzehnten eine negative Zahlungsbilanz. Außerdem ist das Land nicht mehr in der Lage, aus den eigenen Ersparnissen heraus die Staatsverschuldung zu finanzieren. Deshalb will Japan jetzt Inflation erzeugen, die Währung abwerten und Konjunkturprogramme auflegen – alles finanziert durch die Notenpresse. Die Abwertung des Yen hat bereits begonnen, sie wird noch viel weiter gehen. Das tangiert natürlich alle Exportnationen – Südkorea, China, auch Deutschland wird dies treffen.

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Großkonzerne locken mit ansehnlichen Renditen. Aber Vorsicht!

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Was wird passieren?

In Branchen wie Auto- oder Maschinenbau werden die Margen deutscher Hersteller zurückgehen, weil sie mit den Preisen nachziehen müssen. Bis Mitte des Jahres wird Europa an einen Punkt kommen, an dem es nicht mehr mit diesem Euro leben kann. Frankreichs Hollande drängt jetzt schon auf eine Abwertung. Das muss er auch, weil die französische Volkswirtschaft katastrophal dasteht, nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Frankreich wird zu einem zweiten Spanien.

Die EZB betont, der Wechselkurs sei für die Geldpolitik nicht relevant. Auch die Bundesbank leistet Widerstand gegen eine gezielte Abwertung.

Die Politik der Bundesbank ist leider tot. Die Vertreter der Bundesbank dürfen noch etwas bellen, aber nicht mehr beißen. Die Geldpolitik wird von einem Italiener gemacht. Draghi ist eine starke Persönlichkeit, er wird sich durchsetzen. Er wird die Lira-isierung des Euro vorantreiben, nicht weil ihm das so gefällt, sondern weil er keine andere Wahl hat. Anders ist der Euro nicht zusammenzuhalten. Das weiß auch Frau Merkel, aber sie kann ja nicht die Wahrheit sagen. Sonst würde der Bürger ja merken, was vor sich geht.

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Das klingt sehr düster. Was soll man in so einer Situation mit seinem Geld machen?

Auf lange Sicht sind Aktien eine gute Wahl. Nur ist im Moment nicht der beste Zeitpunkt, um welche zu kaufen. Die Frage ist, ob die Unternehmen in einem Umfeld der Stagnation ihre Erträge steigern können. Bis jetzt haben sie von Sonderfaktoren profitiert, etwa laufend tieferen Finanzierungskosten. Aber da sind wir nun auf einem Niveau, wo das nicht mehr wiederholt werden kann. Auch mit Sparprogrammen und Stellenabbau stößt man an Grenzen, da jedes Unternehmen eine minimalste Besetzung braucht.

Immerhin bieten viele Unternehmen gute Dividenden.

Ich verstehe die Leute, die jetzt Aktien kaufen wegen der Dividendenrendite. Allerdings: Langfristig kauft man Aktien wegen des Ertragswachstums.

Welche Firmen schaffen das am ehesten?

Ich würde Standardwerte wie Coca Cola, Johnson & Johnson oder Henkel wählen.

Die Aktien sind natürlich schon recht teuer.

Sie haben recht, diese Aktien sind nicht mehr billig. Auf der anderen Seite haben diese Unternehmen ein stabiles Geschäftsmodell, sie produzieren Dinge, die den täglichen Bedarf abdecken, und sie sind in den Schwellenländern vertreten, wo es noch viele Jahre Wachstum geben wird. Deshalb sind solche Konzerne auch in einem schwachen Umfeld in der Lage, ihre Erträge zu steigern.

Wo das Geld der Deutschen liegt

  • Geldvermögen gesamt

    2010: 4.645,4 Milliarden Euro

    2011: 4.710,2 Milliarden Euro

    2012: 4.939,0 Milliarden Euro

    Quelle: Deutsche Bundesbank, 03.05.2013

  • Bargeld und Sichteinlagen

    2010: 914,1 Milliarden Euro

    2011: 953,3 Milliarden Euro

    2012: 1.056,9 Milliarden Euro

  • Termingelder

    2010: 262,6 Milliarden Euro

    2011: 280,5 Milliarden Euro

    2012: 274,4 Milliarden Euro

  • Spareinlagen

    2010: 609,1 Milliarden Euro

    2011: 608,2 Milliarden Euro

    2012: 608,0 Milliarden Euro

  • Sparbriefe

    2010: 75,0 Milliarden Euro

    2011: 85,4 Milliarden Euro

    2012: 75,5 Milliarden Euro

  • Festverzinsliche Wertpapiere

    2010: 254,1 Milliarden Euro

    2011: 247,1 Milliarden Euro

    2012: 238,2 Milliarden Euro

  • Aktien

    2010: 243,5 Milliarden Euro

    2011: 221,5 Milliarden Euro

    2012: 259,1 Milliarden Euro

  • Sonstige Beteiligungen

    2010: 179,1 Milliarden Euro

    2011: 185,2 Milliarden Euro

    2012: 193,4 Milliarden Euro

  • Investmentzertifikate

    2010: 435,4 Milliarden Euro

    2011: 394,9 Milliarden Euro

    2012: 420,1 Milliarden Euro

  • Ansprüche gegenüber Versicherungen

    2010: 1.358,1 Milliarden Euro

    2011: 1.400,2 Milliarden Euro

    2012: 1.468,9 Milliarden Euro

  • Ansprüche aus Pensionsrückstellungen

    2010: 284,3 Milliarden Euro

    2011: 295,4 Milliarden Euro

    2012: 306,6 Milliarden Euro

  • Sonstige Forderungen

    2010: 39,0 Milliarden Euro

    2011: 38,4 Milliarden Euro

    2012: 37,9 Milliarden Euro

Warren Buffett will Heinz-Ketchup kaufen, obwohl das Unternehmen mit dem 20-fachen des Jahresgewinns hoch bewertet ist. Eine gute Entscheidung?

Buffett hat einen guten Kauf getätigt. Heinz ist ebenfalls ein klassisches Unternehmen, das den alltäglichen Konsum bedient. Ich bin oft in den USA - Ketchup gehört dort zu den Grundnahrungsmitteln. Buffett wird diese Aktien sicher nicht nur fünf Jahre halten. Er ist ein kluger Investor, der die langen Linien sieht. Deshalb investiert er sein Geld lieber in Sachwerte, also Unternehmen, als in Renten, die von der wirtschaftspolitischen Marschrichtung langfristig an Wert verlieren werden.

Wie sieht es mit Gold aus?

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Gold ist dann interessant, wenn das System kriselt. Es ist eine Versicherung gegen den Zerfall der Papierwährungen. Dass der Goldpreis in den vergangenen anderthalb Jahren gefallen ist, ist ganz normal. Der Anstieg auf fast 2000 Dollar im Sommer 2011 war eine temporäre Übertreibung. Ich habe damals meinen Kunden gesagt, dass wir uns auf eine längere Korrektur einstellen müssen. Momentan laufen Zwangsliquidation einiger Goldfonds ab, was schnelle Kursabschläge, aber auch jeweils das Ende einer Bewegung bedeutet.  Wie weit es noch runter geht, weiß ich nicht. Ich denke, dass die Korrektur im Laufe dieses Frühjahres auslaufen wird, wenn die Weltwirtschaft enttäuscht. Langfristig ist der Aufwärtstrend intakt.

Bei Anleihen sind Sie dagegen sehr skeptisch.

Anleihen sind 30 Jahre lang gut gelaufen. Jetzt sind sie völlig überbewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehnjährigen Bundesanleihen liegt rein rechnerisch bei 70 - das ist mehr als bei Technologie-Aktien im Jahr 2000. Ein Grund dafür sind auch die Eingriffe der Notenbanken, die in den letzten fünf Jahren mehr als zehn Billionen Dollar in Anleihen von Staaten und anderen Schuldnern gesteckt haben. Sie haben mit frisch gedrucktem Geld eingekauft und damit die Zinsen auf ein tiefes Niveau gedrückt. Der Anleihemarkt ist völlig verzerrt – eine große Blase, die aber wegen der Zentralbanken noch einige Zeit nicht platzen wird.

Halten Sie noch Anleihen?

Ich war von Anfang an dabei und habe den Zinszyklus über die ganze Zeit geritten. Aber im letzten Sommer habe ich alle langfristigen Anleihen verkauft. Jetzt halte ich nur noch Unternehmensanleihen mit maximal vier, fünf Jahren Laufzeit. Zwar sehe ich keinen großen Zinsanstieg, sondern vielmehr ein seitwärtspendeln das sogar ein paar Jahre gehen könnte auf einem niedrigen Zinsniveau. Trading kann man da noch machen, aber für Anleger sind die Renten mehr oder weniger gelaufen, nach 30 Jahren Bullmarkt.

Wo legen Sie das Geld stattdessen an?

Ich sitze auf Cash.

Damit riskieren Sie, dass Sie an Kaufkraft verlieren.

Damit habe ich kein Problem. Wenn ich keine guten Gelegenheiten sehe, dann investiere ich nicht. Ich verwalte ja nur noch mein eigenes Geld.

Wollen Sie jemals wieder ins Geldmanagement zurückkehren?

Nein, ich habe fast 40 Jahre fremde Gelder verwaltet und möchte in meinem Alter nicht mehr 15 Stunden am Tag vor den Monitoren sitzen. Aber mein Sohn startet jetzt zusammen mit Kollegen ihr eigenes Geschäft.

Und machen Sie da auch mit?

Ich werde die Mannschaft natürlich unterstützen. Sie werden auch in meinen Büroräumlichkeiten sein. Aber ich mische mich nicht in das Management ein, sondern bin im Hintergrund beratend tätig. Er ist Anfang dreißig, hat seine Lehr- und Wanderjahre hinter sich und das Team hat einen guten Mix von 40-25-Jährigen. Er hat in diversen Ländern im allen wichtigen Sparten des Finanz- und Rohstoffgeschäfts gearbeitet und ich tausche mich ja seit zehn Jahren täglich mit ihm aus über die globalen Entwicklungen. Er soll mit seinen Kollegen zusammen die eigene Firma aufbauen. Es macht doch sehr viel mehr Freude, wenn man selbst etwas aufbauen kann, als sich in ein gemachtes Nest zu setzen.

Vielen Dank für das Gespräch

 

Zur Person:

Felix Zulauf, Jahrgang 1950, begann seine Karriere bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) in Zürich (heute UBS). Er war dort Geldverwalter, globaler Anlagestratege und Leiter des Portfoliomanagements für Großkunden. Den Börsencrash 1987 überstand er schadlos, weil er rechtzeitig alle Aktien verkauft hatte. 1990 gründete der Schweizer seine Vermögensverwaltung Zulauf Asset Management. Er gehörte bei der Einführung des Euro zu den schärfsten Kritikern der Währungsunion. Heute kümmert er sich allein um sein Privatvermögen.

Der Reporter auf Twitter:

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  • 22.02.2013, 01:36 UhrEingeweideleserkritiker

    Reiche Rentner sehen immer nur halbleere Glaeser- ungeachtet dessen dass sie nur reich geworden sind aufgrund des Ergreifens halbvoller Glaeser.
    Zulauf hat laut seinen Interviews immer alles richtig gemacht, er ist aber wohl primaer mit dem Verbreiten seiner Kristallkugelweisheiten sehr reich geworden- ueber seine tatsaechliche Performance gibt es keine Daten.
    Tenor: weil alles so schlimm ist und so kommt wie ich es sehe und sage wird es billiger- und dann steig ich wieder ein, LOL.
    Als Rentner und INVESTOR sollte er langsam mal anfangen sein Vermoegen zu strukturieren statt zu wetten.
    Seine Kristallkugel kann er ja seinem Sohn verkaufen damit der sich auch mit dem Geld anderer Leute reich zocken kann.

  • 22.02.2013, 01:29 Uhrfjv2

    ich kann nur jedem raten ein paar % in Bitcoins zu investieren.
    Sicherer als jede andere Fiat Wärung. Ein prima Wertspeicher und fast genauso praktisch wie normales Konto

  • 21.02.2013, 23:13 Uhrpedrobergerac

    Lyndon La Rouche hat da einen ganz anderen Tipp
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ZIFjxHc0mJc

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