
In Essen soll an diesem heißen Sommerabend über die Verbesserung der Welt geredet werden. Die Stiftung Mercator, finanziert von den Familien der Metro-Gründer Wilhelm und Ernst Schmidt, hat in die Philharmonie gebeten. 300 Gäste - Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer - hängen an den Lippen des grauhaarigen Mannes auf dem Podium, fragen ihn artig um Rat: Wie denn der Euro zu retten sei?
Ausgerechnet ihn. George Soros, den größten Finanzjongleur, den das "Wall Street Journal" verdächtigte, gegen den Euro zu spekulieren. Und trotzdem kommt es heute keinem in den Sinn, ihn als Verursacher von Krisen zu beschuldigen. Niemand, so scheint es, nimmt ihm sein auf elf Milliarden Dollar geschätztes Vermögen übel. Dabei sitzen auch gestandene Sozialdemokraten im Publikum. Sie zucken nicht mal, als Soros nicht ausschließen mag - bei aller Sorge um Europa -, auch gegen den Euro zu wetten.
Der nächste Morgen, im Frühstücksraum des Essener Sheraton. Soros hat anstrengende Tage hinter sich. "Soros: Die Deutschen treiben Europa in die Deflation" titeln die Zeitungen und "Soros: Deutschland sollte raus aus dem Euro". Wie ein Wanderprediger ist er durch die Lande gezogen, hat beim Bankengipfel in Wien gesprochen, an der Berliner Humboldt-Universität, gestern in Essen.
Soros, der Gute Spekulant
Er wird bald 80, doch er denkt schnell, ist gründlich informiert und auf dem letzten Stand. Sein Gedächtnis ist phänomenal, er erinnert sein Gegenüber an Debatten, die beide vor 17 Jahren geführt haben. Nur zwei Wochen ist es her, dass er in der Wiener Hofburg die globale Bankelite schockiert hatte.
Der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführte Bankenverband IIF wollte der Welt zeigen, dass Regulierung Arbeitsplätze vernichtet. Dass sie auf Soros nicht zählen konnten, hatten die Banker geahnt. Und tatsächlich: Ruhig und mit fester Stimme hatte er seine gängigen Thesen skizziert. Kreditderivate seien eine "Lizenz zum Töten", alle Regulierungsvorschläge zu lasch. Doch dann das: Die Aufseher sollten sich ein Beispiel an China nehmen, das zentral bestimme, wie viel Kredit die Banken welcher Industrie geben.
Karl Popper hätte vielleicht gesagt, dass es sicheres Wissen nicht gibt. Wir alle können nur vermuten.
Soros erlaubt es uns durch sein Auftreten immerhin zu vermuten, sei es sein Eigeninteresse oder mehr.
Soros hat qua Reichtum und Lebensalter inzwischen die innere Freiheit gefunden, das zu sagen, was ist: Die Herrschaft der Finanzwirtschaft ist ein Unglück für die Realwirtschaft und die Menschen, weltweit!
George Soros ist einer, der am treffendsten mit dem schlichten deutschen Wort "Heuchler" dann auch schon beinahe vollständig beschrieben ist. Jeder beitrag, der ihn als solchen entlarvt, ist begrüßenswert, solange ihm dabei nicht eine günstige Gelegenheit zu Propaganda für seinen eigenen Vorteil eingeräumt wird. Wenn er allerdings weiter seinen Mund so weit aufreißt, wäre es einmal an der Zeit, daß sich jemand ein Herz nimmt und ihn so auseinandernimmt, wie er das gerne in seinen besten Jahren mit anderen getan hat, anstatt ihn derart unter Artenschutz zu stellen, wie das gegenwärtig geschieht.





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