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Vorsorge: Warum eine Pflegevollmacht so wichtig ist

Viele Menschen sind im Alter auf Hilfe angewiesen. Diese kann sehr unterschiedlich aussehen. Die Betreuung durch das Amt sollte dabei das letzte Mittel sein. Viel besser geeignet ist meist die Vorsorgevollmacht.

Weitaus wichtiger als ein Testament ist die Vorsorgevollmacht. Quelle: SAP/dpa
Weitaus wichtiger als ein Testament ist die Vorsorgevollmacht. Quelle: SAP/dpa

DüsseldorfDie alte Frau steht mitten auf dem Zebrastreifen und macht keinerlei Anstalten weiterzugehen. Sie wendet den Kopf hin und her, als sei sie erstaunt über alles, was sie um sich herum sieht. Ein Auto hält an, der Fahrer steigt aus und begleitet die alte Dame, die trotz der winterlichen Kälte nur mit einer dünnen, weißen Bluse bekleidet ist, hinüber auf die andere Straßenseite. Dort redet er auf sie ein, während sein Wagen mit tickender Warnblinkanlage mitten auf der Straße steht. Die alte Dame schaut ihn nur verwirrt an.

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Diese Szene ist typisch. Alte Menschen, die verwirrt sind, vergessen, wo sie sind, wer sie sind, wo sie wohnen. Irgendjemand findet sie und bringt sie ins Krankenhaus. Oder die Polizei muss helfen.

Aber danach erst beginnt die eigentliche Geschichte - jedenfalls für Carl Blomenkamp, der beim Amtsgericht Düsseldorf die Abteilung für Betreuungsrecht leitet. Manchmal, sagt er, stellt man fest: "Mensch, der hat ja niemanden auf der Welt." Und dann beantragt die Klinik oder ein Sozialdienst meist eine amtliche Betreuung - das, was früher mal Vormundschaft hieß, heute aus gutem Grund aber nicht mehr so genannt wird, weil es um Hilfe gehen soll und nicht um eine Entmündigung.

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Die Deutschen erben Jahr für Jahr mehr als 200 Milliarden Euro. Streit unter Hinterbliebenen gehört zum Alltag. Je höher der Nachlass, desto größer das Streitpotenzial. Mit einem Testament lässt sich Streit vermeiden.

Blomenkamp warnt aber. Aus Sicht des Juristen ist "Betreuung absolut nachrangig, wenn alles andere ausgeschöpft ist". Zunächst sollten andere Hilfsangebote, etwa von Caritas und Diakonie, ausgeschöpft werden. Schwierig wird es aber zum Beispiel, wenn alte Menschen keine Unterschriften mehr leisten und damit auch keinerlei Geldgeschäfte, Verträge oder manchmal sogar Steuererklärungen mehr selber regeln können.

Trotzdem sollte eine Betreuung nicht übereilt beantragt werden. Blomenkamp sagt: "Manchmal wird nicht einmal gefragt, ob schon eine Vorsorgevollmacht vorliegt." Eine derartige Vollmacht gibt dem Bevollmächtigten ganz ähnliche Rechte, wie sie ein amtlicher Betreuer hat. Sie wird aber nicht durchs Gericht geregelt, sondern muss einfach schriftlich gegeben werden. Nur wenn damit auch Grundstücksangelegenheiten geregelt werden sollen, muss sie notariell beglaubigt werden.

Blomenkamp betont: "Die Vorsorgevollmacht ist viel wichtiger als ein Testament oder eine Patientenverfügung. Denn sie betrifft mich, solange ich noch lebe." Er mahnt, auch junge Erwachsene sollten solch ein Schriftstück aufsetzen, etwa wenn es um schnelle medizinische Entscheidungen geht. Viele Leute denken, dass zum Beispiel der Ehepartner die Einwilligung zu einer Operation geben kann - aber das ist nicht der Fall.

In den Heimen herrscht zum Teil auch Unwissen. Zum Teil haben die Pfleger Angst, ein einfaches Bettgitter anzubringen, obwohl es zum Schutz des Patienten notwendig ist - dafür kann dann die Genehmigung eines Bevollmächtigten oder Betreuers auch nachträglich eingeholt werden. Manchmal ist es auch schwierig zu entscheiden, ob jemand noch selber Entscheidungen treffen kann - das ändert sich ja auch mitunter während des Heimaufenthalts.

  • 07.06.2013, 00:23 UhrErlenmaier

    Neutraler Berater + Beratungspflicht wären sinnvoll!
    Vollmachten sich grundsätzlich einseitige Rechtsgeschäfte und können vom Vollmachtgeber jederzeit aufgehoben werden z.B. Bank- oder Pflegevollmachten, wenn sich die Verhält -nisse ändern. Solange ein Mensch geistig fit ist, sollte er seine Entscheidungen ohne fremden Einfluss treffen. In der Praxis stellen Familienmitglieder nicht immer die Interessen der Pflegeperson über die eigenen, so dass eine rechtzeitige, qualifizierte Beratung immer wichtiger wird, um den Willen des Vollmachtgebers in der Zukunft sicherstellen zu können, wenn z.B. der Vollmachtnehmer vor dem Vollmachtgeber verstirbt. Was dann ....? Banken und der Gesetzgeber machen grundsätzlich einen guten Job! Verbesserungswürdige Ansätze sehe ich in der inhaltlichen Aufklärung der Bürger. Jeder 30-40-jährige Mensch oder im Falle einer Heirat sollten vom Gesetzgeber die Erstellung einer Patientenverfügung bzw. Pflege- und eine Vorsorge-vollmacht zur Pflicht gemacht werden! Haben Sie aktuelle, wasserdichte Regelungen..., die Sie schützen?


  • 05.07.2012, 20:08 UhrAnneliese13

    Wenn diese Vollmacht unter falschen Voraussetzungen erschwindelt wurde und die anderen Kinder nichts davon wussten , dass sie von Ihrer 95 jährigen aber geistig voll gesunden Mutter unterschrieben wurde, da sie dieser einen Tochter die sie verlangt hat , voll vertraut hatte , anfgechten ?

  • 05.03.2012, 06:52 Uhranonym

    uthi das gut und schön jetzt wieder die Schuld bei der jetzigen Regierung zu suchen. Warum haben es die anderen noch nicht gemacht. Das Problem gibt es ja schon weit länger!!!
    Ansonsten kann ich nur jedem empfehlen, wie es in dem Beitrag auch empfohlen wird, eine Vorsorgevollmacht mit allen notwendigen Individualitäten zu erstellen. Im Freundeskreis habe ich schon erlebt wie wichtig sie ist.

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