Anlagestrategie

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Riskant und teuer: Stopp – bloß nicht investieren!

Windige Unternehmer versprechen viel: Schutz vor Inflation, hohe Sicherheit und auskömmliche Renditen. Doch oft können sie vollmundige Zusagen nicht halten. Wovon Anleger lieber die Finger lassen sollten.

Quelle: Getty Images
Quelle: Getty Images

DüsseldorfDie Gerbermühle in Frankfurt ist Literaturgeschichte: Goethe feierte hier seinen 66. Geburtstag; „wir aber wollen nach der Mühle wandern“, ließ er einen Osterspaziergänger im „Faust“ sagen.

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Heute locken hier ein edles Restaurant, ein Sommergarten unter Kastanienbäumen und ein kleines Hotel Gäste an. Goethe, die Nähe zum Main und der Skyline-Blick machen die Gerbermühle zu einem beliebten Ausflugsziel – und zu einem interessanten Objekt für Immobilienspekulanten. 2011 sicherte sich die Frankfurter S&K-Gruppe den denkmalgeschützten Bau.

Anlagetipps: Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

  • Tipp 1

    ... Renditen von über acht Prozent pro Jahr versprochen werden, gleichzeitig aber ein Drittel der eingeworbenen Summe für Kosten wie Werbung oder Vertrieb draufgeht

  • Tipp 2

    ...der Initiator bislang noch keine erfolgreichen Finanzprodukte aufgelegt hat

  • Tipp 3

    ...der Initiator nicht nachweisen kann, dass er die versprochenen Renditen im Kerngeschäft erwirtschaftet oder mit Vorgängerprodukten bereits erzielt hat

  • Tipp 4

    ...das Objekt, in das investiert werden soll, noch nicht feststeht oder das Anlegergeld als Kredit an andere Gesellschaften weitergereicht wird, der Anleger sich also nicht direkt an einer Immobilie oder einem Schiff beteiligt

  • Tipp 5

    ...Anleger Geld nachschießen müssen, falls das Unternehmen zum Sanierungsfall wird

Mit Vorzeige-Investitionen wie dieser warben die Gründer und Chefs der Gruppe, der 33-jährige Stephan Schäfer und der 31-jährige Jonas Köller, bei Anlegern um Geld. Ein tolles Objekt, dessen Nutzen sich sofort erschließt: Steine und Ziegel statt Papiergeld und Bankenpleite – was soll da schiefgehen?

Auf ihrer Internet-Seite wirft S&K mit Superlativen um sich: Mehrere Tausend Mitarbeiter will die Gruppe inklusive ihrer Beteiligungen beschäftigen und Immobilien im Wert von über 1,7 Milliarden Euro verwalten. Gesellschaften wie S&K haben derzeit leichtes Spiel. Die Deutschen fürchten sich vor Preissteigerungen, bei der Geldanlage sind Produkte, die Schutz vor Inflation versprechen, gefragt.

Doch was Sparern derzeit unter dem Deckmantel der „Sachwertinvestition“ ins Depot geschoben wird, ist oft schlimmer als jede Hyperinflation. Die WirtschaftsWoche hat einige der Antiinflationsprodukte, die aktuell an den Anleger gebracht werden sollen, geprüft: Vermeintliche Investitionen in Sachwerte entpuppen sich als hochriskant, kaum transparent und teuer. Im schlimmsten Fall wird nicht mal klar, ob alle Spargroschen der Anleger überhaupt investiert werden.

Geschlossene Fonds Wo die Deutschen ihr Geld riskieren

  • Geschlossene Fonds: Wo die Deutschen ihr Geld riskieren
  • Geschlossene Fonds: Wo die Deutschen ihr Geld riskieren
  • Geschlossene Fonds: Wo die Deutschen ihr Geld riskieren
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Bedenklich ist: Längst werden die dubiosen Produkte nicht nur an Großverdiener vertickt, sondern zunehmend auch an die, die ohnehin nicht viel haben. „Wir beobachten einen Trend hin zu immer kleineren Anlagesummen“, sagt Philipp Zmyj-Köbel, der die Abteilung für Kapitalmarktstrafsachen bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft leitet. Normalanleger aber sind mit den oft sehr komplexen Firmenstrukturen in der Regel überfordert.

Auch S&K ist eine für Laien schwer nachvollziehbare Firmenstruktur. Schäfer und Köller finanzierten die Immobiliengeschäfte ihrer Gruppe früher unter anderem dadurch, dass sie Anlegern Lebensversicherungen abkauften. Ende 2010 stellten sie das Geschäft ein: „Mit diesem Schritt distanziert sich die S&K Unternehmensgruppe von teils unseriösen Produktanbietern“, die das gesamte Geschäft in Verruf gebracht hätten, tönten die beiden.

Heute werben sie Gelder über Fonds wie den S&K Sachwerte Nr. 2 ein. Investoren erwerben Anteile an einem Fonds, der das eingezahlte Kapital als Darlehen an eine GmbH weiterreicht, die zur S&K-Gruppe gehört. Die GmbH soll für das Darlehen so hohe Zinsen zahlen, dass beim Anleger pro Jahr stolze zwölf Prozent hängenbleiben. Anleger erwerben hierbei keinen Anteil an einer Immobilie, sondern finanzieren mit einem Kredit die Geschäfte der GmbH aus dem S&K-Reich.

  • 06.03.2013, 09:12 UhrP17

    So ist es. Genau die gleichen Erfahrungen habe ich auch gemacht. Viele sind beratungsresistent bis zum Abwinken, was soll man dazu noch sagen? Ich berate im Bereich Währungs- und Zinsmanagement KMUs und gelegentlich auch mal Kommunen oder Landkreise. Kann mich noch gut an einen Landrat erinnern, der vor ein paar Jahren ca. 150 Mio Kassenkredite in CHF finanzieren wollte und, entgegen meinem Rat auch hat. Die Kredite bestehen immer noch (Kassenkredite!), mehr brauche ich da wohl nicht zu erwähnen. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, danach sind sie dann wieder die armen Sparer, die nur ihr Geld GANZ sicher anlegen wollten und von dem BÖSEN Berater reingelegt wurden. Was den Landrat angeht, in diesem Falle konnte ich eindeutig belegen, dass ich dringend von der CHF-Finanzierung abgeraten hatte. Ist wohl einfach so, gegen Dummheit helfen auch keine Gesetze.

  • 26.02.2013, 21:27 Uhranlageberater2punkt0

    Kommt mir sehr bekannt vor. ich habe auch mal bei einer bank gearbeitet. Kann mich an Zeiten vor der Finanzkrise erinnern: Meine KUnden waren zinsgeil wie nur was. Bei 3% p.a. schmissen sie das Angebot mir vor die Füße. Einige haben ihr Geld in Island angelegt, nicht wenige davon waren nach Zusammenbruch des BAmkensystems aufeinmal ganz arme kleine Anleger, die ja nur ihr Geld vernünftig anlegen wollten. Ich habe kein Mitleid mit solchen Zinsjägern.

  • 26.02.2013, 17:31 UhrBoesewicht

    Alles recht "interessante" Geschäftsideen. Ich bekomme speziell die Anziehungskraft der Prokon Genussrechte beinahe täglich mit.

    Ich arbeite als Berater in einer Bank. Lassen wir an dieser Stelle bitte kurz außer Acht, dass das ja das letzte ist, ich sämtliche Kunden nur über den Tisch ziehe, mich schämen sollte und meine Seele sowieso verloren ist.

    Sonst sehr zurückhaltende und konservative Kunden, oftmals zwischen 50 und 70 Jahren alt, die ihr Geld für unter 0,5% auf dem Tagesgeldkonto vorhalten, denen jedes Wertpapier außer einer Bundesanleihe zu riskant ist und die mir (ich weiß, ich weiß, zurecht...) reserviert bei jeglichen Anlagevorschlägen entgegenkommen gehören zu meiner Kundschaft.

    Neuerdings kommen einige dieser Kunden auf mich zu, fragen nach den Zinssätzen für Tages- und Festgeld und werfen mir dann entweder eine Prokon-Anzeige direkt auf den Tisch oder erzählen mir zumindest davon. Mehrmals fiel dann tatsächlich der Begriff des "Öko-Sparbuchs" bzw. "Erneuerbare-Energien-Sparbuchs" oder aber "Wind-Sparbuchs". (Wobei letzterer Begriff, wenn auch anders gemeint, fast wieder passt). Der Versuch zu erklären, dass es sich hier um Genussrechte handelt und welche Risiken dahinter stecken wird oftmals eher belächelt und beantwortet mit dem Argument, dass erneuerbare Energien doch DIE Zukunft sind. Wenn ich dann erwidere, ob dazu auch Solar gehört (was natürlich bejaht wird) und ob sich die Herrschaften einmal das Schicksal der meisten deutschen Solarunternehmen angeschaut haben kommt dann oftmals: "Ja, aber hier geht es doch um Wind!".

    Hier tickt mit Sicherheit die nächste Bombe, die bald etliche, meist Kleinanleger um ihr Geld bringt. Und mit Sicherheit wird auch meine Kundschaft dann mit Sicherheit aufschreien: "Hätten wir das gewusst!!"

    Ich erinnere mich da z.B. auch noch an die unglaublich tollen Zinssätze, die isländische Banken offerierten...Aber das ist eine andere Geschichte

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