_

Anleiheemission: Commerzbank erhält Geld ohne Sicherheiten

Als erstes deutsches Finanzinstitut in diesem Jahr hat die Commerzbank eine unbesicherte Anleihe begeben. Die Bank musste jedoch tief in die Tasche greifen, um sich eine Milliarde Euro für fünfeinhalb Jahre zu leihen.

Ein Goethe-Denkmal im Schatten der Frankfurter Zentrale der Commerzbank. Quelle: Reuters
Ein Goethe-Denkmal im Schatten der Frankfurter Zentrale der Commerzbank. Quelle: Reuters

FrankfurtNoch vor drei Wochen hatte sich Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz skeptisch gezeigt, ob das Geldhaus - dem die europäische Bankenaufsicht EBA unlängst ein Fünf-Milliarden-Kapitalloch attestierte - in diesem Jahr wegen der verschlossenen Märkte unbesicherte Papiere öffentlich begeben könnte. Doch nachdem der Plan geschnürt worden ist, ohne staatliche Finanzspritze die Lücke zu schließen, wagte sich das Institut auf den Anleihenmarkt.

Anzeige

Am Mittwoch spielte die Commerzbank den Eisbrecher auf dem deutschen Markt für unbesicherte Anleihen: Sie begibt als erstes Institut in diesem Jahr ein vorrangiges Zinspapier ohne Sicherheiten. Der Bond mit Laufzeit bis Juli 2017 ist eine Milliarde Euro schwer, wie die Commerzbank am Mittwoch mitteilte. Die jährlich Zinszahlung beträgt 3,625 Prozent.

Der Schritt ist beachtlich, weil der Markt seit Monaten eingefroren ist. Viele Investoren zweifeln an der Widerstandsfähigkeit der europäischen Banken in der Schuldenkrise und sind deshalb beim Kauf von unbesicherten Bankpapieren sehr zurückhaltend. Etliche Institute weichen deshalb zur Refinanzierung auf Pfandbriefe oder andere besicherte Anleihen aus. Allerdings war etwa der britischen Lloyds Banking Group in der vergangenen Woche eine ähnliche Emission geglückt. Sie ist - wie die Commerzbank - teilweise in staatlichem Besitz.

Wie sich die deutschen Banken finanzieren wollen

  • Pläne für die EBA

    Bei sechs Deutschen Banken hatte die Europäische Bankenaufsicht Eba im vergangenen Jahr Lücken bei der Kapitalausstattung festgestellt, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni haben sie Zeit, das Geld zu beschaffen. Vergangenen Freitag mussten sie der Eba ihre Pläne vorlegen. Das Handelsblatt fasst zusammen, wie die Banken die fehlenden Milliarden auftreiben wollen.

  • Commerzbank.

    Rund 5,3 Milliarden Euro fehlen der Commerzbank. Konzernchef Martin Blessing legte im Januar seine Pläne auf den Tisch. Er will sogar eine Milliarde Euro mehr beschaffen - aus eigener Kraft. Keine Staatshilfen, vorerst auch kein Geld von der Allianz. Knapp 60 Prozent des Fehlbetrags hat die Commerzbank schon reingeholt durch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im vierten Quartal 2011. Auf weitere 1,2 Milliarden hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden gesenkt habe, sagte Blessing.

  • Deutsche Bank.

    Die Deutschen Bank braucht 3,2 Milliarden Euro. Bankchef Josef Ackermann will die Lücke mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Risikopositionen schließen. Beobachter gehen davon aus, dass er die Vorgaben übererfüllen wird. Offiziell hält sich die Bank bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 2. Februar bedeckt. Der mögliche Verkauf von großen Teilen des Asset Managements ist in den Berechnungen nicht berücksichtigt, auch nicht die geplante Veräußerung der BHF-Bank.

  • NordLB

    Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat einen Kapitalisierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro. Rund 1,7 Milliarden Euro hat sie bereits beschafft; der größte Teil stammt vom Land Niedersachsen. Am Freitag berichtete die NordLB, dass sie ihr Kernkapital nochmals um bis zu eine Milliarde Euro stärken wird, um die noch offene Lücke von 820 Millionen Euro zu schließen. Die letzte Milliarde soll durch Wandlung Stiller Einlagen, Beteiligungsverkäufe und die Einbehaltung von Gewinnen hereingeholt werden.

  • Helaba.

    Rund 1,5 Milliarden Euro fehlen der Landesbank. Bereits im Dezember 2011 wurde die Lücke geschlossen. Das Land Hessen hatte zu diesem Zwecke seine Stillen Einlagen über 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Die Eba hatte dies bei ihren Stresstests damals aber noch nicht berücksichtigt. Plan erfüllt.

  • WestLB

    Die Düsseldorfer sind ein Sonderfall. Zwar hat die Eba eine Kapitallücke von 224 Millionen festgestellt. Dieser Befund ist inzwischen aber völlig wertlos. Mit Zustimmung ihrer Träger und auf Geheiß von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird die angeschlagene Landesbank bis zum 30. Juni nicht nachkapitalisiert, sondern aufgelöst.

  • DZ Bank

    353 Millionen Euro muss Bankchef Wolfgang Kirsch auftreiben. Er will dies tun, indem er ordentliche Gewinne erwirtschaftet - und diese dann einbehält.

Die Investoren lassen sich ihr Vertrauen erwartungsgemäß ordentlich entlohnen. Die Commerzbank muss für ihre Anleihe einen Risiko-Aufschlag von 2,05 Prozentpunkten zahlen. Das sind 25 bis 30 Basispunkte mehr als das Unternehmen für vergleichbare Anleihen im Altbestand zahlt. Auch andere Institute zahlten derzeit allerdings 25 bis 30 Basispunkte mehr, sagte ein Banker.

Commerzbank-Finanzvorstand Strutz hatte zuletzt mehr auf Privatplatzierungen über das Filialnetz gesetzt. Insgesamt hatte die Commerzbank kürzlich für 2012 noch einen Refinanzierungsbedarf von sechs Milliarden Euro ausgemacht. Davon sollten zwei Milliarden über Pfandbriefe hereingeholt werden. Branchenkenner hoffen, dass sich die Refinanzierungsnot der Banken 2012 auch dank der Europäischen Zentralbank (EZB) lindert. Diese hatte kurz vor Weihnachten mit ihrem Drei-Jahres-Tender erstmals eine ultralange Kreditlinie aufgelegt, bei der die eingetrockneten Institute fast eine halbe Billion Euro abriefen.

Eine zweite Spritze folgt Ende Februar. KfW-Kapitalmarktvorstand Günther Bräunig macht leichte Zeichen der Entspannung auf dem Refinanzierungsmarkt aus, wie er am Mittwoch sagte. Die Stimmung habe sich etwas aufgehellt. „Das war ein ungeheurer Push der EZB.“ Mitte Dezember hatte Bräunig die Situation der Banken noch mit der Zeit unmittelbar nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 verglichen. KfW-Chef Ulrich Schröder warnt aber vor zu viel Optimismus: „Die Bankenkrise ist noch nicht gelöst. Das langfristige Vertrauensthema bleibt.“

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 30 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

  • Video

Börsen-News Börse Frankfurt am Abend

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt. Neue Probleme im hoch verschuldeten Spanien wirkten sich belastend auf das Handelsgeschehen aus.

  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Bausparrechner

    Der Bausparberater hilft den passenden Bausparvertrag zu finden.

  • Finanzierungsplanung

    Der Kassensturz zeigt, wie viel Kredit sich Immobilienkäufer leisten können.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Notar- und Grundbuchrechner

    Die Nebenkosten machen beim Immobilienkauf einige tausend Euro aus. Wie viel Sie zahlen müssen.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Zinsentscheidung

    Immobilienbesitzer können ausrechnen, ob sie Kredite kurz- oder langfristig festschreiben sollten.

  • Angebotsvergleich

    Niedrige Zinsen sind nicht alles. Vergleichen Sie die Baugeld-Offerten von mehreren Banken.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Renten-Rechner

    Welches Vermögen und welche Sparraten Sie aufbringen müssen, um eine Rentenlücke zu decken.

  • Ratgeber Versicherungen

    Rundum geschützt: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich optimal gegen Risiken absichern

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Immobilien-Wertfinder

    Finden Sie Miete- und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße mit einem interaktivem Tool.

  • Ratgeber Altersvorsorge

    Clever sparen für den Ruhestand: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine solide Altersvorsorge planen.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Auto-Versicherungsvergleich

    Mit dem Auto-Versicherungsvergleich können günstige Versicherungen suchen aund damit ihre Kosten reduzieren.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen