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Finanzmärkte: Blackrock warnt vor einer Vertrauenskrise

exklusiv Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock ist sich sicher, dass an den Finanzmärkten eine massive Vertrauenskrise droht. Larry Fink spricht von einer tiefsitzenden Verunsicherung über die Zukunft.

Laurence Fink: „Es fehlt den Investoren an einer positiven Perspektive.“ Quelle: dpa
Laurence Fink: „Es fehlt den Investoren an einer positiven Perspektive.“ Quelle: dpa

An den Finanzmärkten droht eine massive Vertrauenskrise, die nicht nur das weltweite Wirtschaftswachstum, sondern auch die Altersvorsorge vieler Menschen behindert. „Es fehlt den Investoren an einer positiven Perspektive. Sie vermissen ein einheitliches Vorgehen der Regierungen in Bezug auf die langfristigen haushalts- und wettbewerbspolitischen Herausforderungen, vor denen die entwickelten Staaten stehen", schreibt Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock aus New York in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. "Das alles führt zu tiefsitzender Verunsicherung über die Zukunft, einem Mangel an Vertrauen in die politische Führung und zu Lethargie an den Märkten."

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Das denken Unternehmer über Vertrauen

  • Bayer: Wolfgang Plischke

    Vertrauen ist ein sehr hohes Gut. Es entsteht durch wiederkehrende positive Erfahrungen. Es muss daher als Person oder Institution kontinuierlich verdient und neu bestätigt werden. Reden und Handeln müssen im Einklang sein.

    (Wolfgang Plischke, Vorstand)

  • Deutsche Bank: Josef Ackermann

    Wir können langfristig nur erfolgreich sein und bleiben, wenn die Menschen uns Vertrauen entgegenbringen. (Josef Ackermann, CEO)

  • Fresenius: Ulf M. Schneider

    Vertrauen ist gerade im Gesundheitsbereich von größter Bedeutung, und das Vertrauen in die hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen ist die Grundlage für unser stabiles, nachhaltiges Wachstum. Wir legen großen Wert auf langfristige Verlässlichkeit und arbeiten in dem Bewusstsein, uns morgen an dem messen zu lassen, was wir heute ankündigen oder tun. Das prägt auch den Umgang mit unseren Mitarbeitern, die Kommunikation mit unseren Kapitalgebern und das Verhältnis zu anderen Partnern des Unternehmens. (Ulf M. Schneider, CEO)

  • K+S: Thomas Nöcker

    In der Rohstoffindustrie bzw. im Bergbau ist unser Denken und Handeln sehr langfristig ausgerichtet. Vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen mit unseren Kunden und Lieferanten sind daher von großer Bedeutung. Fairness und Respekt im Umgang miteinander sind wichtige Voraussetzungen, damit Vertrauen entstehen und erhalten werden kann. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zahlen sich dann vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen meist aus. (Thomas Nöcker, Personalvorstand)

  • Munich Re: Nikolaus von Bomhard

    Im Grunde ist es für Banken und Versicherungen ganz einfach: Versprich nicht mehr, als du halten kannst und sorge dafür, dass sich dieses Versprechen auch in extremen Szenarien einhalten lässt. (Nikolaus von Bomhard, CEO. Aus einem Interview mit dem Manager Magazin)

  • MAN: Jörg Schwitalla

    Vertrauen zwischen Wirtschaftspartnern entsteht nicht von allein, daran muss man arbeiten und etwas investieren: Einfühlungsvermögen und Offenheit ebenso wie Fairness und Respekt. (Jörg Schwitalla, Personalvorstand)

  • Siemens: Brigitte Ederer

    Vertrauen ist schwer zu gewinnen und schnell verspielt. Vertrauen muss man sich verdienen durch Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Besonders in der Wirtschaft geht ohne Vertrauen nichts.

    (Brigitte Ederer, Personalvorstand)

Diejenigen Anleger, die in den vergangenen zehn Jahren zwischen 2000 und 2009 investiert geblieben seien, hätten ein „verlorenes Jahrzehnt“ erlebt. Dem Markt fehlten zwei wesentliche Voraussetzungen für eine Trendwende: Vertrauen und Gewissheit.

Das Vertrauen werde nur zurückkehren, wenn die Investoren verstünden, wie die Finanzmärkte funktionierten. Banken, Finanzdienstleister und Aufsichtsbehörden müssten für mehr Anlegertransparenz sorgen.

„Finanzdienstleister müssen sehr deutlich machen, wie sie die Interessen ihrer Kunden mit ihren eigenen in Einklang bringen“, schreibt Fink. Dazu gehöre, dass sie Gebühren und Risiken offenlegten, die mit ihren Produkten verbunden seien. Die entsprechenden Transparenzstandards sollten für alle Investmentvehikel gleichermaßen gelten – egal, ob es sich dabei um Investmentfonds, Zertifikate oder Versicherungsprodukte handele.

Fink sagt voraus, dass sich die Aufmerksamkeit der Märkte von der europäischen Schuldenkrise zum Schuldenproblem der USA verlagern werde. Zugleich warnte er vor Steuererhöhungen in den Industrieländern, weil dadurch das Wachstum noch mehr behindert werde.

Wem können Sie trauen, wem nicht? Die Tipps von Dirk Müller

  • Die Politik

    Dirk Müller: „Dass sich die Politiker gerne mal die Hucke voll lügen, dürfte hinlänglich bekannt sein. [...] Ich darf daran erinnern, dass der damalige Finanzminister Steinbrück noch im Sommer 2008 eine deutsche Rezession für vollkommen ausgeschlossen hielt und diesbezügliche Meinungen als 'typisch deutsche Schwarzmalerei' abtat? Wohl dem, der seine Investitionen nicht darauf gebaut hat...“

  • Die Wirtschaftsweisen

    Dirk Müller: „Die Wirtschaftsweisen müssen es doch wissen, sollte man meinen. Immerhin beraten sie die Regierung. [...] Weit gefehlt. Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben noch im Herbst 2008 eine Rezession für Deutschland und die USA für unwahrscheinlich erklärt. Wir wissen heute, dass die Rezession in den USA offiziell vom Dezember 2007 bis Juni 2009 dauerte. Das bedeutet: Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erkennen eine Rezession noch nicht einmal dann, wenn sie bereits seit einem halben Jahr tobt.“

  • Finanzmedien

    Dirk Müller: „Ja, es macht Sinn, sie zu lesen, aber bleiben Sie kritisch. Glauben Sie nichts, was nicht mit Ihrer Wahrnehmung der Dinge übereinstimmt, und hinterfragen Sie alles. Stellen Sie sich vor allem die Frage: Von wem kommt diese Information und wem nützt sie.“

  • Börsenbriefe

    Dirk Müller: „Es gibt einige gute, fundierte und seriöse Börsenbriefe, aber die Mehrzahl ist reine Geldmacherei. Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie kostenlose Börsenbriefe im Briefkasten oder im Maileingang finden. Was glauben Sie, warum sich der Herausgeber diese Mühe macht? Er sucht Dumme.“

  • Bankberater

    Dirk Müller: „Der Bankverkäufer ist keineswegs der neutrale Notar, oder gar ihr guter Freund, der nur Ihr Wohl vor Augen hat. [...] Warum das so ist, erkennen wir, wenn wir uns mit seinem Arbeitgeber, der Bank, beschäftigen. Welche Aufgabe hat diese Bank? Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Gewinn zu erwirtschaften. Gewinn für ihre Eigentümer und Aktionäre. Sie hat weder die Aufgabe, Gutes für die Gesellschaft zu tun, noch ist sie eine neutrale und staatlich finanzierte Beratungsgesellschaft für Leute, die keinen Plan von Finanzen haben. [...] Begegnen Sie ihm [dem Bankverkäufer] genauso, wie sie einem Autoverkäufer begegnen würden. Freundlich, informiert und in dem Bewusstsein, dass der nette Kerle, der Ihnen einen Kaffee anbietet, Ihnen im nächsten Moment verkauft, was vom Hof muss.“

  • Der beste Ratgeber

    „... sind Sie selbst und Ihr Bauchgefühl. Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wirklich verstanden haben. Hinterfragen Sie stets alles, und vertrauen Sie auf Ihre Lebenserfahrung und Ihren gesunden Menschenverstand, dann sind Sie besser dran als mit allen Expertentipps.“

  • Literatur

    Dirk Müller, „Cashkurs: So machen Sie das Beste aus Ihrem Geld: Aktien, Versicherungen, Immobilien“, erschienen am 12. September 2011 bei Droemer.

Noch vor einem Monat äußerte sich Fink wesentlich optimistischer. In einem Interview mit der FAZ sagte er, in seiner Karriere habe er eines gelernt: Abgerechnet werde immer erst am Schluss. Nach der Lehman-Krise 2008 habe Blackrock im Auftrag der amerikanischen Regierung eine schwierige Aufgabe übernommen, die giftigen Wertpapiere in der Bilanz des verstaatlichten Versicherungsriesen AIG neu zu bewerten und abzuwickeln.

Alle hätten damals gedacht, dass die Verluste für den amerikanischen Steuerzahler hoch sein würden. Aber am Ende sei der Staat mit Gewinn aus der Angelegenheit herausgekommen. Das zeige, dass die Dinge Zeit bräuchten: Was kurzfristig nach einem schlechten Geschäft aussehe, könne sich langfristig lohnen.

Genau aus diesem Blickwinkel sollte man die Euro-Krise betrachten: Als ein Investment, das auf kurze Sicht enorme Summen verschlingt, das sich aber auf lange Sicht auszahlen werde. Auch Deutschland brauche den Euro.

Fink bezeichnete es zudem als "einen großen Fehler", dass viele Anleger skeptisch sind und dem Aktienmarkt fernbleiben. Anleger müssten endlich wieder richtig investieren. Sichere Anleihen aus den Vereinigten Staaten und aus Deutschland würfen nur noch Zinsen ab, die bei kaum mehr als einem Prozent lägen.

"Wie wollen Sie mit solchen Mini-Erträgen für die eigene Zukunft vorsorgen?", fragte er. "Darum sage ich: Kauft Aktien - vor allem mehr hochwertige Dividendenpapiere. Und bitte nicht zu knapp: Man sollte ordentlich in Aktien investieren."

Börsennotierte Fonds BlackRock senkt ETF-Gebühren im Konkurrenzkampf

Der weltgrößte ETF-Anbieter BlackRock senkt im Konkurrenzkampf mit Vanguard und Schwab die Gebühren für sechs seiner Produkte und legt gleichzeitig vier neue auf. Der Handel startet am 22. Oktober.

Börsennotierte Fonds: BlackRock senkt ETF-Gebühren im Konkurrenzkampf

Auf die Nachfrage der FAZ, ob er dies ernst meine, bekräftigte Fink: "Es kann doch nicht sein, dass sich Investoren von Kursschwankungen derart verunsichern lassen. Wo eine Aktie gerade notiert, ist doch eine reine Momentaufnahme." Wer investiere, um sein Vermögen für die nächsten 30 Jahre zu erhalten, dürfe sich um die Kurse von heute nun wirklich nicht scheren. Schließlich sei der Anlagehorizont ein ganz anderer. #

Und es seien beileibe nicht nur die jungen Leute, die langfristig denken sollten: Denn die Menschen lebten immer länger. Selbst die meisten 55-Jährigen haben heute glücklicherweise noch mindestens 30 Lebensjahre vor sich. Ohne Aktien, da bin ich sicher, wird es ihnen im Alter an Einkommen fehlen.

Vertrauen in die Bankenbranche

  • Vertrauen in die Bankenbranche

    Die Kurztextgalerie zeigt, wie sich das Vertrauen der Bankkunden in der Euro-Zone in den letzten 12 Monaten verändert hat. Als Vergleichswerte dienen die Vertrauenszahlen aus einem BRIC-Staat, China, Japan und den USA. (Die Daten wurden vom Analysehaus Ernst & Young bereitgestellt)

  • Platz 1

    Niederlande

    Gestiegen: 3 Prozent

    Gesunken: 49 Prozent

    Saldo: - 46 Prozent

  • Platz 2

    Deutschland

    Gestiegen: 5 Prozent

    Gesunken: 58 Prozent

    Saldo: - 53 Prozent

  • Platz 3

    Frankreich

    Gestiegen: 4 Prozent

    Gesunken: 58 Prozent

    Saldo: - 54 Prozent

  • Platz 4

    Portugal

    Gestiegen: 2 Prozent

    Gesunken: 68 Prozent

    Saldo: - 66 Prozent

  • Platz 5

    Belgien

    Gestiegen: 3 Prozent

    Gesunken: 72 Prozent

    Saldo: - 69 Prozent

  • Platz 5

    Italien

    Gestiegen: 3 Prozent

    Gesunken: 72 Prozent

    Saldo: - 69 Prozent

  • Platz 7

    Spanien

    Gestiegen: 5 Prozent

    Gesunken: 76 Prozent

    Saldo: - 71 Prozent

  • Platz 8

    Griechenland

    Gestiegen: 1 Prozent

    Gesunken: 81 Prozent

    Saldo: - 80 Prozent

  • BRIC-Staat

    Indien

    Gestiegen: 72 Prozent

    Gesunken: 12 Prozent

    Saldo: + 60 Prozent

  • China

    China

    Gestiegen: 31 Prozent

    Gesunken: 30 Prozent

    Saldo: + 1 Prozent

  • Japan

    Japan

    Gestiegen: 4 Prozent

    Gesunken: 28 Prozent

    Saldo: - 24 Prozent

  • USA

    USA

    Gestiegen: 9 Prozent

    Gesunken: 51 Prozent

    Saldo: - 42 Prozent

  • 19.10.2012, 17:21 Uhrstopbuy

    @pietmondrian
    Wenn Sie sich durch den Hochfrequenzhandel benachteiligt fühlen, dann sollten Sie die Transaktionssteuer beführworten. Eine Steuer von etwa 0,05 oder 0,1% ist für den normalen Anleger ohne Bedeutung. Ein Programm dessen Algorithmus innerhalb kürzester Zeit mehrere 100 Mal Kauf und Verkauf des gleichen Wertpapiers auslöst, das macht die Taschen leer. Damit ist der Hochfrequenzhandel sinnlos.

  • 19.10.2012, 15:11 UhrWirWarenMalDasVolk

    "Kauft Aktien"
    Mache ich, wenn der DAX runter auf ~4000 ist -in einem komplett "staatsfinanzierten" Wirtschaftsumfeld entbehrt der Höhenflug der Aktien jedweder fundamentalen Begründung..

  • 19.10.2012, 13:31 Uhrstatesman

    Recht hast Du, @schnarch!
    Jeder, der Gelbes (und Silbernes!) gekauft hat, kann es wie Du machen, "schnarch".
    Hinlegen und auf weitere Verdoppelungen seiner Investitionen warten!

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