Anleihen

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Anleihen: Italien bekommt die Quittung

Italien wagt sich erstmals nach der Wahl an den Kapitalmarkt - und muss höhere Zinsen zahlen. Nouriel Roubini fürchtet einen Teufelskreis. Jetzt soll Draghi wieder den Retter in der Not spielen.

Bei der ersten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe nach der Parlamentswahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent. Quelle: Getty Images
Bei der ersten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe nach der Parlamentswahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent. Quelle: Getty Images

Italien wählt das Chaos. Und die Quittung kommt prompt. Bei Anleiheauktionen am Mittwoch muss das Land höhere Zinsen zahlen. Bereits in den vergangenen beiden Tagen waren die Renditen für italienische Staatsanleihen gestiegen.

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Am späten Vormittag hat sich Italien mit Anleihen über eine Laufzeit von fünf und zehn Jahren an dem Markt gewagt. Volumen: insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro. Es waren die ersten Auktionen lang laufender Staatsanleihen seit den Parlamentswahlen. Dabei kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent - auf den höchsten Wert seit Oktober 2012. Ende Januar konnte Italien die Titel noch zu 4,17 Prozent loswerden. Bei den fünfjährigen Anleihen stiegen die Zinsen von 2,94 auf 3,59 Prozent.

Nach Einschätzung von Händlern dürften vor allem die italienischen Banken gekauft haben. „Die Nachfrage war ganz ordentlich”, sagte Analyst Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. „Allerdings verlangen die Investoren auch eine deutlich höhere Risikoprämie.”

Internationale Pressestimmen zur Wahl in Italien

Die Wahl in Italien hat genau das gebracht, was die Investoren am meisten gefürchtet hatten: totale Blockade. Der Reformer Mario Monti wurde abgestraft, erhielt nur zehn Prozent der Stimmen. Das Mitte-links-Bündnis von Pier Luigi Bersani konnte sich ebenfalls nicht durchsetzen. Künftig kann im Senat kein Gesetz beschlossen werden, ohne dass Ex-Premier Silvio Berlusconi oder der Komiker Beppe Grillo zustimmen. Die beiden Populisten haben 55 Prozent der Stimmen erhalten - mit einem Wahlkampf gegen Montis Reformpolitik. Das Wahlergebnis ist jedoch nicht nur ein Misstrauensvotum gegen Monti, sondern genauso gegen die Pläne der Euro-Retter in Brüssel, Berlin und Paris.

Staatsanleihen als Risiko Löst Italien das Krisen-Domino aus?

Der Wahlausgang in Italien kann schwerwiegende Folgen für Banken haben.

Entsprechend wächst die Sorge unter den Investoren. „Eine Minderheitsregierung oder eine instabile Regierung bis zu Neuwahlen in ein paar Monaten bedeutet, dass die Investoren italienische Anleihe wahrscheinlich leer verkaufen, die Risikoprämien weiter steigen und der Schutzschild, der vorhanden sein sollte, nicht da ist“, sagte Nouriel Roubini, Professor an der New York University, in einem Interview. „Das könnte zu einem Teufelskreis führen.“

Die Strategen von Barclays um Huw Worthington schrieben in einer Studie, das Wahlergebnis entspreche ihrem schlimmsten Szenario. Sie halten einen Anstieg der zehnjährigen Rendite auf fünf Prozent für möglich.

170 Kommentare

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  • 04.03.2013, 22:37 UhrBlinse

    @Rechner

    "Kein Mensch in den Südländern hat irgendetwas gegen die "Nazis aus DE". "

    Da irrst du dich, glaub ich.



    "Hier ist mit "Sparen" aber eigentlich weniger Schuldenmachen durch tendenziell überschuldete Wirtschaftssubjekte gemeint."

    Weiß ich, ist doch in meinem Text weiter unten drin: "Rechner möchte den Club-Med, wenn auch nicht im Sparen ersticken, so doch wohl mindestens wieder auf ein normales Maß des Geldausgebens zurückführen."



    Weiter Rechner: "Wir können doch wohl "notfalls" mit genau dem Geld, daß wir jetzt nicht mehr den Griechen leihen, unsere eigenen BMWs kaufen."

    Gut, Binnenkonjunktur anregen. Lange vernachlässigt. Ich bin dabei. In diesem Zusammenhang: Sag meinem Chef (stellvertretend für alle anderen Arbeitgeber), er soll mir (und allen anderen Arbeitnehmern) einfach mehr Gehalt zahlen, einfach ein anständiges Gehalt! Das ist in DE zunehmend ein Problem. Die Verteilung stimmt nicht mehr. Nein, bin kein Kommunist und will auch keine Gleichmacherei, aber die Verhältnismäßigkeit ist m.-E.nicht mehr gegeben. Ist aber ne andere Baustelle, sorry.



    "Anstatt das Geld den Griechen zu leihen, die sie dann damit gekauft haben."

    Jau, her mit der Kohle!



    "Ich verstehe nicht, was daran so schwierig oder gar unmöglich sein sollte."---> Stichwort "Chef", siehe oben.


    Mein Fragen 2.) bis 4.) brauchste doch nicht zu beantworten, sind doch rhetorische Fragen. Wenns aus meinen Beiträgen nicht deutlich wurde, dann sag ichs hiermit halt nochmal: Ja, deine Antworten spiegeln auch meine Auffassung wider.
    Du bist eben nur etwas positiver gestimmt, was das "Restrisiko Politik" im Club Med angeht. Ich glaub da an gar nicht Gutes mehr. Wir werden sehen. Behalten wir die Statistik im Auge (also eher du natürlich : ) ) und ebenso den T2 Saldo und hoffen das Beste.


    Falls hier noch mal jemand weiter antwortet bzw. seinen Senf dazugeben möchte: Wie wärs mit "Kommentar abgeben statt "Antworten." "Antworten" wird langsam sehr unübersichtlich.

  • 04.03.2013, 21:53 UhrBlinse

    @popper

    Dieses "Klauen" ist kein guter Stil, mein Lieber. Rechner hätte auch nur ein Beispiel bringen müssen, in seiner etwas übertriebenen Gründlichkeit hat er alles aufgeführt. Zu viel, aber hilfreich. Wenn du von Flassbeck abschreibst, mußt du daß der Fairness halber mindestens mal erwähnen.

    "Und damit ist für mich die Diskussion beendet." --->
    Und das ist auch gut so!

  • 04.03.2013, 20:27 UhrRechner

    'Blinse' sagt
    -----------------
    Wer kann sich das bei den Spannungen innerhalb der EU, bei den Vorbehalten, die die Nordländer gegen die Südländer und die Südländer gegen die "Nazis aus DE" haben, überhaupt ansatzweise vorstellen?
    -----------------

    Kein Mensch in den Südländern hat irgendetwas gegen die "Nazis aus DE".

    Das Böse-Nazis-Theater wird doch nur solange aufgeführt wie es in Deutschland noch Idioten gibt die jedesmal das Scheckbuch zücken sobald irgend ein Ausländer ein Wort daß mit "N" beginnt in den Mund nimmt.

    +++

    'Blinse' sagt
    -----------------
    Ich nicht! Deshalb: Raus mit DE aus der Währungsgemeinschaft.
    -----------------

    Halte ich für verfehlt.

    Der Euro als Währung funktioniert doch vorzüglich.

    Geldwertstabilität (2% jährliche Geldentwertungsrate europaweit seit Einführung - besser als DM), Stabilität des Außenwerts (1,30 US-$).

    Die unabhängige Zentralbank erlaubt es niemandem - auch nicht deutschen Politikern (!) - mit der gemeinsamen Währung Schindluder zu treiben.

    Der Euro ist der Goldstandard ohne Gold.

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