
FrankfurtFür Großanleger rückt die Rendite einer Geldanlage wieder stärker in den Mittelpunkt des Investments. Das hängt weniger mit einer sinkenden Risikoscheu zusammen als mit dem Zwang, höhere laufende Erträge zu erzielen. Der Grund: Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds müssen regelmäßige Zahlungen leisten – etwa bei Betriebsrenten. Das ergibt eine Studie von Lutz Johanning, Professor der WHU Otto Beisheim School of Management im Auftrag des Fondsanbieters Union Investment. Befragt wurden 42 Großanleger in Deutschland zwischen Juni und August 2011.
Die Investoren hätten eine dreijährige Durststrecke hinter sich, in der die Renditeniveaus bei sicheren Anlagen wie Bundesanleihen unterhalb ihres benötigten Mindestertrags von meist mindestens vier Prozent im Jahr lagen, sagt Alexander Schindler, Vorstand bei Union Investment. „Die Ertragsreserven sind zum größten Teil aufgebraucht, der Renditehunger ist merklich gestiegen.“ Deshalb halten heute zwölf Prozent der Befragten die Rendite für das wichtigste Thema bei der Anlageentscheidung. 2010 meinten dies nur sieben Prozent. Die Sicherheit des Kapitals steht aber für 69 Prozent an erster Stelle, die Liquidität für 19 Prozent. Der weitaus größte Teil des Kapitals ist in Anleihen investiert.
Die jüngsten Erfahrungen zeigen, dass die reine Orientierung etwa an Börsenindizes an Gewicht verliert. Fast die Hälfte der Investoren will eine bestimmte Mindestrendite erreichen, nur 17 Prozent wollen mit einem Index mithalten, so die Umfrage. Dagegen passen die Anleger ihre Investments verstärkt täglich an neue Kapitalmarktsituationen und Fälligkeiten etwa bei Bonds an. Die dynamische Wertsicherung dürfte immer bedeutender werden, um die knappen Risikobudgets effizient auszunutzen, sagt Johanning.




