Anlagestrategie

Die grüne Rendite-Verlockung

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Palmöl - Investieren in einen umstrittenen Rohstoff

Agrofinanz warb zunächst mit einer Rendite von 13,5 Prozent. Nun wurde das Angebot verändert - angepriesen werden nun neun Prozent p.a.
Agrofinanz warb zunächst mit einer Rendite von 13,5 Prozent. Nun wurde das Angebot verändert - angepriesen werden nun neun Prozent p.a.

Das Konzept

Palmöl ist gefragt, denn es wird nicht nur zum Braten und Frittieren verwendet, sondern auch in vielen Backwaren und Süßigkeiten. Bei der Agrofinanz erwirbt der Kunde das Ertragsrecht an individualisierten Parzellen mit Ölpalmen in Ecuador sowie das wirtschaftliche Eigentum an Grund und Boden. Er soll jedes Jahr eine Ausschüttung bekommen – garantierte fünf Prozent in den ersten vier Jahren, danach richtet sich der Betrag nach dem Erlös aus dem Palmöl. Außerdem wird das Grundstück der Plantage nach 25 Jahren verkauft. Auch an diesem Verkaufserlös soll der Anleger beteiligt werden. Die Mindestbeteiligung liegt bei 7.500 Euro.

Die Rendite

Im Internet lockte der Anbieter zunächst mit einer Rendite von 13,5 Prozent. Im Prospekt ist die Euphorie weniger groß, dort sind drei Szenarien dargestellt: Im Worst-Case steigt der Preis für Palmöl um null und der Preis für das Grundstück um zwei Prozent. Im Basisfall legen beide Preise drei Prozent zu und im Best-Case klettert der Palmölpreis sechs Prozent und der Plantagenpreis vier Prozent.

Schon auf der Titelseite des Prospekts wird mit einer Renditeprognose (IRR) von nur noch 8,28 Prozent geworben, was dem Basisfall entspricht. Von 13,5 Prozent ist hier nicht mehr die Rede. Auf Nachfrage erklärt ein Kundenberater im telefonischen Gespräch, dass sich die 13,5 Prozent nur auf die mögliche Rendite in einem einzelnen Jahr beziehen. So soll im Basisfall im 23. Jahr eine Ausschüttung von 4.056 Euro erreicht werden – was bei einem Investitionsbetrag von 30.000 Euro eben jenen 13,5 Prozent entspricht. Allerdings müssen die Erträge als Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft versteuert werden.

Interview „Wer glauben will, sollte lieber in die Kirche gehen“

Bei angeblichen Öko-Investments mit hohen Renditeversprechen lauern viele Gefahren. Der Münchener Fachanwalt für Kapitalanlagerecht, Peter Mattil, erklärt, wie sich Anleger vor herben Verlusten schützen können.

Auf die Diskrepanz der Renditeangaben angesprochen, muss der Vertriebsleiter von Agrofinanz, Stefan van Ühm, eingestehen: „Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass die genannte Rendite von 13,5 % p.a. nicht jedes Jahr erzielt wird. Dies haben wir auch nicht in unserer Werbung gesagt. Die Werbung sagt: ‚Bis zu 13,5% p.a. und mehr’.“ Inhaltlich sei dieser Text so korrekt. „Dies sorgt nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei möglichen Investoren für Missverständnisse. Und dies zu Recht! Seit ungefähr zehn Tagen haben wir diese Anzeige gestoppt und wir werden kurzfristig mit einer angepassten Werbekampagne fortfahren“, so von Ühm.

Tatsächlich wurde die Werbe-Website nach der Anfrage von Handelsblatt Online mehrfach geändert. Statt mit „Bis zu 13,5 Prozent pro Jahr und mehr“ heißt es nun „Feste Ausschüttung 9% p.a.“. Außerdem titelt die Website nicht mehr „Nachhaltig, Ökologisch sinnvoll, Krisensicher“, sondern „Der weltweite Konsum von Palmöl hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt.“ Und das ist noch nicht alles: Ein Diagramm, das wohl die Entwicklung von der anfänglichen Anlagesumme zum späteren Vermögen zeigen sollte, wurde entfernt. Stattdessen wird nun auch hier auf die stark steigende Nachfrage nach Palmöl verwiesen. In einem weiteren Schritt änderte Agrofinanz die Zeile „Rückgabeoption nach vier Jahren“ in „Laufzeit 10 Jahre“. Das Angebot wurde also insgesamt stark überarbeitet.

Die Nachhaltigkeit

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Um die Nachhaltigkeit des Anbaus der Palmen nachzuweisen, wird die Mitgliedschaft im RSPO – Roundtable on Sustainable Palm Oil – benannt. Damit bekenne sich Agrofinanz unter anderem zu Transparenz,  langfristiger wirtschaftlicher Tätigkeit, langfristige Wahrung der Bodenfruchtbarkeit sowie verantwortlichem Verhalten gegenüber der Umwelt, den Angestellten und bei der Entwicklung neuer Anbaugebiete heißt es im Prospekt.

  • 22.03.2012, 08:09 UhrGSN

    Mein Vorschlag: Anstatt solchen windigen Angeboten Geld hinterher zu schmeißen, lieber die Euros direkt in Teakholzmöbel investieren und sich dann 20 Jahre lang daran erfreuen. Während dieser Zeit kann man dann laufend beobachten, ob all diese "Anbieter" noch am Markt sind. Der Spuk hört erst dann auf, wenn solch ein Quark nicht mehr angeboten wird und Anleger nicht mehr für dumm verkauft werden. Rendite ist doch nicht alles im Leben, oder?

  • 22.03.2012, 08:17 UhrNilsZiegemeier

    Jedes mal wieder rege ich mich bei solch langen Artikeln über diese kleinen ausklappbaren Boxen mit Zusatzinfos auf. Weder beim simplen Ansichtsdruck, noch bei Ausdruck über die angebotene Druckfunktion werden diese Boxen vollständig mit ausgegeben. Immer nur der erste Punkt. Wie soll man sich die Artikel da vernünftig ausdrucken und für später zur Seite legen können? Man bleibt zwangsweise auf der Online-Darstellung sitzen!

    Bitte ändern, liebe RedaktioN!

  • 22.03.2012, 10:03 UhrAnonymikus

    Ganz meine Meinung! Früher konnte ich den gesamten Artikel öffnen und alles lesen; heute muss ich jede Seite einzeln öffnen und lesen und die Zusatzinfos aus den Klapptabellen darf ich mir per Hand abschreiben - oder per "copy and paste" in ein eigenes Dokument übertragen und dann ausdrucken, um den gesamten Artikel auf Papier zu haben. >>> Ja ich bin noch so altmodisch und archiviere auf Papier. Außerdem sind die Handelsblattartikel - zumindest war es so - nach einigen Jahren nicht mehr aufrufbar.
    Hier sollte die Redaktion wirklich nachbessern.

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