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Diskussion: Kommentare zu: Das Märchen vom risikolosen Zins

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online

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  • 27.01.2013, 16:10 Uhraxeone1

    "Ökonom hatte einmal gesagt, dass Inflation immer ein monetäres Phänomen sei. Sie beginnt, wenn die Menschen dem beliebig vermehrbaren Papiergeld nicht mehr vertrauen. Dann kaufen sie Sachwerte."
    Das wirderspricht sich doch oder nicht? Wenn die Leute das Geld schneller ausgeben erhöht sich die Umlaufgeschwindigekeit und nicht die Geldmenge, genau die dürfte aber doch gemeint sein wenn man von einem Monetären Phänomen spricht.

    • 27.01.2013, 16:43 UhrShareholder

      Zunächst weiß die Wissenschaft bis heute nicht einheitlich (und die Politik erst recht nicht und wenn nur zu eigenen Zwecken angepasst) wie Preissteigerungen richtig(!) gemessen werden (Methode, Warenkorb etc). Inflation heißt ja eigentlich Geldentwertung und ist eher bei zweistelligen Raten exitent.
      Das Thema mit Umlaufgeschwindigkeit ist ein Ansatz aus der Mengentheorie, es gibt aber auch die Theoretiker die nachfragelastig argumentieren und Liquiditätsbedarf nahezu von Natur aus generiert wird (z.b. Argumentation über Lohn-Preis-Spirale). Von Natur aus meint wohl, der Druck (mit)wachsen zu müssen und mitzuhalten. Also ein unbewusster Drang zum und Effekt für Wachstum, das seinerseits holprig sein kann oder evtl doch potenziell begrenzt ist (was einige nicht in ihr Weltbild integrieren wollen).
      Ein immenser Faktor außerdem und was 2008 zum totalen erliegen kam: Giralgeschöpfung. Sie ist auch ein Phänomen unserer Zeit, das vieles durcheinander bringt und mich nicht wundert warum die USA keine offiziellen M3-Angaben mehr machen...
      Wieviel unserer "Preissteigerungsrate" echte Inflation ist (= Vertrauensverlust wie der Ökonom schreibt) ist schwer zu sagen. Es wird ja immer Menschen geben, die nur auf Sachwerte setzen. Wird allerdings die kritische Masse überschritten.....naja sollte klar sein.

    • 27.01.2013, 17:13 UhrMazi

      "und mich nicht wundert warum die USA keine offiziellen M3-Angaben mehr machen.."

      Das hat seine Gründe. Gründe, die Sie offensichtlich richtig vermuten. Ich bin auch davon überzeugt.

    • 27.01.2013, 23:15 Uhrhanwufu

      @Shareholder

      tendenziell wird diejenige Methode "offiziell", wenn sie die niedrigste Inflationsrate misst.

      die M3-Geldmenge hat "auch" damit zu tun, dass die USA, also der Staat selbst, sich tendenziell nur sehr kurz finanziert. Andere Gründe sind die extremen Außenhandelsbilanzdefizite (Sovereign Wealth Funds USD Bestände!), und dass MBS-Portfolios offiziell in Karibikinseln verkauft wurden (also "weg" waren) und nun plötzlich in der FED-Bilanz stehen (Die EZB ist da nicht viel besser...)

    • 27.01.2013, 18:13 UhrDoRoXO

      @axeone1

      Sachwerte müssen auch erstmal verkauft werden, um etwas mit dem Vermögen anzustellen. Das ist auch nicht so einfach. Der ganze Aufschrei basiert auf die Annahme, dass die Menschen noch überflüssiges Geld haben, nachdem Sie alle Rechnungen bezahlt haben. Das ist in großen Bevölkerungsschichten nicht der Fall. Was man bekommt, wird bis zum Monatsende ausgegeben. Wenn die Preise steigen, kauft man eben weniger, oder billiger. Und der fehlende Konsum drückt dann die Preise. Ich mache mir Sorgen über Inflation erst wenn die Gehälter steigen. Bis dahin geht es bloß um aufgeblassenen Kurse dank EZB Kredite.

  • 27.01.2013, 17:09 UhrMazi

    Es hat m.E. Noch weitreichendere Folgen.

    Wenn es besagten risikolosen Zins gibt, der aber mit Null von der EZB definiert wird, dann bleibt dem Kapitalanleger nur eines zum Werterhaltung seines Konsumverzichts: Er darf es weder zu einer Bank, noch zu einem Versicherer bringen, denn kann es ihm nur nach Abzug seiner Kosten wieder zurück geben.

    Was kann er denn wirklich mit seinem Ersparten machen?

    Die erste Vaiante ist bereits angesprochen.
    Legt er sein Geld unter das Kopfkissen, dann hat er Nominal nach einem Jahr Nominal den gleichen Geldbetrag wie zu dem Zeitpunkt als er es unter gestopft hat. Er hat zumindest mehr als hätte er es zur Bank oder zur Versicherung getragen, denn dort hätte man ihm nicht nur deren Verwaltungskosten sondern auch die Boni für die Vorstände in Rechnung gestellt.

    Die zweite Variante wäre die, die auch die Banken und Versicherungen mit dem Kundengeld machen. Sie zocken. Nur so haben diese wenigstens die theoretische Chance einen Teil ihrer Verwaltungskosten und Boni zu "verdienen".

    Je niedriger der risikolose Zins ist, desto bedeutender, notwendiger wird die zweite Variante.

    Kurz:
    Die EZB, Draghi hat die versorgenden deutschen Sparern zur Zockerbande gemacht. Software bezeichnet man gemeinhin als den vorsorglichen Staat.

    Was denken sich unsere Politiker eigentlich dabei das deutsche Volk auf solch billige Tour zu vernichten?

    Über u.U. Nachträglich wieder aufgewärmte, anzügliche Bemerkungen eines Politikers regt sich eine Nation versuchsweise auf und um den Umstand, dass ein Volk beraubt wird, kümmert sich scheinbar niemand.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Politiker scheinbar nicht betroffen sind. Sie brauchen für ihre Pensionen nichts einzuzahlen, haben keine Entwertung und werden später mit ihren Pensionen fürstlich entlohnt. Und ist ein Zusatzverdienst erforderlich kassieren sie Korruptionsgelder ( in unterschliechsten formalen Ausprägungen) und können nicht einmal strafrechtlich belangt werden.

  • 27.01.2013, 17:11 UhrD-Mark

    Es ist immer wieder die gleiche Propaganda der Medien und Finanzindustrie.
    Wenn man sich die letzten 15 Jahre ansieht, gab es mit regelmäßigen Abständen immer große Crashs bzw. starke Börsenrückgänge.
    Wenn man dann in diesen Phasen erst einsteigt und Aktien kauft, lebt man erstens deutlich ruhiger und hat ein ausgezeichnetes Chance/Risikoprofil.
    Da spielt es auch keine Rolle, wenn man mal sein Geld 1-5 Jahre zu 0% auf dem Girokonto parkt, anstatt jetzt bei hohen Kursen noch einzusteigen.
    Der nächste Crash bzw. starke Börsenrückgank kommt sicher zu 100%. Und darauf warte ich einfach ganz geduldig. Erst dann steige ich ein.

    • 27.01.2013, 23:34 Uhrhanwufu

      sehe ich genauso. Der Artikel wurde von Flossbach geschrieben, die immer die Aktien-Trommel wirbeln (Stichwort: Eigeninteresse). In solchen Artikeln wird dann die Dividendenrendite quasi auf die gleiche Stufe gehoben wie der Yield eines Schuldtitel mit Fälligkeitsdatum. Das Börsen auch mal crashen ist da nie zu lesen.

      Für ganz Dumme: Aktien sind die riskanteste "Tranche" in der Kapitalstruktur einer Firma.

      Ich will aber ein Argument "pro Aktien" nennen, was allenfalls zwischen den Zeilen anführen: Risk Shifting. Genau diese Prozess ist im vollen Gange. Und genau davon werden Aktien profitieren. Im letzten Jahr ist quasi alles an Spreads reingelaufen was geht: In allen Assetklassen. Das hb nennt Annekdoten wie IG-Emittenten (Die Großkonzernen mit Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt) fantastisch niedrige Zinsen zahlen sollen. Aber es ist einfach so viel Geld im Finanzsystem, dass auch bei Bankkrediten (für Unternehmen) es zu günstigeren Finanzierungen kommen wird. Im Non-IG Kreditmarkt wird schon bei Par gehandelt (Dazu hat auch ein Herr Flossbach kein Zugang). Letzteres trifft außerdem auf nicht wenige Firmen zu deren Aktien im SDAX, MDAX und selbst im DAX notiert sind. Kurzum: Der Fremdkapitalzins wird in 2013 noch mal mit einen gewaltigen Ruck sinken -- Zum Vorteil der Eigenkapitalrendite. Und das ist noch nichtmal der Refi-Peak (wo hochverzinste Titel fällig werden) der auf Investoren zu rollt. Das ist "Risk-Shifting" vom Feinsten, weil die Firma NICHT günstigere Fremdfinanzierungen erhalten werden, weil deren Bonität besser geworden ist, sondern weil einfach zuviel Geld Zielobjekte sucht. Made by EZB.

    • 28.01.2013, 10:54 UhrFossibaerin

      Ich stimme hanufu zu. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken ist eine satte Katastrophe, die uns alle wesentlich teurer kommen dürfte, als die ganze unmittelbare Euro-Rettung zusammengenommen.
      Und wer jetzt hämisch grinst und behauptet, dass die Geldschwemme ja zur Eurorettung angerichtet wurde, dem sei gesagt, dass das eine Zeitungsente ist. Die US Fed setzt seit Jahren auf niedrigste Leitzinsen zur Ankurbelung des privaten Konsums. Dies hat sich über die Welt verbreitet. Ich kann mich an die Diskussionen in Deutschland lebhaft erinnern, lange vor Subprimecrisis oder Eurokrise. Auch die FDP war ursprünglich vom Konsumparadies Niedrigzinsland fasziniert. Damals wehrte sich der Euro in Gestalt der EZB mit ihrem "Inflationsverbot". Der einzige Zusammenhang zwischen Eurokrise und Niedrigzinspolitik ist ein indirekter. Die Geldschwemme der US Fed war ein wesentlicher Auslöser der Subprimecrisis, die wiederum führte zu Liquiditätsengpässen bei Banken, verstärkt durch hohe Bilanzbestände an ungesicherten Krediten. So dass die Banken ihr Geld erst recht nicht mehr verliehen. Also pumpten jetzt auch die europäischen Zentralbanken, einschließlich EZB, wie wild Geld in den Kreislauf. Gleichzeitg führte der Crash im privaten Finanzsektor dazu, dass Staaten die sich bis dahin leicht und billig am Kreditmarkt versorgen konnten, für ihre Schulden mehr zahlken mussten, was auf einmal die bisher nie angezweifelte Stabilität von Staatsanleihen auf den Prüfstand stellte. Andere Staaten nahmen enorme Schulden auf, um den Bankenbailout zu finanzieren. Plötzlich stand die Staatsschuldenkrise im Raum und nur die EZB war nicht durch Panikdiskussionen, politisches Taktieren und sinnlose Schuldzuweisungen gelähmt. Sie öffnete die Schleusen und pfiff auf die Geldwertstabilität, zumal eine Abwertung des Euro die Staaten billig teilentschuldet, ohne Diskussion mit Anlegern. Eurobonds wären für unsere private Altersvorsorge besser gewesen. Die wollten wir ja nicht haben.

    • 05.02.2013, 05:57 UhrPaulusVonStalingrad

      @ Fossibaerin,
      Geld kann nur der verlieren der Geld hat.
      Die Staatsschulden müssen irgendwie doch bezahlt werden, ist es also nicht besser wenn das über eine starke Inflation geschieht?
      Jemand muss die Schulden bezahlen! Es führt kein Weg vorbei.

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