
Am Wochenende wählen die Griechen. Macht Sie das als Portfolio-Manager nervös?
Nervös nicht, aber ich bin nicht besonders optimistisch. Das negativste Szenario ist wohl, dass diejenigen gewinnen, die sich nicht an die Verträge halten und die Sparverpflichtungen aufweichen wollen. Sollte dann im Juni die nächste Tranche aus dem Rettungspaket nicht ausgezahlt werden, ist ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nicht mehr ausgeschlossen. Das ist ein reelles Risiko.
Rechnen Sie mit dem Austritt?
Das ist schwer vorherzusagen. Aber ja, ich denke eher, dass es zum Bruch kommt und Griechenland nicht mehr länger zur Euro-Zone gehören wird. Wenn Sie so tief im Schlamassel stecken wie Griechenland, dann spielt es kaum eine Rolle mehr, ob sie noch tiefer darin versinken. Allerdings darf man den politischen Willen der europäischen Regierungen, die Euro-Zone in ihrer heutigen Form zu erhalten, nicht unterschätzen.
Ist ein möglicher Griechen-Austritt an den Märkten eingepreist?
Wahrscheinlich schon. Griechenland ist de facto bankrott, das wissen wir. Das ist kein neues Problem, die Märkte rechnen mit dem Schlimmsten. Vielleicht würden die Märkte sogar kurzfristig steigen, wenn Griechenland die Euro-Zone verlässt.
Also Entwarnung für die Märkte?
Nein, ich bin mittel- und langfristig extrem pessimistisch. Die Schuldenkrise spitzt sich immer weiter zu. Einzelne Rettungsmaßnahmen verpuffen. Da werden 100 Milliarden Euro in spanische Banken gepumpt und die Renditen spanischer Staatsanleihen steigen trotzdem weiter. Irgendwann sind wir an einem Punkt, an dem solche Rettungsmaßnahmen die Börsen nicht mehr beeinflussen. Egal, wie viel Liquidität in den Markt fließt, es nutzt nichts mehr. Staatsanleihen, Aktien und auch der Euro geraten immer weiter unter Druck. Solange keine langfristige politische Basis zur Lösung der Schuldenkrise gefunden wird, bleibt die Stimmung an den Märkten extrem angespannt.
Sollte Griechenland nicht bald zu einer stabilen politischen Ordnung zurückfinden, wäre eine Pleite des Staates spätestens im Sommer wohl unausweichlich. In einem solchen Fall würde wohl auch die EZB griechische Banken gemäß ihren Statuten nicht mehr als Geschäftspartner bei ihren Refinanzierungsgeschäften mit dem Banksektor akzeptieren können. Sie wären also nicht mehr refinanzierungsfähig und dürften auf den Bankrott zusteuern. Dies wäre das Ende eines griechischen Finanzsektors in der Euro-Zone - der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel wäre dann nicht mehr zu halten.
Am Beginn eines Übergangs müssten alleine schon wegen der nötigen technischen Umstellung von Millionen Konten, aber auch um eine Panik und lange Schlangen vor den Banken zu verhindern, die Institute des Landes für einige Tage - vermutlich gut eine Woche - geschlossen bleiben. Parallel würde der gesamte Kapitalverkehr mit dem Ausland für diesen Zeitraum zum Erliegen kommen. In dem Zeitfenster könnte dann die Währungsreform vorbereitet werden - ein banktechnisch und politisch komplizierter Prozess. Unter anderem müssten zahlreiche neue Gesetze erlassen werden. Die Hüter der neuen Währung, also die Notenbanker in Athen, müssten unter anderem eine neue Mindestreservequote und einen neuen Leitzins für ihre Banken beschließen. Zudem müssten sie Vorbereitungen für den so gut wie sicheren Fall treffen, dass die neue griechische Währung am Devisenmarkt massiv abwertet.
Wahrscheinlich würde in Griechenland eine neue Währung in zwei Stufen eingeführt. Während sie auf Konten als Buchgeld mehr oder weniger per Knopfdruck umgestellt werden könnte, bräuchte die Bargeldeinführung mehr Zeit - schließlich müssten Münzen geprägt und Geldscheine gedruckt werden. Anschließend müsste das Geld im Land verteilt werden - eine logistische Herkulesaufgabe. In dieser Phase könnte der Euro weiterhin als Tauschmittel für den Alltag fungieren. Hier gibt es eine Art Vorbild: Das Balkanland Montenegro verwendet den Euro bereits einseitig als Zahlungsmittel im Bargeldverkehr, ohne dass es offiziell Mitglied der Euro-Zone ist.
Nach der Währungsreform käme innerhalb des europäischen Systems der Zentralbanken das große Aufräumen. Hier rückt das Großbezahlsystem der Notenbanken, Target II, ins Zentrum. Die Zentralbank in Athen hat innerhalb des Systems Verbindlichkeiten gegenüber der EZB in Höhe von rund 100 Milliarden Euro. Hinzu kämen Forderungen der Euro-Notenbanken aus dem umstrittenen Kauf griechischer Staatsanleihen seit Mai 2010 - geschätzt zwischen 40 und 50 Milliarden Euro. Rechnet man diese Posten zusammen steht Athen alleine beim Eurosystem aus EZB, Bundesbank & Co. mit bis zu 150 Milliarden Euro in der Kreide.
Auf die Bundesbank entfielen nach dem Kapitalschlüssel der EZB etwas mehr als ein Viertel, also etwa 40 Milliarden Euro. Möglich wäre nun, dass die Griechen das Geld über einen langen Zeitraum, eventuell viele Jahrzehnte, abzahlen. Auch eine Lastenteilung zwischen der Zentralbank in Athen, der EZB und den verbleibenden 16 Euro-Notenbanken ist denkbar.
Im schlimmsten Fall, also wenn Griechenland nicht zahlen will oder kann, müsste die Bundesbank Abschreibungen vornehmen und/oder ihre Risikovorsorge erhöhen. Bundesbankgewinne und damit eine jährliche Entlastung des Bundeshaushalts wären dann für lange Zeit Geschichte. Dass diese Belastung der Bundesbank deutlich höher ausfiele als ihr derzeitiges Eigenkapital von fünf Milliarden Euro wäre kein Problem, da Notenbanken im Gegensatz zu normalen Instituten auch mit negativen Eigenkapital operieren können. Die Bundesbank selbst hat dies etwa in den 1970er-Jahren einige Jahre selbst praktiziert. (redigiert von Sören Amelang)
Spekulieren Sie gegen den Euro?
Wir investieren in Assets; weltweit und damit auch in Europa. Daher sichern Fondsmanager den Euro ab, wenn sie davon ausgehen, dass er an Wert verlieren könnte. Der Euro wird mittelfristig nicht an Stärke gewinnen. Kurzfristig ist natürlich eine Erholung nicht ausgeschlossen, aber mittel- bis langfristig sehe ich eher eine Euro-Schwäche. Ich würde in den kommenden Wochen nicht auf einen steigenden Euro setzen. Aber wer weiß, die Lage an den Märkten kann schnell drehen. Wenn eine nachhaltige Lösung für die Krise gefunden wird, kauft vielleicht alle Welt Euro. Im Grunde ist es mit Währungen wie mit Aktien. Der Titel, auf den ich setze, muss etwas wert sein und gute Aussichten haben. Das gilt auch für Währungen. Wenn Sie nur davon ausgehen, dass mehr davon gedruckt wird, kaufen Sie besser nicht.
Ist die Euro-Zone in der jetzigen Form noch zu retten?
Auf dem Papier lassen sich die Probleme relativ einfach lösen. Sie können Schuldenschnitte vornehmen, die EU und vor allem die Währungsunion umstrukturieren, einen Währungsverbund anstelle der Union setzen. In der Realität ist das aber sehr, sehr schwierig – vor allem kurzfristig. Deswegen wählen die Politiker den Weg des kleinsten Übels, retten von Fall zu Fall ein Land oder seine Banken. Dabei sind langfristige Planbarkeit, Haftungsprinzip und Rechtssicherheit die Grundlagen für eine funktionierende Wirtschaft.

Ich finde es nur dumm, dass nur diejenigen Tranferleistungen zahlen sollen, die sich durch Arbeits- und Wirtschaftsdisziplin auszeichnen. Es wäre wesentlich besser, wenn es umgekehrt wäre: Dass also diejenigen abgeben, die Löhne, Gehälter und sonstige Einkommen über Gebühr kassiert haben. Z.B. in Griehcnland viele Freiberuflicher, die ungenügende Steuern zahlen. Warum soll ich als Deutscher hart arbeiten, um das müssige Leben im Europas Süden zu finanzieren ?

Ich finde es nur dumm, dass nur diejenigen Tranferleistungen zahlen sollen, die sich durch Arbeits- und Wirtschaftsdisziplin auszeichnen. Es wäre wesentlich besser, wenn es umgekehrt wäre: Dass also diejenigen abgeben, die Löhne, Gehälter und sonstige Einkommen über Gebühr kassiert haben. Z.B. in Griehcnland viele Freiberuflicher, die ungenügende Steuern zahlen. Warum soll ich als Deutscher hart arbeiten, um das müssige Leben im Europas Süden zu finanzieren ?

Helmut KOHL rät:
"...den EURO in seinem Lauf,
halten weder Ochs noch Esel auf...!"






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