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Günstige Einstiegskurse: Weltkonzerne im Sonderangebot

An den Börsen zeigt sich derzeit eine historisch seltene Konstellation: Bei Firmen wie Daimler, VW oder Gazprom liegt der aktuelle Börsenwert niedriger als das Eigenkapital. Nicht nur Warren Buffett wittert da Chancen.

Auf zur Schnäppchenjagd! Auch an der Börse gibt es viele scheinbar attraktive Angebote. Quelle: dpa
Auf zur Schnäppchenjagd! Auch an der Börse gibt es viele scheinbar attraktive Angebote. Quelle: dpa

DüsseldorfAuf das Überleben des Euros wolle er nicht spekulieren, schrieb Warren Buffett jüngst an seine Aktionäre. Doch von der Substanz der Konzerne in Übersee zeigte er sich überzeugt: „Mir fällt ein Dutzend Euro-Aktien ein, die attraktiv bewertet sind.“

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Namen nannte der 81-Jährige nicht. Klar ist aber, dass Buffett seinem seit Jahrzehnten befolgten Grundsatz treu bleibt, auf stark unterbewertete Unternehmen zu setzen. Und da eröffnen sich ihm derzeit weltweit, vor allem aber in Europa, besonders günstige Einstiegsmöglichkeiten: 20 der 50 größten europäischen Konzerne kosten heute an der Börse weniger, als ihr Buchwert beträgt – also das in der Bilanz ausgewiesene Eigenkapital abzüglich der Schulden. Diese seltene Konstellation ergibt sich daraus, dass die Konzerne einerseits hohe Gewinne erzielen und andererseits wegen der Staatsschuldenkrise Kursverluste erleiden.

Deutsche Gewinnmaschinen wie Daimler und Volkswagen oder auch der russische Energieriese Gazprom kosten weniger, als sie an Vermögen bilanzieren. Zusammen verdienten die drei Konzerne im Vorjahr rund 46 Milliarden Euro netto. An der Börse kosten sie 183 Milliarden Euro. Ihr Eigenkapital aber beträgt 260 Milliarden Euro. Ebenfalls unter den Buchwert gefallen sind etwa die Aktien von Deutscher Bank, Eon und Munich Re. Die Marktkapitalisierung des Deutschen Aktienindexes (Dax) ist seit Mitte 2007 um 250 Milliarden auf rund 670 Milliarden Euro gefallen.

Chartgalerie Diese Weltkonzerne sind spottbillig

Selten gab es so viele Aktien im Sonderangebot. Derzeit kosten an der Börse reihenweise Unternehmen weniger als den Buchwert. Wir zeigen die weltweit günstigsten ihrer jeweiligen Branche.

Chartgalerie: Diese Weltkonzerne sind spottbillig

Auch Aktien von Konzernen aus Schwellenländern, etwa Chinas Stahlgigant Baoshan, sind derzeit ausgesprochen niedrig bewertet. Mit dem japanischen Unternehmen Kyocera, Hersteller von Druckern und Kopierern, und dem ungleich bekannteren US-Konkurrenten Xerox hat die Billigbörse dieser Tage sogar Technologie-Aktien im Angebot – obwohl diese Branche für gewöhnlich überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten ausweist und die Aktien der Konzerne in der Regel Bewertungsaufschläge erhalten.

Offenbar befürchten aber viele Anleger, dass sich die Weltwirtschaftskrise 2008/09 im neuen Jahr wiederholt und das Eigenkapital vieler Unternehmen durch Verluste und Abschreibungen aufgezehrt wird. Dabei signalisieren robuste Konjunkturdaten aus den USA und den Schwellenländern sowie der zuletzt gestiegene deutsche Ifo-Index: Die Konzerne produzieren weiter auf hohem Niveau. Mercedes und die VW-Tochter Audi haben sogar ihre Weihnachtspausen verkürzt – ausgerechnet jene Firmen also, denen Anleger aus der angelsächsischen Welt derzeit misstrauen.

Die wichtigsten Kennzahlen für Anleger

  • Der Gewinn

    Die wohl bekannteste und beliebteste Bewertungskennziffer für Anleger ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Verhältnis von Aktienkurs zu Unternehmensgewinnen. Als Faustregel gilt: Je niedriger das KGV umso besser. Aber Vorsicht: Es gibt kaum eine Größe, bei der die Unternehmen besser tricksen können als beim Gewinn. Schauen Sie nicht nur auf die Gewinne eines einzigen Jahres. Ein gutes Unternehmen sollte über viele Jahre bewiesen haben, dass es profitabel arbeitet. Ein einziger Ausreißer nach oben ist noch lange kein Qualitätssiegel. Außerdem kommt es darauf an, welcher Gewinn gemeint ist. Im Folgenden stellen wir verschiedene Gewinn-Kennziffern vor.

  • EBIT

    EBIT steht für "Earnings before interest and taxes". In den USA wird die Kennzahl EBIT als Operating Income bezeichnet. Dieses operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird gewöhnlich für die Beurteilung der Ertragssituation des Unternehmens, insbesondere im internationalen Vergleich herangezogen. Jedoch ist das EBIT nicht nur das reine Ergebnis vor Zinsen und Steuern, wie es weitläufig bezeichnet wird, sondern genauer gesagt das operative Ergebnis vor dem Finanz- und damit Beteiligungsergebnis, was je nach Unternehmen großen Einfluss auf den Gewinn vor Steuern haben kann. Das EBIT kann alternativ auch berechnet werden, indem von Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen werden.

  • EBITDA

    Das EBITDA steht für "Earnings before interest, taxes, depreciation und amortization" aus dem Englischen. Dieses Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Wirtschaftsgütern hat Cash-Flow-Charakter, da die liquiditätsunwirksamen Abschreibungen ähnlich wie bei der indirekten Cash-Flow-Berechnung zum Jahresüberschuss hinzu addiert werden. Das EBITDA wird häufig für junge, wachstumsstarke Unternehmen oder Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Abschreibungsbedarf als Kennzahl verwendet, die gegebenenfalls negative Jahresüberschüsse erwirtschaften. Das EBITDA lässt sich auch berechnen, indem von den Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen und Abschreibungen addiert werden.

  • Der Cash-Flow

    Der Cash-Flow ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um die Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen. Der Cash-Flow aus dem operativen Geschäft zeigt das Saldo aus Mittelzufluss und -abfluss an, lässt also Rückschlüsse auf frei verfügbare Mittel eines Unternehmens zu. Im Gegensatz zu den verschiedenen Gewinnkennziffern lässt sich der Cash Flow kaum durch Bilanztricks schön rechnen. Er eignet sich besonders gut, um Unternehmen innerhalb einer Branche zu vergleichen. Nachteil: Der Cash Flow schwankt stark. Vergleiche über mehrere Jahre sind schwierig. Ein niedriges Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) deutet darauf hin, dass der Kurs im Vergleich zum Cash-Flow günstig ist.

  • Die Marktkapitalisierung

    Für manch konservativen Anleger ist Größe entscheidend. Je höher die Marktkapitalisierung, also der aktuelle Börsenwert eines Unternehmens, umso geringer die Kursschwankungen. Soweit die Theorie. Zwar schwankt der Aktienkurs großer Konzerne im langfristigen Durchschnitt weniger stark als der von kleineren Unternehmen. Eine Garantie gegen Kursverluste ist das aber nicht. Während der Finanzkrise verloren auch so hochkapitalisierte Dax-Aktien wie Eon oder Siemens kräftig an Wert. Aber die Kurschancen nach oben sind wesentlich kleiner als bei den Kleinen.

  • Der Umsatz

    Eine von Anlegern meist vernachlässigte Größe ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens in Beziehung zu den Umsätzen. Dabei liefert das KUV sehr verlässliche Hinweise darauf, ob eine Aktie möglicherweise interessant sein könnte - oder nicht. Denn anders als der Gewinn lassen sich die Umsätze nicht so leicht manipulieren. Wie bei den anderen Verhältnis-Kennziffern gilt auch beim KUV: Je niedriger der Wert desto besser. Besonders wichtig ist diese Zahl bei sehr jungen Unternehmen, die noch keine oder nur sehr geringe Gewinne erwirtschaften.

  • Die Dividendenrendite

    Die Dividendenrendite ergibt sich aus dem Verhältnis aus der Dividende und dem aktuellen Aktienkurs. Gerade in unsicheren Zeiten gibt die Kennziffer aber einen recht guten Hinweis auf die Qualität einer Aktie. Allgemein gilt: Je höher die Dividendenrendite, desto rentabler ist eine Aktie. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Dividendenrendite vor allem im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie etwa Anleihen. Bei einigen Aktien liegt die Dividendenrendite sogar höher als die Rendite für Anleihen desselben Unternehmens. Aber: Während der Zins bei Anleihen fest ist, kann die Höhe der Dividenden schwanken.

  • Der Buchwert

    Eine wichtige Größe, um zu erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse günstig bewertet ist oder nicht, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Dabei werden die Vermögenswerte eines Unternehmens in Relation zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Das KBV spielt für Value-Investoren wie Warren Buffett eine große Rolle. Sie glauben, dass der Buchwert den "wahren" Wert eines Unternehmens widerspiegelt. Wird ein Unternehmen an der Börse unter seinem Buchwert gehandelt, schließt der Value-Investor darauf, dass der Markt den eigentlichen Wert unterschätzt. Die grobe Regel lautet: Je niedriger das KBV, desto größer das Kurspotenzial - vorausgesetzt, dem Unternehmen drohen in absehbarer Zukunft keine heftigen Abschreibungen oder gar die Pleite.

  • Das Eigenkapital

    Wichtig ist es für Anleger zu wissen, wie rentabel das Eigenkapital eines Unternehmens arbeitet. Die Eigenkapitalrendite berechnet sich aus dem Verhältnis des Gewinns zum Eigenkapital. Je höher der Wert desto besser. Allerdings gibt es - wie beim KGV - auch hier ein definitorisches Problem. Welcher Gewinn ist gemeint, was wird als Eigenkapital gezählt? Je nach Rechnungslegung kann es so zu großen Unterschieden kommen.

  • Beta

    Das Beta misst die Schwankungsintensität (Volatilität) einer Aktie im Vergleich zu einem Index während eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit. Je höher das Beta eines Unternehmens ist, desto höher ist folglich die Volatilität und damit das Risiko für den Investor. Ziel der Investor Relations ist es unter anderem, dieses Beta durch zeitnahe und ausführliche Kommunikation möglichst gering zu halten. Das Beta wiederum hat wichtige Bedeutung für die Berechnung der Eigenkapitalkosten oder Optionsscheinprämien. Denn je höher die Kapitalkosten eines Unternehmens sind, desto niedriger ist nach dem DCF-Modell der Unternehmenswert.

  • 03.01.2012, 20:58 UhrAnonymer Benutzer: Ein_komischer_Vogel

    Einerseits ja, andererseits nein! Man soll die Menschen diesbezüglich nicht unterschätzen. Ich muss oft mit schulisch dummen Leuten, schulisch wohlgemerkt, zusammenarbeiten. Trotzdem merken die meisten von ihnen, wenn sie verarscht werden, was diese Möchtegern-Werbegötter nicht kapieren, weil sie, wie leider die meisten Leute, denken, sie seien klug, alle anderen aber seien blöd.

  • 03.01.2012, 07:29 UhrAnonymer Benutzer: BiggerTheyAre_HarderTheyFall

    Ich habe den Original-Titel etwas abgewandelt, der eigentlich so lautet: "Bitter they are, harder they fall", was ja im übertragenen Sinne ganz gut zu beiden von mir erwähnten Menschengruppen passt, wie diese Probeaufnahme erkennen lässt:

    http://www.youtube.com/watch?v=_CeiGIKjIuU

  • 03.01.2012, 07:15 UhrAnonymer Benutzer: BiggerTheyAre_HarderTheyFall

    Das ist hier im Blog schon mal irgendwo diskutiert worden. Sie meinen den Unternehmer Merckle. Der hat ja, soviel ich weiß, circa eine Milliarde Euro verloren - von sechszehn Milliarden. Für wen das Suizidgefahr bedeutet, der hat es kaum anders verdient! Wir haben zehntausende Leute, die mit weniger als dreihundertundfünfzig Euro pro Monat auskommen müssen und die bringen sich nicht um???

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