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Anleihen: Wie der Griechenland-Krimi Anleger trifft

Pleite oder Schuldenschnitt? In Griechenland gehen die Verhandlungen über das neue harte Sparpaket in die Endphase. Nicht nur Politiker schauen gebannt nach Athen, auch für Anleger steht einiges auf dem Spiel.

Die Flaggen Griechenlands und der EU: Die Verhandlungen über den Schuldenschnitt gehen in die entscheidende Phase. Quelle: dpa
Die Flaggen Griechenlands und der EU: Die Verhandlungen über den Schuldenschnitt gehen in die entscheidende Phase. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Börsianer sind optimistisch, dass sich die Pleite Griechenlands noch abwehren lässt. Sie erwarten einen Durchbruch bei den Verhandlungen und spekulieren auf einen Schuldenschnitt. Dax, Euro Stoxx 50 und die Börsen in vielen anderen Euro-Ländern legten daher im Vorfeld der Entscheidung teilweise kräftig zu.

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Schon heute könnte sich zeigen, ob sie mit ihrer Einschätzung richtig lagen: Im Tagesverlauf trifft sich Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos mit den Chefs der drei griechischen Koalitionsparteien, um über die von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderte Verschärfung des Spar- und Reform-Kurses zu beraten.

Stimmt die Übergangsregierung den Forderungen nicht zu, könnte die Troika aus EU, IWF und EZB den Geldhahn zudrehen - Griechenland wäre dann pleite. Das dürfte die Börsen in neue Turbulenzen stürzen. Nicht nur Aktien, auch Staatsanleihen würden ein weiteres Mal unter Druck geraten. „Es ist faszinierend und erschreckend zugleich, welch großen Einfluss die Finanzprobleme Griechenlands auf die Kapitalmärkte haben“, urteilt Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler.

Nach dem aktuellen Stand wird Griechenland seinen privaten Gläubigern einen Schuldenschnitt von bis zu 70 Prozent anbieten. Wie die Banken damit fertig werden sollen, ist ein viel diskutiertes Thema, doch auch die Kleinanleger kann das treffen. Griechenland plant, sein Tauschangebot allen privaten Investoren vorzulegen – dazu zählen Banken, Versicherer und Pensionsfonds, aber auch die Kleinanleger.

Die Anleger können auch im Falle eines Schuldenschnitts selbst entscheiden, was aus ihren Papieren wird – es ist kein Umtauschzwang, sondern ein Angebot. Der Verband Deutsche Kreditwirtschaft betonte zuletzt in einem Statement: „Der Umtausch für die privaten Investoren ist freiwillig.“

Griechenland

Doch wer den Schuldenschnitt ablehnt, wettet darauf, dass Griechenland seine Haushaltsprobleme in den Griff bekommt und in Zukunft wieder zahlungsfähig wird. „Zu diesem Zeitpunkt kann ihnen niemand eine verbindliche Auskunft darüber geben, was im Fall einer Nichtannahme geschieht“, warnt die Deutsche Kreditwirtschaft. Schlimmstenfalls verlieren die Anleger ihr Geld komplett.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

  • Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

    Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

    Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

  • Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

    Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

    Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

  • Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

    „Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

    Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

  • Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

    Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

    IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

  • Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

    Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

    Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

    Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Es gibt allerdings auch Stimmen, die Anleger davor warnen, mit dem Schuldenschnitt die Hälfte ihres Geldes abzuschreiben. „Das Beispiel Argentinien-Bonds hat gezeigt, dass es sich durchaus gelohnt hat, wenn sich Anleger zusammenschließen und einen Schuldenschnitt nicht akzeptieren“, sagt Max Schott, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Sand und Schott in Stuttgart. In Argentinien hatte 2005 ein Viertel der Gläubiger eine Umschuldung abgelehnt. Für Kleinanleger verlief das glimpflich: Wer weniger als 50.000 Dollar in Anleihen hielt, bekam am Ende neue Schuldscheine mit einem niedrigeren Zinssatz, aber ohne einen Teil der Anleihesumme zu verlieren.

  • 08.02.2012, 17:07 UhrAnonymer Benutzer: Delinix1

    Gerade ist mir klar geworden, warum unsere Medien auf einmal uni sono von der möglichen Pleite schreiben – obwohl sie doch kurz davor noch Optimismus verbreiteten.
    Es geht offenbar darum, möglichst vielen Gläubigern von Staatsanleihen so sehr Angst einzujagen, dass sie auf jeden Fall einem Schuldenschnitt zustimmen.
    Wem kann man hier noch glauben?
    Für mich ist es klar. Die Drachme ist unausweichlich.

  • 08.02.2012, 13:17 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Irgendwie ist der Artikel nicht vollständig. Wenn ein Anleger sich dem Angebot eines freiwilligen Kapitalschnitts verweigern würde, müßte Griechenland zumindest die Zinszahlung leisten bzw. die März und die Mai 2012-Anleihe zurückzahlen. Kann oder will Griechenland dies nicht, tritt der "Default" ein, mit dem Recht von CDS-Papierinhabern eine entsprechende Ausgleichszahlung von den Stillhaltern (Banken) zu verlangen. Wie diese Hürde gemeistert werden soll, ist völlig unklar. Alles spricht für eine ungeordnete Insolvenz, indem sich Griechenland für zahlungsunfähig erklärt.

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