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Geteidepreise am Boden: Vom Wert des Korns

An den Getreidemärkten ist der Euphorie von 2007 die Ernüchterung gefolgt. Nach der Explosion der Getreidepreise kam es seit Anfang 2008 zu einer steilen Talfahrt. Mais, Sojabohnen und Weizen verbilligten sich zeitweise um 50 bis 70 Prozent. Inzwischen haben sich die Märkte wieder erholt und könnten sogar kräftig zulegen, wenn für Schwellenländer weiterhin die Gefahr einer Hungersnot besteht.

Weizenernte bei Eschborn am Taunus. Der allgemeine Rückgang der Rohstoffpreise hat auch den Weizenpreis getroffen. Quelle: ap
Weizenernte bei Eschborn am Taunus. Der allgemeine Rückgang der Rohstoffpreise hat auch den Weizenpreis getroffen. Quelle: ap

FRANKFURT. Von 2006 bis 2008 zeichneten Fachleute das düstere Bild einer kommenden Nahrungsmittelkrise. In den USA wurde mit dem Begriff „FFF“ gewarnt. Damit war der von drei Seiten geschürte Kampf um verfügbare Getreidemengen gemeint - nämlich Food (Nahrungsmittel), Feed (Futtermittel) und Fuel (Bioenergie). Prognosen von der drohenden Knappheit haben sich bis dato nicht erfüllt, doch warnen Experten wie der Berliner Wissenschaftler Harald von Witzke weiterhin. „Eine Entspannung ist nicht in Sicht - im Gegenteil, sagt Witzke im Handelsblatt-Gespräch.

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Fakt ist, dass die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen seit dem ersten Quartal 2008 kräftig eingebrochen sind, weil mehr Getreide zur Verfügung steht. Die Ursachen für die Baisse waren vielfältig. Zum einen zogen sich Spekulanten aus diesen Märkten zurück. Zum anderen dämpfte der starke Verfall des Ölpreises die Fantasie, dass Getreide und Ölsaaten bei der Herstellung von Biotreibstoffen künftig eine größere Rolle spielen könnten. Und last but not least kam es bei Getreide auch zu einer Entspannung auf der Angebotsseite.

Noch in der Saison 2007/08 hatte die FAO (Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno) die seinerzeit geringen Weltgetreidebestände als ernste Gefahr beschrieben. Inzwischen hat sich die Lage wegen recht üppiger Ernten entspannt. „Die Situation der weltweiten Bestände hat sich deutlich verbessert", sagen auch Analysten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA).

Ein Grund für die Entspannung ist darin zu sehen, dass die Landwirtschaft die globalen Anbauflächen stärker nutzt. In der Saison 2009/10 wird die für den Getreideanbau genutzte Agrarfläche von 788 auf 790 Mio. Hektar steigen. Wegen schrumpfender Produktivität – geringeren Einsatzes von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln – werde die Getreideproduktion in der laufenden Saison jedoch auf 2,188 Mrd. Tonnen (nach einer Rekordernte von 2,226 in 2008/09) fallen. Die FAO rechnet mit 2,208 Mrd. Tonnen. „Gleichwohl wird dieses Jahr die zweitgrößte jemals eingebrachte Getreideernte bringen“, sagen die FAO-Fachleute.

Solch hohe Ernten sind notwendig, um Engpässe der vergangenen Jahre vergessen zu machen. Denn auch die Getreidenachfrage dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Während die Experten des USDA davon ausgehen, dass der globale Getreidebedarf in dieser Saison um rund 1,6 Prozent zunimmt, wird bei der FAO eine Wachstumsrate von lediglich „unter einem Prozent“ auf eine Menge von rund 2,217 Mrd. Tonnen erwartet. Die FAO-Experten rechnen unter anderem mit einem geringeren Einsatz von Mais als Rohstoff bei der Ethanol-Herstellung.

Als Treiber für den höheren Getreidebedarf wird das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung gesehen. Zudem steigt die Nachfrage wegen der sich mit zunehmendem Wohlstand in Richtung mehr Fleisch und Brot verändernden Ernährungsgewohnheiten in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien. Für Brot wird Weizen gebraucht, bei Fleisch ist Getreide als Futtermittel nötig.

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