Anlagestrategie

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Profi-Anlageempfehlung: Das Märchen vom risikolosen Zins

Die Notenbanken werden die Zinsen noch Jahre drücken. Für Anleger hat das gravierende Folgen. Wer nicht will, dass sein Vermögen langsam aber sicher entwertet wird, dem bleiben wenige Möglichkeiten. Ein Gastbeitrag.

Bert Flossbach ist Gründer und Vorstand der Flossbach von Storch AG in Köln. Quelle: Valéry Kloubert für Handelsblatt
Bert Flossbach ist Gründer und Vorstand der Flossbach von Storch AG in Köln.Quelle: Valéry Kloubert für Handelsblatt

KölnEs war einmal der Portfolio-Manager einer Lebensversicherung. Mit Leichtigkeit hat er das Geld seiner Kunden vermehrt. Er musste nur erstklassige Pfandbriefe und Bundesanleihen mit langen Laufzeiten kaufen. Noch vor fünf Jahren bekam er dafür rund fünf Prozent Rendite. Der Garantiezins, den die Versicherungsgesellschaft den Versicherten versprach, war damit locker verdient – ohne Risiko.
Und es war einmal ein kleines Mädchen, das am Weltspartag in die Bankfiliale auf der anderen Straßenseite ging. Der freundliche Herr am Schalter erklärte ihr dann, wie der Zinseszins wahre Wunder wirkt: In 25 Jahren, sagte er milde, würden aus nur einem Euro drei werden (entspricht 4,5 Prozent p.a.).

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Das Märchen vom risikolosen Zins ist vorbei. Künftig kann der Portfoliomanager froh sein, wenn er für Pfandbriefe und Bundesanleihen noch rund ein Prozent Rendite bekommt; seine Versprechen werden in den kommenden Jahren deutlich kleiner ausfallen. Und das Mädchen dürfte die Geschichte vom Zinsesszins eher als Witz denn einem Wunder empfinden: ein Euro und 13 Cent sind es, die – gemessen am heutigen Zinsniveau – nach 25 Jahren im Sparbuch stehen würden (entspricht 0,5 Prozent p.a.).

In der neuen (Investment-)Welt ist es ungemütlich geworden – für institutionelle Investoren und Kleinsparer gleichermaßen. Wer sein Geld in den kommenden Jahren in verzinsliche Anlagen steckt, in Bundesanleihen, das Sparbuch oder Tagesgeld, wird dafür eine Rendite erhalten, die bei Weitem nicht ausreicht, um die steigenden Güterpreise auszugleichen.

  • 27.01.2013, 16:10 Uhr

    "Ökonom hatte einmal gesagt, dass Inflation immer ein monetäres Phänomen sei. Sie beginnt, wenn die Menschen dem beliebig vermehrbaren Papiergeld nicht mehr vertrauen. Dann kaufen sie Sachwerte."
    Das wirderspricht sich doch oder nicht? Wenn die Leute das Geld schneller ausgeben erhöht sich die Umlaufgeschwindigekeit und nicht die Geldmenge, genau die dürfte aber doch gemeint sein wenn man von einem Monetären Phänomen spricht.

  • 27.01.2013, 16:43 Uhr

    Zunächst weiß die Wissenschaft bis heute nicht einheitlich (und die Politik erst recht nicht und wenn nur zu eigenen Zwecken angepasst) wie Preissteigerungen richtig(!) gemessen werden (Methode, Warenkorb etc). Inflation heißt ja eigentlich Geldentwertung und ist eher bei zweistelligen Raten exitent.
    Das Thema mit Umlaufgeschwindigkeit ist ein Ansatz aus der Mengentheorie, es gibt aber auch die Theoretiker die nachfragelastig argumentieren und Liquiditätsbedarf nahezu von Natur aus generiert wird (z.b. Argumentation über Lohn-Preis-Spirale). Von Natur aus meint wohl, der Druck (mit)wachsen zu müssen und mitzuhalten. Also ein unbewusster Drang zum und Effekt für Wachstum, das seinerseits holprig sein kann oder evtl doch potenziell begrenzt ist (was einige nicht in ihr Weltbild integrieren wollen).
    Ein immenser Faktor außerdem und was 2008 zum totalen erliegen kam: Giralgeschöpfung. Sie ist auch ein Phänomen unserer Zeit, das vieles durcheinander bringt und mich nicht wundert warum die USA keine offiziellen M3-Angaben mehr machen...
    Wieviel unserer "Preissteigerungsrate" echte Inflation ist (= Vertrauensverlust wie der Ökonom schreibt) ist schwer zu sagen. Es wird ja immer Menschen geben, die nur auf Sachwerte setzen. Wird allerdings die kritische Masse überschritten.....naja sollte klar sein.

  • 27.01.2013, 17:09 Uhr

    Es hat m.E. Noch weitreichendere Folgen.

    Wenn es besagten risikolosen Zins gibt, der aber mit Null von der EZB definiert wird, dann bleibt dem Kapitalanleger nur eines zum Werterhaltung seines Konsumverzichts: Er darf es weder zu einer Bank, noch zu einem Versicherer bringen, denn kann es ihm nur nach Abzug seiner Kosten wieder zurück geben.

    Was kann er denn wirklich mit seinem Ersparten machen?

    Die erste Vaiante ist bereits angesprochen.
    Legt er sein Geld unter das Kopfkissen, dann hat er Nominal nach einem Jahr Nominal den gleichen Geldbetrag wie zu dem Zeitpunkt als er es unter gestopft hat. Er hat zumindest mehr als hätte er es zur Bank oder zur Versicherung getragen, denn dort hätte man ihm nicht nur deren Verwaltungskosten sondern auch die Boni für die Vorstände in Rechnung gestellt.

    Die zweite Variante wäre die, die auch die Banken und Versicherungen mit dem Kundengeld machen. Sie zocken. Nur so haben diese wenigstens die theoretische Chance einen Teil ihrer Verwaltungskosten und Boni zu "verdienen".

    Je niedriger der risikolose Zins ist, desto bedeutender, notwendiger wird die zweite Variante.

    Kurz:
    Die EZB, Draghi hat die versorgenden deutschen Sparern zur Zockerbande gemacht. Software bezeichnet man gemeinhin als den vorsorglichen Staat.

    Was denken sich unsere Politiker eigentlich dabei das deutsche Volk auf solch billige Tour zu vernichten?

    Über u.U. Nachträglich wieder aufgewärmte, anzügliche Bemerkungen eines Politikers regt sich eine Nation versuchsweise auf und um den Umstand, dass ein Volk beraubt wird, kümmert sich scheinbar niemand.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Politiker scheinbar nicht betroffen sind. Sie brauchen für ihre Pensionen nichts einzuzahlen, haben keine Entwertung und werden später mit ihren Pensionen fürstlich entlohnt. Und ist ein Zusatzverdienst erforderlich kassieren sie Korruptionsgelder ( in unterschliechsten formalen Ausprägungen) und können nicht einmal strafrechtlich belangt werden.

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