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Staranalystin Cohen: „Ich sehe kein drohendes Inflationsgespenst“

Glaubt man Goldman-Sachs-Analystin Abby Joseph Cohen, dann ist Inflation noch lange kein Thema. Warum die Rally an den Börsen noch lange weitergeht und welche Aktien total unterbewertet sind.

Abby Joseph Cohen ist Staranalystin von Goldman Sachs. Quelle: Reuters
Abby Joseph Cohen ist Staranalystin von Goldman Sachs. Quelle: Reuters

Mrs. Cohen, die Fed flutet den Markt weiterhin mit Geld. Jetzt koppelt sie ihre Geldpolitik an die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Erst wenn die Arbeitslosenrate unter 6,5 Prozent fällt, will sie die Zinsen von faktisch null Prozent wieder anheben. Was halten Sie von diesem doch durchaus radikalen Schritt?
Ich habe meine Karriere als Ökonomin bei der Fed begonnen und lese ihre Statements sehr genau. Ich glaube nicht, dass sie ein radikaler neuer Schritt sind. Sie reflektieren nur einen Wechsel in der Kommunikation. Seit dem Ende der Rezession Mitte 2009 hat Fed-Chef Ben Bernanke gesagt, wie viel Sorge ihm der schwache US-Arbeitsmarkt bereite. In den vergangenen Wochen hat er betont, die Fed werde die Zinsen nicht erhöhen, solange sich der Arbeitsmarkt nicht nachhaltig verbessert. Wissenschaftliche Studien, darunter auch die der Fed, kommen zu dem Ergebnis, dass die Kerninflation...

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...die Preissteigerungsrate ohne Nahrung und Energie...
...wahrscheinlich keine Bedrohung darstellt, bevor die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent sinkt. Neu ist nur die breite öffentliche Kommunikation dieser Zahl durch den Notenbankchef.

Hilft die Politik des billigen Geldes denn überhaupt der Konjunktur? Oder hat die Fed-Politik versagt?
Ich denke, die Fed hat sehr gut gearbeitet. Nicht nur in den USA, sondern überall auf der Welt mussten Notenbanken auf außergewöhnliche Umstände an den Finanzmärkten reagieren. Die USA sind immer noch der weltgrößte Importeur. Wenn die US-Notenbank also die Nachfrage auf dem Heimatmarkt ankurbelt, indem sie die Zinsen niedrig hält, stimuliert sie damit globales Wachstum. Das größte Problem war doch das schwindende Vertrauen bei Investoren, und das hat die Fed mit ihrer Geldpolitik wiederhergestellt. Wir sehen eine Stabilisierung der Märkte.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

  • Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

    Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

  • Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

    Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

  • Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

    Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

  • Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

    Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

  • Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

    Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

  • Ist mein Geld auf der Bank sicher?

    Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

  • Droht ein Aktiencrash?

    Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

  • Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

    Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

  • Wie sichere ich meine Kinder ab?

    Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

  • Soll ich jetzt Schulden machen?

    Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

  • Soll ich meine Immobilie verkaufen?

    Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

  • Soll ich Gold kaufen?

    Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

  • Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

    Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

  • Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

    Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Verliert die Fed nicht zunehmend ihre Glaubwürdigkeit als Inflationsbekämpferin, wenn sie fortwährend billiges Geld auf den Markt wirft und ihre Bilanz aufbläht?
Dieses Argument kam bereits wenige Wochen nach dem Ausbruch der Finanzkrise vor vier Jahren auf. Es ist bewiesen, dass es einfach nicht stimmt. Angst vor Inflation ist voreilig. In den USA und in Europa ist die Arbeitslosigkeit hoch, die Löhne steigen nicht, Produktionskosten sind niedrig – insgesamt ist das Wachstum noch schwach. Ich sehe einfach kein drohendes Inflationsgespenst. Die Kerninflation liegt derzeit unter 2,5 Prozent. In einigen Ländern haben Rohstoffpreise zu höheren Inflationsraten geführt, in den USA nicht.

Wie stark wird die Konjunktur in 2013 zulegen?
Wir rechnen global mit einem Wachstum von 3,3 Prozent und in den USA mit einem Plus von zwei Prozent im kommenden Jahr. In den USA wird das erste Quartal mit 1,5 Prozent am schwächsten ausfallen, vor allem wegen der Unsicherheiten um den zukünftigen US-Haushalt. Einige Unternehmen sitzen mit gebundenen Händen da und warten ab. Sie halten sich mit Investitionen zurück, bevor sie nicht wissen, wie die neuen Regeln aussehen werden. Sobald hier Klarheit herrscht, wird die Konjunktur anziehen. Impulse erwarten wir in den USA vor allem durch anhaltende Konsumausgaben, den sich erholenden Immobilienmarkt und Anlageinvestitionen in Sachanlagen und Infrastruktur. Die öffentlichen Ausgaben sind zurückgegangen – nicht nur national, sondern auch auf Ebene der Bundesstaaten und Gemeinden, da diese versuchen, ihre Budgets ins Gleichgewicht zu bringen. Das hat das Wachstum verlangsamt und bildet nun das stärkste Hindernis für den Arbeitsmarkt.

  • 09.01.2013, 12:13 UhrBloedheitSchuetztNicht

    Jeder Vollpfosten darf von sich geben was er will, ist OK! Der Harken, die Wirklichkeit holt auch jeden ein, erbarmungslos! Egal wie bösartig oder blöd! Ist auch OK! Das ist wie mit der Intelligenz, du hast sie oder nicht, studieren kannst du sie nicht! Auch eine Wirklichkeit, die JEDEN einholt, auch erbarmungslos! Da kannst du Dr. oder Prof., Intelligenz ist nicht studierbar! Fakt!
    Schon vor 150 Jahren hat Arthur Schopenhauer gewusst:
    "Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen – aber kein Grad von Bildung ersetzt natürlichen Verstand."

    Bild dir selbst deine Meinung!
    Ich lese BILD, FOCUS, Spiegel, Stern, Handelsblatt, die Welt, BAZ.ch, Die Zeit, Berliner Ztg., usw. usw., aus diesen Puzzleteilen kannst du die Wahrheit entschlüsseln!
    Und diese Wahrheit ist manchmal erschütternd! Deshalb würde ich auch nie mehr CDU SPD GRÜNE FDP CSU LINKE wählen, die gehören verboten! Aus Spaß würde der CIA nie eine Gefahrenstudie rausbringen, die haben Angst vor der Blödheit von CDU SPD GRÜNE FDP CSU LINKE, das die wieder einen Krieg anzetteln, und die Amerikaner in Europa einen neuen Krisenherd haben!
    Jeder Wähler ist mit schuldig, Ignoranz, Dummheit, Naivität schützt niemanden vor der Wirklichkeit!

  • 09.01.2013, 10:33 UhrMachiavelli

    Liebe Frau Merkel,
    Wegen der von der deutsch-französischen Achse entworfen und den anderen Mitgliedern diktiert EU- und Euroverträge, war der Euro von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
    Diese Verträge haben in keiner Weise die Grundunterschiede der einzelnen EU-Länder berücksichtigt, und zwar mit Absicht . Dadurch war es leichtes Spiel, vor allem für Deutschland aber auch im geringeren Maßen für Frankreich, die schwächere EU-Länder über den Export und den Leistungsbilanzüberschuss auszusaugen. Die Gewinne die dadurch, vor allem deutsche Firmen, in diesen Länder erzielt haben wurden meistens nicht in diesen Länder reinvestiert sonder in Nichteuro-Länder, daher die hohe Arbeitslosigkeit, Leistungsbilanzdefizite und auch z.T. Die Haushaltsdefizite in den schwächeren Euro-Ländern, da die Steuereinnahme auf Löhne und Körperschaftsteuer größtenteils ausgefallen sind.
    Durch ein EU-Finanzministerium (ähnlich dem Bundesfinanzministerium in Deutschland) hätte man diesen Konstruktionsfehler abfedern können.
    Dies wurde aber absichtlich unterlassen, wir stehen jetzt vor den Scherben des Konstruktes EU und Währungsunion. Der Zusammenbruch ist nur eine Frage der Zeit.
    Durch eine zweistufige MwSt., z.Bsp. 15% auf lokale Produkte und 25% auf Importprodukte, könnte versucht werden das zu retten was noch zu retten gibt. Dadurch würden Konzerne dazu motiviert in die Länder zu investieren in die sie traditionell exportieren. Die würde sich positiv sowohl auf die Arbeitslosigkeit in diesen Ländern auswirken als auch auf deren Haushaltsdefizite.

  • 08.01.2013, 21:12 UhrHenry

    Es dürfte (was es nicht tut) allgemein bekannt sein, daß, wenn die BILD zum Einstieg in die Hausse rät, panikartig das Depot aufgelöst werden sollte. Die Inflation wird beschworen.

    Die Immobilienblasen sind geplatzt. Daran kann ich mich erinnern. Und mit ihr viele Träume. Deshalb meide ich Gold.

    Den Rest überlasse ich anderen.

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