Anleihen

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Anlagestrategie : Machen Sie genau das Gegenteil!

Wer gegen den Strom geschwommen ist, hat auch dieses Jahr wieder die höchsten Gewinne gemacht – mit Anleihen. Staatspapiere der Euro-Zone brachten am meisten. Nach dieser Logik sind jetzt Spanien-Anleihen an der Reihe.

Staatsanleihen aus Euroländern werfen derzeit hohe Renditen ab. Die Risiken sollten jedoch bekannt sein. Quelle: dpa
Staatsanleihen aus Euroländern werfen derzeit hohe Renditen ab. Die Risiken sollten jedoch bekannt sein. Quelle: dpa

DüsseldorfEs gibt an den Finanzmärkten diejenigen, die der Herde folgen, das ist die Mehrzahl; und diejenigen, die genau das Gegenteil von dem tun, was alle gerade machen oder empfehlen. Diese wenigen sind die sogenannten Contrarians.

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Auch wenn alle gängigen Anlageklassen dieses Jahr bisher im Durchschnitt positiv abgeschnitten haben, labt sich doch der Contrarian an den steilsten Gewinnen. Er hat zu Jahresanfang gekauft, was niemand haben wollte: Staatsanleihen aus der Euro-Zone. Griechenland mal außen vorgelassen, waren am Jahresanfang portugiesische Papiere mit großem Abstand am schlechtesten beleumundet. Ein Fressen für den Contrarian.

Lissabons Anleihen mit einer Laufzeit zwischen einem und drei Jahren brachten bisher 28 Prozent plus; solche mit einer Laufzeit zwischen fünf und sieben Jahren sogar mehr als 54 Prozent. Zum Vergleich: Vermeintlich sichere Beteiligungen an Portugals Unternehmen liegen, gemessen an Lissabons Aktienindizes, auf Jahresanfangsniveau.

Staatspleiten sind die Regel

  • Argentinien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1816

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

    *Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

    Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

  • Australien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1901

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

  • Brasilien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1822

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

  • Deutschland

    Jahr der Unabhängigkeit: 1618

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

  • Finnland

    Jahr der Unabhängigkeit: 1917

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

  • Frankreich

    Jahr der Unabhängigkeit: 943

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

  • Griechenland

    Jahr der Unabhängigkeit: 1829

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

  • Großbritannien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1066

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

  • Italien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1569

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

  • Kolumbien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1819

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

  • Mexiko

    Jahr der Unabhängigkeit: 1821

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

  • Niederlande

    Jahr der Unabhängigkeit: 1581

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

  • Norwegen

    Jahr der Unabhängigkeit: 1581

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

  • Österreich

    Jahr der Unabhängigkeit: 1282

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

  • Portugal

    Jahr der Unabhängigkeit: 1139

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

  • Russland

    Jahr der Unabhängigkeit: 1457

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

  • Schweden

    Jahr der Unabhängigkeit: 1523

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

  • Spanien

    Jahr der Unabhängigkeit: 1476

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

  • Türkei

    Jahr der Unabhängigkeit: 1453

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

  • USA

    Jahr der Unabhängigkeit: 1783

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

  • Venezuela

    Jahr der Unabhängigkeit: 1830

    Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

    Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Langfristige Gewinne mit Frankreich und Deutschland

Nicht nur mit portugiesischen Anleihen konnten Anleger ordentlich Performance machen: Irische, italienische oder belgische Titel brachten bei langen Laufzeiten 20 bis 30 Prozent Ertrag seit Jahresanfang, kurze Laufzeiten bis zu drei Jahre zwischen fünf und acht Prozent plus.

Selbst deutsche Staatsanleihen brachten über alle Laufzeiten positive Erträge, bei Langläufern im Schnitt mehr als sechs Prozent. Wer in den Nachbarn Frankreich investierte, verbuchte bis dato knapp zwölf Prozent Gewinn bei langen Laufzeiten.

Anleiherenditen Wie Draghi die Schuldenstaaten „saniert“

Australien

Bis Ende Juli flüchteten Anleger in australische Staatsanleihen, denn "Down Under" gilt als sicherer Hafen. Die Rendite sank dementsprechend bis unter die Marke von 2,8 Prozent. Am 26. Juli kam dann die Wende. Die Aussagen von EZB-Chef Draghi, den Euro mit allen Mitteln verteidigen zu wollen, sorgten wieder für ein stärkeres Investment in europäischen Anleihen. Die Nachfrage nach australischen Staatspapieren ging in der Folge zurück. Die Refinanzierung am Kapitalmarkt wurde teurer.

Rendite: 3,217 Prozent

Veränderung (3 Monate): + 16,6 Basispunkte

Rating (S&P): AAA

Quelle: Bloomberg, Stand: 13.09.12

Schmuddelkind war 2012 bisher Spanien: Ein- bis siebenjährige Laufzeiten brachten nur geringe Zuwächse, ab einer Laufzeit von sieben Jahren dreht eine zu Jahresbeginn getätigte Investition ins Minus. Der Contrarian konnte es ahnen: Zu Jahresanfang betrugen die Prämien für Kreditausfallversicherungen für Spanien nur ein Drittel derjenigen Portugals. Selbst das wirtschaftlich deutlich stärkere Italien wurde schwächer eingeschätzt als Madrid.

Daran gemessen, müsste der Contrarian jetzt spanische Papiere kaufen – oder ist das Beste in den letzten Wochen doch schon gelaufen?

Nun, die einfachsten Gewinne sind gemacht, dennoch gibt es noch Chancen – allen warnenden Rufen vor dem Untergang zum Trotz. Gemessen an der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone und dem Potenzial, Steuern zu erhöhen beziehungsweise einfach mal einzutreiben, ist der gemeinsame (!) Schuldenstand von rund 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes noch zu stemmen. Deutlich düsterer sieht es da in den USA und Japan aus.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

  • Deutscher Aktienindex (Dax)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

  • Dow Jones

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

  • EuroStoxx 50

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

  • Nikkei

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

  • Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

  • MSCI Emerging Markets

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

  • Gold

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

  • Silber

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

  • Öl

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

  • Weizen

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

  • Kaffee

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

  • Staatsanleihen (Rexp)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

  • Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

  • Sparbuch

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

  • Tagesgeld

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

  • Festgeld

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Entscheidender Faktor ist Berlin: Da es keine wichtige Partei – weder dunkelrot noch rot, grün oder schwarz – gibt, die Pläne hegt, die Euro-Schuldenunion zu stoppen, sollten Staatsanleihen der Südländer auf Sicht der nächsten zwölf Monate positive Renditen bringen.

Ein paar Euro lässt der Contrarian also in Lissabon, Rom und sogar neu in Madrid.

  • 11.10.2012, 14:24 Uhrfjv2

    Mach genau genau das Gegenteil was von der Mehrzahl der "Expterten" in den Artikel empfohlen wird.

    Und alles ist prima :)

  • 11.10.2012, 10:10 UhrRumpelstilzchenA

    Ach, wäre ich doch ein Staatsschmarotzer, dann könnte ich doch besser leben.

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