
DüsseldorfDie Deutschen fürchten sich vor der Inflation. Diese Angst ist weit älter als der Euro. Sie reicht bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, in die Weimarer Republik. Damals lief die Inflation völlig aus dem Ruder. Die Kriegsschulden lasteten schwer auf Deutschland. Um diese zu finanzieren, warfen die Notenbanker die Druckerpresse an und druckten hemmungslos Mark.
In der Folge kletterten die Inflationsraten kräftig. Zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923 betrug die Teuerung 50 Prozent – pro Woche wohlgemerkt. In den Bäckereien wurde Brot mit Schubkarren voller Geldscheine bezahlt. Was am Abend eine Million Reichsmark kostete, war tags darauf schon in Milliarden ausgepreist. Die Deutschen mussten mit ansehen, wie ihre Ersparnisse quasi über Nacht entwertet wurden.
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*
*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*
*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*
*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent
Aus Angst flüchteten sie in Sachwerte, kauften Anteile an Unternehmen etwa. Im selben Zeitraum kletterte der damalige Aktienindex von 2062 auf unglaubliche 171 300 000 000 Punkte. Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises (1881 bis 1973) sollte dieses Phänomen wenig später als „Katastrophenhausse“ beschreiben. Sie wird befeuert von der Angst der Anleger, ihr Geld könne an Wert verlieren. Von Mises gilt als radikaler Liberaler und wichtiger Vertreter der Österreichischen Schule. Auch wenn die Zeitzeugen mittlerweile fast alle verstorben sind, die Inflationsangst hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Nation eingefressen.
Und mit dem Wissen, was vor beinahe 100 Jahren geschah, schauen die Deutschen in diesen Tagen nach Frankfurt, zur Europäischen Zentralbank. Im Sommer hatte der Chef des Institutes, der Italiener Mario Draghi, gesagt, man werde den Euro retten – um jeden Preis.
Und der Preis ist hoch. Um die Schuldenkrise in Europa zu lindern, verleugnen die Notenbanker gar ihr oberstes Gebot, nämlich für einen stabilen Geldwert innerhalb des Währungsraumes zu sorgen. Draghi wird stattdessen Anleihen von hochverschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien kaufen, er wird also die Notenpresse anwerfen, um die Refinanzierungskosten der Schuldner künstlich zu drücken, damit die ihre Verbindlichkeiten begleichen können. So zumindest die Hoffnung.
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.
Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.
Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.
Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.
Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.
Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.
Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.
Die Strategie der laxen Geldpolitik ist vermutlich ohne Alternativen, aber sie ist auch brandgefährlich. Denn die Währungshüter nehmen massive Risiken auf die eigenen Bücher und blähen ihre Bilanz auf. Die von den großen Zentralbanken gehaltenen Aktiva haben sich nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und erreichten Ende 2011 rund 18 Billionen Dollar. Tendenz rasant steigend.
Das große Problem dieser Strategie sind die Nebenwirkungen. Denn die hemmungslose Ausweitung der Geldmenge ist die wichtigste Zutat für eine ausgeprägte Inflation. Sollte die Konjunktur in Europa mittelfristig wieder anspringen, drohen die Teuerungsraten aus dem Ruder zu laufen.
Davor fürchten sich die Deutschen – und suchen auch diesmal nach Alternativen zu ihrem Papiergeld. Handelsblatt Online hat einmal genauer geschaut, welche Sachwerte tatsächlich als Inflationsschutz taugen – und von was Sparer besser die Finger lassen sollten. Frei nach Danny Kaye, dem amerikanischen Schauspieler, der einst sagte, dass Geld allein nicht glücklich mache. „Es gehören auch noch Gold, Aktien und Grundstücke dazu.“

Nach dem Mauerfall, im Jahre 1989 bis etwa 1993, haben die Deutschen Eigentumswohnungen wie verrückt gekauft, in Kassel z.B. kostete damals eine 1-Zimmer Neubau-Wohnung bis zu 200.000,-- DM. Nach wenigen Jahren kosteten diese Immobilien nur noch ein Zehntel vom ursprünglichen Kaufpreis!

Eine Möglichkeit sich der Inflation zur Wehr zu setzen könnten doch auch Inflations gelinkte Anleihen sein. Hier ein Beitrag auf Fondsprofessionell http://www.fondsprofessionell.de/news/aktuelle-news/nid/peh-beim-inflationsschutz-zaehlen-flexibilitaet-und-liquiditaet/newskategorie/0/newsseite/1/gid/1005803/

Für diesen Beitrag möchte ich ein Lob aussprechen!
Nicht die üblichen Sonntags Presseschau Verdrehungen von Fakten und seine hier richtig analysierten Folgen.
Wenn ich mir den abgelassenen Verdummungsschmalz von Draghi vor unseren deutschen Volksvertretern schäme ich mich für soviel Unfähigkeit in Grund und Boden. Anscheinend wurde alles ungeprüft geglaubt.
Schönen Tag noch.






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