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Anleiheemission: Italien zahlt fast acht Prozent Zinsen

Italien sammelt erfolgreich neue Milliarden ein - doch die Anleiheauktion hat einen bitteren Beigeschmack: Nur mit Rekordzinsen von beinahe acht Prozent ließen sich die Anleger verführen.

Der Schuldenstaat Italien muss heute Rekordzinsen für neue Anleihen bezahlen. Quelle: dpa
Der Schuldenstaat Italien muss heute Rekordzinsen für neue Anleihen bezahlen. Quelle: dpa

Düsseldorf, MailandTrotz drohender Rezession hat das hoch verschuldete Italien Milliarden am Kapitalmarkt eingesammelt, zahlt dafür aber Zinsen in Rekordhöhe. Drei Versteigerungen von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei, neun und zehn Jahren spülten am Dienstag nach Angaben des Finanzministeriums insgesamt 7,5 Milliarden Euro in die Kassen. Die Summe liegt damit am oberen Ende des angepeilten Volumens von fünf bis acht Milliarden Euro. Die Nachfrage der Investoren überstieg das Angebot um das Eineinhalbfache.

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„Die Auktion hat gezeigt, dass Italien sich weiter am Markt refinanzieren kann - wenn auch zu hohen Kosten“, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Die hohen Renditen hätten aber auch rege Nachfrage nach sich gezogen. „Die italienischen Bonds werden nicht komplett gemieden, das wird positiv gesehen.“ Auch der Dax und der Euro reagierten mit Kursgewinnen auf die Versteigerung. Die italienischen Renditen grenzten am Sekundärmarkt ihren Aufwärtstrend wieder ein. Die zehnjährigen italienischen Anleihen rentierten 7,3 Prozent - am Morgen hatten sie noch ein Tageshoch von 7,454 Prozent erreicht.

Fragen und Antworten zu italienischen Anleihen

  • Warum sind die Anleihe-Renditen so entscheidend?

    Um ihren Finanzierungsbedarf zu decken, nehmen Staaten durch Anleihen Geld an den Finanzmärkten auf. Die Renditen dieser Papiere entsprechen der effektiven Verzinsung. Je riskanter Investoren ein Engagement einschätzen, desto mehr Zinsen muss ein Land bieten.

  • Weshalb sehen Investoren Italien so kritisch?

    Mit einem ausstehenden Volumen von rund 1,8 Billionen Euro ist der italienische Markt für Staatsanleihen einer der größten der Welt. Italien trägt gemessen an der Wirtschaftsleistung die zweitgrößte Staatsschuldenlast aller Euro-Länder und steht unter hohem Spardruck. Anders als Griechenland verfügt Italien allerdings über eine hohe Wirtschaftskraft. Die Finanzmärkte trauen der aktuellen politischen Führung jedoch nicht zu, die zur Haushaltskonsolidierung nötigen Reformen durchzusetzen.

  • Was passiert, wenn die Lage am italienischen Anleihemarkt sich weiter zuspitzt?

    In Italien werden bis Ende 2012 Anleihen unterschiedlichster Laufzeiten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Milliarden Euro fällig. Da die Anleihen mit festen Laufzeiten ausgegeben werden, muss das Land in regelmäßigen Abständen neue Papiere am Markt platzieren, um seine Schulden zu finanzieren. Sollten die Renditen auf den zuletzt erreichten Höchstständen verharren, könnte es für Italien unmöglich werden, neue Schulden aufzunehmen, um alte zu begleichen. Italien wäre dann wie Griechenland, Portugal und Irland vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und müsste unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, um sich aus Hilfsgeldern zu refinanzieren.

  • Würde Italien unter den Euro-Rettungsschirm passen?

    An diesem Punkt würde die Situation richtig kritisch. Experten stimmen überein, dass der Krisenfonds EFSF nicht ausreichen würde, um die Konsequenzen eines Ernstfalls in Italien zu bewältigen. Die zuletzt beschlossenen Modelle zur Hebelung des EFSF-Kreditvolumens sind noch nicht im Detail ausgestaltet und einsatzbereit. Sollte sich die Situation in Italien extrem zuspitzen, wäre außerdem davon auszugehen, dass auch der spanische Anleihemarkt kollabieren würde. Die Eurozone dürfte bei diesem Szenario endgültig auf die Zerreißprobe gestellt werden.

  • Wie kann eine Eskalation verhindert werden?

    Um dauerhaft zu gewährleisten, dass Italien seine Schulden an den Märkten platzieren kann, müssten zwei Bedingungen erfüllt werden: Potenziellen Investoren muss die Furcht vor einem Zahlungsausfall genommen werden. Zweitens müsste das Rendite-Niveau auf einem für Italien tragbaren Niveau gehalten werden. Kurzfristig kann dies nach Einschätzung von Experten letztlich nur die Europäische Zentralbank (EZB) sicherstellen. Mittel- bis -langfristig kann jedoch nur Italien selbst durch entsprechende Reformen und Haushaltsdisziplin die Lage entschärfen.

  • Welche Rolle spielt die EZB?

    Die EZB versucht bereits seit August, die Renditen für italienische Anleihen durch Ankäufe zu drücken. Die Zentralbank agiert jedoch nur auf dem Zweitmarkt. Sie beeinflusst so lediglich das Kursniveau von Papieren, die bereits in Umlauf sind. Direkte Anleihekäufe von Staaten sind für die EZB ein Tabu, anders als für ihre Pendants in den USA oder Großbritannien. Die EZB lehnt es strikt ab, als Kreditgeber der letzten Instanz Käuferstreiks am Erstmarkt zu verhindern.

  • Was muss nun geschehen?

    Fest steht: Muss Italien länger wesentlich höhere Renditen als bisher üblich zahlen, wird die Haushaltslage stark belastet und der ohnehin hohe Schuldenstand letztlich weiter nach oben getrieben.

    Solange der EFSF nicht ausreichend einsatzfähig ist und die EZB von ihren geldpolitischen Grundsätzen nicht abweicht, liegt es allein an der italienischen Politik, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen. Das ist jedoch ein ungewisses Unterfangen und dürfte einiges an Überzeugungsarbeit erfordern.

Für die dreijährigen Papiere mussten die Investoren mit einer Rendite von 7,89 Prozent gelockt werden. Seit Einführung des Euro lag der Zinssatz noch nie so hoch. Im Oktober waren es lediglich 4,93 Prozent. Auch bei der zehnjährigen Anleihe wurde mit 7,56 Prozent ein Rekordhoch erreicht, nachdem es im Vormonat noch 6,06 Prozent waren.

Doch nicht allein die Höhe der Renditen zeigt, wie kritisch die Anleger gerade auf Italien schauen. Es herrscht derzeit der besondere Zustand, dass für kurzfristige Anleihen höhere Risikoaufschläge gelten als für langfristige Papiere. Im Klartext heißt das: Die Anleger rechnen in nächster Zukunft damit, dass Italien Zahlungsprobleme bekommt.

Auch Japans größter Broker, Nomura Holdings, rechnet offensichtlich mit weiteren Problemen für die italienischen Staatspapiere. Nomura hat sein Engagement in italienischen Anleihen von 2,82 Milliarden Dollar Ende September auf 467 Millionen am 24. November drastisch verringert. Das entspricht einer Reduzierung von 83 Prozent.

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Beim Verkauf italienischer inflationsindexierter Titel am Montag hatte die Rendite mit 7,3 Prozent mehr als drei Mal so hoch gelegen wie bei der vorangegangenen Emission solcher Titel im März 2010. Analysten zufolge sind Renditen auf einem solch hohen Niveau langfristig nicht tragbar. "Die derzeitigen italienischen Renditen sprechen für sich", sagt Marc Ostwald, Fixed-Income-Stratege bei Monument Securities in London, der Agentur Bloomberg. "Ein tragbares Renditeniveau wäre etwa 200 Basispunkte unter dem aktuellen Stand. Die Skepsis am Markt ist also mehr als gerechtfertigt."

  • 29.11.2011, 23:14 UhrAnonymer Benutzer: Machtuebernahme

    Seltsam...Italien, das angesichts der Höhe seiner Staatsschulden auf ein Rettungspaket angewiesen sein könnte, kann problemlos seine Anleihen platzieren, Deutschland aber, dass kein Rettungspaket benönötigt konnte seine Anleihen vor einigen Tagen nicht voll platzieren. Diese gescheiterte deutsche Anleiheauktion war meiner Ansicht manipuliert. Das war eine Warnung an die Deutsche Regierung ! Deutschland darf sich nicht länger einem gesamteuropäischen Rettungsplan widersetzt.

    Das heisst im Klartext;

    Das neue Europa wird von europäischen Banken und Goldman Sachs regiert. Die Europäische Union ist zu einem Instrument geworden, den Reichtum einiger weniger, auf dem Rücken der europäischen Bürger (die noch nicht bemerkt haben, das sie Sklaven des 21. Jahrhunderts sind - Lohnverzicht, massive kürzungen der Sozialleistungen, erhöhung des Renteneinstiegsalter, usw.) zu sichern.

  • 29.11.2011, 18:15 UhrAS1

    @Glueckspilz

    Also ich verlasse mich da auf die Politik, die entschlossen kurzfristig und tapsig den Ratschlägen der großen Finanzunternehmen folgen wird und bis zum letzten Atemzug Geld ins marode System pumpen wird. Schließlich hofft ja jeder Politiker nach seiner politischen Karriere, auf eine Geldsegen-Karriere bei den Instituten und Firmen, die man zuvor bestens bedient hat.
    Im Prinzip heißt das, dass man sehenden Auges auf die Katastrphe zusteuert, vor man eigentlich Angst hat, aber nur die Schritte unternimmt, die einem später ein trockenes Plätzchen sichert. Währenddessen der blöde Bürger auch jedes noch so dämliche Finanzabenteuer der Politik bezahlen muss.

  • 29.11.2011, 16:25 UhrAnonymer Benutzer: gdopamin

    Yeaph, so wir des kommen.
    Und ein gegensteuern ist ausgeschlossen. Da müsste Politiker ja Fehler eingestehen.
    Das dass nicht – nein nie passieren wird, ist mir so richtig klar geworden, als ich jetzt diesen Gutenberg gesehen habe. Ein Zögling des Systems, der im Angesicht das offensichtlichen und erwiesnen Betruges immer noch leugnet und lügt.

    Also hoffen Sie nicht auf Einsicht oder Umkehr. Schnallen wir uns lieber an.

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