FrankfurtWährend im Zuge der Finanzmarktkrise eher Deflationsängste überwogen, deuten die Zeichen nun klar in Richtung eines nachhaltigen Inflationsanstiegs. Dafür sorgen etwa die expansive Geld- und Fiskalpolitik, das kräftige Wachstum in den Schwellenländern und die steigenden Rohstoffpreise. Für breit diversifiziert ausgerichtete Investoren ist das Szenario gar nicht so schlecht. Die meisten Anlageklassen profitieren von inflationären Tendenzen, etwa Aktien, Rohstoffen, Immobilien und Infrastruktur. Anleiheanleger machen sich hingegen Sorgen.
Die aktuellen Renditeniveaus haben die konjunkturelle Stärke und den bereits spürbaren Inflationsdruck, wenn überhaupt, sehr wenig eingepreist. Der Blick in die Vergangenheit belegt, dass ein vergleichbares Wachstums- beziehungsweise Inflationsniveau fast immer von erkennbar höheren Renditen begleitet wurde. Diese Schere wird sich unseres Erachtens über die nächsten Monate und Jahre schließen. Das führt dazu, dass der seit Jahrzehnten mit wenigen Unterbrechungen gültige Kalkulationsmechanismus für das Anleihesegment geändert werden muss.
Bislang konnte man bei guter Bonität zum jährlichen Kupon noch einen Kursgewinn durch sinkende Renditen addieren. Künftig jedoch sollte der von uns erwartete zwar moderate, aber nachhaltige Renditeanstieg den Kupon mindestens ansatzweise egalisieren. Selbst wenn die Notenbanken gegensteuern und damit den Renditeanstieg begrenzen, sollte die verbleibende Inflation die Renditen auf ein real negatives Niveau drücken. Aus Anlegersicht kein befriedigendes Ergebnis.
Investmentstrategisch lassen sich trotzdem die größten Risiken begrenzen und auch in diesem Umfeld noch akzeptable Renditeniveaus erzielen. Zunächst muss dazu die Zinssensitivität des Portfolios gesenkt werden. Dazu wird die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer des Anleiheportfolios erkennbar gesenkt, indem etwa anstatt lang laufender Anleihen sogenannte Floating Rate Notes gekauft werden, die sich automatisch an etwaige Zinserhöhungen anpassen.
Dazu empfiehlt sich eine Beimischung inflationsgeschützter Anleihen. Diese haben zwar in der Regel eine recht lange Laufzeit, der niedrigere Kupon wird aber um eine Inflationsprämie erhöht, so dass ein Zuwachs in den Inflationserwartungen zu einem höheren Ertrag führt. Dazu empfiehlt sich noch eine Beimischung von Hochzins- und Schwellenländeranleihen. Hochzinsanleihen von Unternehmen mit geringer Bonität bringen eine attraktivere Verzinsung, was aufgrund noch immer sinkender Ausfallraten weiter Mehrwert bringen dürfte. Bei den Schwellenländern stehen ihre strukturellen Vorteile im Vordergrund, wie das höhere Trendwachstum, die nachhaltige Konsumstärke sowie die deutlich gesündere Struktur im Bankensektor.
Wenn Analysten ihre Daumen heben, steigen die Aktienkurse – und umgekehrt. Diese Woche straften sie die Solarbranche ab und lobten die Telekom. Wie außerdem harte Fakten für Kapriolen sorgen, zeigen die Charts der Woche.
Analysen zeigen, dass eine Zehn-Prozent-Quote von inflationsgeschützten Anleihen und das Beimischen von Hochzins- und Schwellenländeranleihen um etwa jeweils fünf Prozent die erwartete Rendite eines vormals nur aus Staats- und hochwertigen Unternehmensanleihen bestehenden Portfolios um bis zu einem Prozentpunkt steigen lässt und dies bei gleichzeitig sogar sinkendem Risiko. Als Fonds empfehlen wir für inflationsgeschützte Anleihen den Axa WF Global Inflation Linked EUR (ISIN: LU0266009793), für Hochzinsanleihen den Neuberger Berman High Yield USD (ISIN: IE00B12VW672) und für Schwellenländeranleihen den Julius Baer BF Local Emerging Markets (ISIN: LU0107852195).
Stefan Keitel ist Chief Investment Officer der Credit Suisse.
Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.
Grundlagen verschiedener Investments: Wie Anleger die passenden Produkte auswählen und Risiken vermeiden.