Anlagestrategie

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Trader: Das sind doch alles Zocker! Oder?

Wer sich als Trader outet, ist bei vielen Menschen gleich schon unten durch. Auf der Fachmesse World of Trading haben sich am Wochenende gleich 4.000 solcher Exoten getroffen. Was sie antreibt und wo die Fallen lauern.

Das Klischee des Traders: Er sitzt den ganzen Tag gebannt vor den Charts und setzt auf fallende oder steigende Kurse.
Das Klischee des Traders: Er sitzt den ganzen Tag gebannt vor den Charts und setzt auf fallende oder steigende Kurse.

FrankfurtDie Welt der Trader - wer darein eintaucht, braucht Mut. Nicht bloß, weil er Gefahr läuft, beim schnellen Handel mit Aktien, Devisen und Hebelprodukten sein Geld zu verlieren, sondern auch, weil Trading in der Gesellschaft verpönt ist.

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Einen Trader stellen sich viele etwa so vor: Da sitzt ein Mensch einsam vor seinem Computer, auf dem Bildschirm flackern die Kurse und alle paar Minuten – oder gar Sekunden – gibt er einen Kauf- oder Verkaufauftrag. Mal setzt er auf steigende, mal auf fallende Kurse, mal handelt er mit einer echten Aktie und mal mit Schuldverschreibungen, hinter denen gar kein realer Wert steckt. Kurzum: Er ist ein Zocker.

Kein Zweifel, auf der World of Trading – der Frankfurter Fachmesse mit Seminaren, Ausstellern und Podiumsprogramm – finden sich viele, die diesem Klischee ganz gut entsprechen. Doch es gibt auch solche Besucher, die sich noch vorsichtig an das Handeln herantasten – häufig allerdings mit großen Zielen.

So legen die Deutschen ihr Geld an

  • 40,55 Prozent

    Die privaten Haushalte in Deutschland hatten Anfang 2012 ein Geldvermögen in Höhe von 4,8 Billionen Euro. Einen Großteil davon, 40,55 Prozent, haben sie in Bargeld und sonstigen Spareinlagen angelegt.

  • 29,35 Prozent

    Knapp 30 Prozent ihres Geldvermögens der privaten Haushalte besteht aus Ansprüchen gegenüber Versicherungen.

  • 8,55 Prozent

    Trotz des Risikos haben die Deutschen 8,55 Prozent ihres Geldvermögens in Investmentzertifikate angelegt.

  • 6,87 Prozent

    Knapp sieben Prozent des Geldvermögens der Deutschen besteht aus sonstigen Forderungen und Pensionsrückstellungen.

  • 5,25 Prozent

    In Aktien haben die privaten Geldhaushalte gerade mal 5,25 Prozent ihres Vermögens angelegt.

  • 5,19 Prozent

    Auch bei festverzinslichen Wertpapieren sind die Deutschen vorsichtig: Sie haben 5,19 Prozent ihres Geldvermögens in solche Papiere angelegt.

  • 4,24 Prozent

    Etwas mehr als vier Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland entfallen auf sonstige Beteiligungen.

So auch ein Jurastudent, der kurz vor Abschluss seines Examens steht. „Ich bin zum dritten Mal auf dieser Messe“, erzählt er. Lange hat er sich informiert und viel gelesen, erst vor sechs Monaten hat er aktiv mit Traden begonnen und setzt bevorzugt auf Devisen. Ernsthaft und dauerhaft möchte er traden. Als Zocker sieht er sich nicht. „Würde ich zocken wollen, würde ich nach Wiesbaden ins Casino fahren“, sagt er.

Der angehende Jurist hofft darauf, einmal vom Traden leben zu können. Sein Ansatz klingt solide, sein Rendite-Traum könnte im Trading-Alltag aber schnell platzen. „Wenn man mit einer Anfangssumme von nur 3000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren, also insgesamt 750 Handelstagen, täglich nur ein Prozent Rendite erwirtschaftet, kommt man auf eine beachtliche Endsumme von 5,2 Millionen Euro brutto, immerhin 2,7 Millionen Euro netto“, rechnet er vor. „Diese Vorstellung finde ich einfach gigantisch.“

Traden vs. Investieren (1)

  • Keine Äpfel mit Birnen vergleichen

    Traden und Investieren sind zwei völlig verschiedene Ansätze des Geldverdienens an der Börse. Der Trader und Buchautor Thomas Vittner erklärt die wichtigsten Unterschiede.

  • Zeitraum

    Wer investiert, ist langfristig orientiert. Die Perspektive des Traders dagegen ist kurz- bis mittelfristig.

  • Fundamentalwerte und Technik

    Investoren suchen Werte, an denen sie sich beteiligen können. Um diese zu finden, orientieren sie sich an Fundamentaldaten. Trader dagegen sind nur an technischen Signalen interessiert, sie arbeiten mit Charts und Indikatoren. „Ich konnte mir das früher nie vorstellen, aber heute bin ich einer von denen, die traden ohne zu wissen, welches Unternehmen hinter dem Börsenkürzel steckt“, sagt Thomas Vittner.

  • Long und short

    Für Investoren gilt: Long only, sie setzen nur auf steigende Kurse, schließlich hoffen sie auf Wertzuwachs. Trader gehen mal long und mal short. „Für den Erfolg ist es essentiell, auch auf fallende Kurse zu setzen“, sagt Thomas Vittner. Es sei allerdings ein Irrglaube, dass die Kurse runter gehen, nur weil Trader short gehen. „Es sind eher die Institutionellen, die nicht shorten dürfen. Wenn die plötzlich große Positionen verkaufen, sacken die Werte ab.“

  • Charts

    Wer investiert, verwendet Charts nur am Rande. Beim Traden sind Charts dagegen enorm wichtig.

  • Timining

    „Beim Investieren ist Timing wichtig, beim Trading ist es alles“, sagt Trader Vittner.

  • Gebühren

    Für den Investor sind Gebühren zweitrangig, weil sie nur selten anfallen. Beim Trading sind sie sehr wichtig. Viele Trader scheitern, weil sie zu hohe Gebühren zahlen.

  • Nachrichten

    Für Investoren sind die aktuellen Nachrichten wichtig. „Für Trader sind sie zu 90 Prozent nicht interessant“, sagt Vittner. Denn Trading habe nichts mit Interpretation von Nachrichten zu tun.

  • Wirtschaftswissen

    Investoren brauchen Wirtschaftswissen. Trading habe jedoch nichts mit Wirtschaftswissen zu tun, so Vittner. „Diejenigen, die Trading mit Wirtschaftswissen betreiben wollen, scheitern kläglich.“

  • Technische Infrastruktur

    Wer ab und an mal eine Aktie oder einen Fonds kauft, braucht keine überragende technische Infrastruktur. Anders beim Traden, wer Systemtrader ist und Backtesting-Programme nutzt, braucht einen guten PC mit großem Arbeitsspeicher und stabiler Internetverbindung müsse es schon sein. Von W-Lan, Funk-Tastatur oder Funk-Maus rät Vittner ab und empfiehlt zudem eine zweite Internetverbindung. Griffbereit sollte man zudem die Telefonnummer des Brokers haben.

Unabhängig sein, viel Geld verdienen und dafür noch nicht einmal den heimischen Schreibtisch verlassen. Für manch einen klingt das geradezu nach Paradies. Doch Thomas Vittner, der selbst Trader ist und unter anderen das Buch „Das Trader Coaching: So werden Sie zum Gewinner“ geschrieben hat, holt solche Träumer schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: „So funktioniert Trading nicht, ich kann nicht jeden Tag mit der Summe x rechnen. Ich habe lediglich einen statistischen Erwartungswert meines Systems.“

  • 19.11.2012, 15:03 UhrPrivatTrader

    Grundvoraussetzung (neben dem Risikomangement) um als Daytrader zu arbeiten, ist m.E. eine gut fundierte Ausbildung (logischerweise incl. aller relevanten Börsenhändlerprüfungen) bei einer Top-Investmentbank, um sich anschließend selbständig zu machen und mit eigenem Geld auf eigene Rechnung erfolgreich zu arbeiten.

  • 19.11.2012, 15:39 UhrZorro...

    Das sind doch alles Zocker! Oder?
    ---
    "Alle" ist immer ein grosses Wort, dem man in diesem Kontext widersprechen sollte.

    Aber vor die Wahl gestellt, dem zuzustimmen oder nicht, würde ich zustimmen und dem Zocker noch das Wort kriminell voranstellen.

    [...]! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 19.11.2012, 16:18 UhrPotentiellerSteuerhinterzieher

    Ach@Zorro was Sie hier äussern tönt naiv.

    Am Anfang sprach der Herr war der Leitzins. Der war sowohl der Politik, als auch der Notenbank zu hoch. Eine Immoblase, zwecks Konjunkturbelebung musste her. Desweiteren wollte die Politik, dass die Banken ihre Bonds kaufen damit der Staat seine (zu hohen) Ausgaben
    finanzieren kann. Deshalb brauchte es eine Aenderung der Regularien. Hinfort sollten diese Bonds auf der Sollseite der Bank Bilanz nicht mehr mit Equity auf der Habenseite hinterlegt werden müssen.

    Von daher würde ich an Ihrer Stelle die Schuldigen für die Krise woanders suchen. Die Banken reagieren naturgemäss immer auf Vorgaben der Politik und der Notenbanken.

    Die Politik wäscht stets ihre Hände in Unschuld und fordert Gerechtigkeit und hat auch stets einen Sündenbock parat. Das ist doch politische Routine, oder?!

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