Anlagestrategie

Das Märchen vom risikolosen Zins

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Aus dem risikolosen Zins ist ein zinsloses Risiko geworden

Aus dem risikolosen Zins ist längst ein zinsloses Risiko geworden. Nach Abzug der Inflation verliert ein Sparbuch künftig jedes Jahr an Wert, auch wenn die Zahlen auf dem Auszug den Anschein vermitteln, als bliebe das Kapital erhalten. Volkswirte sprechen in diesem Zusammenhang von „Nominalwertillusion“.
Die Illusionisten, das sind die Notenbanker – Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) oder Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik haben sie das Zinsniveau in Europa und den USA nahe der Null-Prozentmarke zementiert. Und es spricht derzeit nichts dafür, dass sich an dieser Situation allzu bald etwas ändert, im Gegenteil. Die Notenbanken werden das Zinsniveau noch jahrelang künstlich drücken; denn falls sie es nicht täten, droht vielen hochverschuldeten Staaten und Finanzkonzernen der Kollaps. Es steht zu befürchten, dass Draghi und Bernanke sogar noch viel stärker in die Staatsfinanzierung eingebunden werden.

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Viele Investoren unterschätzen die Auswirkungen dieser generösen Geldpolitik. Noch haben sie Alt-Anleihen mit attraktiven Zinskupons in ihren Depots, die ausreichend Rendite abwerfen. Doch das schafft eine trügerische Sicherheit, denn die Zahl dieser Bonds sinkt stetig. 2020 dürfte ihr Volumen gerade noch 150 Mrd. Euro betragen; das sind 16,6 Prozent des heutigen Gesamtvolumens und damit lediglich ein Sechstel des Gesamtbestandes.
Die lockere Geldpolitik der Notenbanker erzeugt also keinen plötzlichen Anlagenotstand, sondern baut den Druck, die eigene Anlagestrategie zu überdenken, langsam aber sicher auf. Der Druck wächst mit jeder Anleihe, die zum Laufzeitende zurückgezahlt wird. Denn spätestens mit dem Tag der Fälligkeit ist das Problem da: Die alte Anleihe muss durch eine neue ersetzt werden, die, vorausgesetzt die Bonität ist gleich, viel weniger Rendite bringt. Anleger brauchen also Alternativen – nur welche?

  • 27.01.2013, 16:10 Uhraxeone1

    "Ökonom hatte einmal gesagt, dass Inflation immer ein monetäres Phänomen sei. Sie beginnt, wenn die Menschen dem beliebig vermehrbaren Papiergeld nicht mehr vertrauen. Dann kaufen sie Sachwerte."
    Das wirderspricht sich doch oder nicht? Wenn die Leute das Geld schneller ausgeben erhöht sich die Umlaufgeschwindigekeit und nicht die Geldmenge, genau die dürfte aber doch gemeint sein wenn man von einem Monetären Phänomen spricht.

  • 27.01.2013, 16:43 UhrShareholder

    Zunächst weiß die Wissenschaft bis heute nicht einheitlich (und die Politik erst recht nicht und wenn nur zu eigenen Zwecken angepasst) wie Preissteigerungen richtig(!) gemessen werden (Methode, Warenkorb etc). Inflation heißt ja eigentlich Geldentwertung und ist eher bei zweistelligen Raten exitent.
    Das Thema mit Umlaufgeschwindigkeit ist ein Ansatz aus der Mengentheorie, es gibt aber auch die Theoretiker die nachfragelastig argumentieren und Liquiditätsbedarf nahezu von Natur aus generiert wird (z.b. Argumentation über Lohn-Preis-Spirale). Von Natur aus meint wohl, der Druck (mit)wachsen zu müssen und mitzuhalten. Also ein unbewusster Drang zum und Effekt für Wachstum, das seinerseits holprig sein kann oder evtl doch potenziell begrenzt ist (was einige nicht in ihr Weltbild integrieren wollen).
    Ein immenser Faktor außerdem und was 2008 zum totalen erliegen kam: Giralgeschöpfung. Sie ist auch ein Phänomen unserer Zeit, das vieles durcheinander bringt und mich nicht wundert warum die USA keine offiziellen M3-Angaben mehr machen...
    Wieviel unserer "Preissteigerungsrate" echte Inflation ist (= Vertrauensverlust wie der Ökonom schreibt) ist schwer zu sagen. Es wird ja immer Menschen geben, die nur auf Sachwerte setzen. Wird allerdings die kritische Masse überschritten.....naja sollte klar sein.

  • 27.01.2013, 17:09 UhrMazi

    Es hat m.E. Noch weitreichendere Folgen.

    Wenn es besagten risikolosen Zins gibt, der aber mit Null von der EZB definiert wird, dann bleibt dem Kapitalanleger nur eines zum Werterhaltung seines Konsumverzichts: Er darf es weder zu einer Bank, noch zu einem Versicherer bringen, denn kann es ihm nur nach Abzug seiner Kosten wieder zurück geben.

    Was kann er denn wirklich mit seinem Ersparten machen?

    Die erste Vaiante ist bereits angesprochen.
    Legt er sein Geld unter das Kopfkissen, dann hat er Nominal nach einem Jahr Nominal den gleichen Geldbetrag wie zu dem Zeitpunkt als er es unter gestopft hat. Er hat zumindest mehr als hätte er es zur Bank oder zur Versicherung getragen, denn dort hätte man ihm nicht nur deren Verwaltungskosten sondern auch die Boni für die Vorstände in Rechnung gestellt.

    Die zweite Variante wäre die, die auch die Banken und Versicherungen mit dem Kundengeld machen. Sie zocken. Nur so haben diese wenigstens die theoretische Chance einen Teil ihrer Verwaltungskosten und Boni zu "verdienen".

    Je niedriger der risikolose Zins ist, desto bedeutender, notwendiger wird die zweite Variante.

    Kurz:
    Die EZB, Draghi hat die versorgenden deutschen Sparern zur Zockerbande gemacht. Software bezeichnet man gemeinhin als den vorsorglichen Staat.

    Was denken sich unsere Politiker eigentlich dabei das deutsche Volk auf solch billige Tour zu vernichten?

    Über u.U. Nachträglich wieder aufgewärmte, anzügliche Bemerkungen eines Politikers regt sich eine Nation versuchsweise auf und um den Umstand, dass ein Volk beraubt wird, kümmert sich scheinbar niemand.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Politiker scheinbar nicht betroffen sind. Sie brauchen für ihre Pensionen nichts einzuzahlen, haben keine Entwertung und werden später mit ihren Pensionen fürstlich entlohnt. Und ist ein Zusatzverdienst erforderlich kassieren sie Korruptionsgelder ( in unterschliechsten formalen Ausprägungen) und können nicht einmal strafrechtlich belangt werden.

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