
FRANKFURT. Nach Schätzungen könnten Unternehmen in den nächsten Wochen weltweit rund 130 Mrd. Euro am Kapitalmarkt einsammeln. Als Kandidaten werden viele gehandelt, die britische Bank Lloyds zählt dazu, in Deutschland Volkswagen oder Continental; auch bei der Deutschen Bank könnte sich etwas tun.
Die in diesem Jahr bislang größte Kapitalerhöhung auf dem deutschen Markt hat die Baustofffirma Heidelberg Cement platziert. Sie bringt in diesen Tagen junge Aktien im Wert von 2,3 Mrd. Euro auf den Markt. Analysten sprechen von einem Befreiungsschlag für das Unternehmen. Doch was ist mit den Geldgebern, den Anlegern, die die Kapitalerhöhung letztlich zahlen müssen?
Gibt eine Gesellschaft bekannt, dass sie frisches Geld nötig hat, dann heißt das in vielen Fällen nichts Gutes für die Aktionäre. Das Unternehmen stockt sein Kapital in der Regel durch die Ausgabe neuer Aktien auf. Das bedeutet nichts anderes, als dass Gewinn und auch die Dividende anschließend auf eine größere Anzahl an Aktien verteilt wird. Aber nicht nur das: Sollten die Aktionäre nicht mitmachen bei der Kapitalerhöhung, sinkt ihr Anteil am Grundkapital des Unternehmens und damit das Stimmengewicht bei der Hauptversammlung. Das trifft weniger die Kleinanleger, wohl aber Investoren mit größeren Aktienpaketen. Ihnen droht im Falle einer Kapitalerhöhung die Verwässerung ihres Anteils.
"Unternehmen und Aktionäre haben häufig gegensätzliche Interessen", sagt Karsten Stroh, Portfoliomanager von JP Morgan. Ein Unternehmen werde immer dann den Markt anzapfen, wenn es davon ausgehen kann, dass es dort hervorragende Preise erhält. Der Anleger wiederum habe ein Interesse, nicht zu viel zu zahlen.




