
HO-MINH-STADT. Die Eigenartigkeit Börse in Vietnam beginnt schon beim Namen: Ho Chi Minh Stock Exchange. Ausgerechnet Onkel Ho muss als Namensgeber für die Zockerhöhle herhalten. Zu Lebzeiten kämpfte der Kommunistenführer gegen den Westen, gegen die Kapitalisten. Doch das ist lange her. Im heutigen Vietnam erscheint den meisten die Liaison aus sozialistischem Überbau und alltäglichem Kapitalismus ganz normal.
Manche Investoren sind in diesen Tagen sogar froh, dass die Kommunisten das Land mit strenger Hand regieren. Polizei und Armee sind allseits präsent. Wer eine unbequeme Meinung äußert, der landet im Gefängnis. Menschenrechtler kritisieren das Regime scharf. Doch eine Situation wie in Thailand, wo bei gewaltsamen Demonstrationen die Börse in Brand gesteckt wurde, halten Experten für unwahrscheinlich. "Die politische Stabilität in Vietnam ist beachtlich", sagt Rodolfo Severino, der frühere Generalsekretär des Verbandes südostasiatischer Nationen (Asean) im Interview mit Bloomberg. "Wenn ich ein Investor wäre, würde ich mein Geld dort anlegen."
Es ist erst wenige Jahre her, als in der hiesigen Presse von der "deutschen Invasion" in Vietnam zu lesen war. Gemeint waren Anleger, die ihr Geld - ermuntert durch bunte Werbeprospekte - in Fonds und Zertifikate mit Fokus auf Vietnam steckten. Zunächst lief alles gut. Im März 2006 stand der Vietnam-Index bei gut 300 Punkten, ein Jahr später hatte er sich fast vervierfacht. Doch die wenigsten schafften rechtzeitig den Absprung. So schnell es nach oben gegangen war, so schnell stürzten die Kurse wieder ab.
Die Finanzkrise erwischte den kleinen, wenig liquiden Markt viel heftiger als die Börsen in Frankfurt, New York oder Tokio. Erst nach einem freien Fall bis auf 244 Punkte kam der Index auf dem Boden auf. "Nach der Öffnung, haben sich viele Investoren in Vietnam verliebt. Für die meisten wurde es zu einem heißen Ritt", sagt Wellian Wiranto, Volkswirt von HSBC in Singapur.




