
LONDON. Nach Jahren des Booms droht dem Markt für Finanzierungen nach islamischem Recht ein schwerer Rückschlag. Durch die Krise des Emirats Dubai steht zum ersten Mal eine große Anleihe aus dem Spektrum des Islamic Financing vor dem Ausfall. Das aktuelle Beben sei die erste echte Bewährungsprobe für den noch recht jungen Markt, meint Philipp Wackerbeck, Experte für Islamic Banking bei der Unternehmensberatung Booz & Company.
Im Gegensatz zu westlichen Banken dürfen islamische Institute keine Zinsen bezahlen oder fordern. Deshalb entwickelten Geldhäuser im Nahen Osten, in Malaysia und in London in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Finanzinstrumenten, die den Vorschriften der islamischen Scharia entsprechen.
Bislang hat sich das Konzept des Islamic Financing in der Finanzkrise als vergleichsweise robust erwiesen. Seit 1999 verachtfachte sich das Volumen von schariakonformen Finanzierungen auf 870 Mrd. US-Dollar.
Böses Erwachen droht
Jetzt könnte eine der größten islamischen Anleihen in den Sog der Schuldenkrise von Dubai geraten. Der Baukonzern Nakheel müsste eigentlich am 14. Dezember einen sogenannten "Sukuk" (islamische Anleihe) in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar zurückzahlen. Nach Ansicht von Experten ein schwieriges Unterfangen, nachdem die Herrscherfamilie von Dubai klar gemacht hat, dass das Emirat nicht für die Schulden der Nakheel-Muttergesellschaft Dubai World geradestehen wird. Derzeit verhandelt Dubai World mit den Gläubigern über einen Zahlungsaufschub.
Selbst wenn dies gelingen sollte und sich ein Totalausfall der Anleihe abwenden ließe, droht vielen Investoren in der Region ein böses Erwachen. Zahlreiche der islamischen Bonds sind mit Immobilien aus Dubai abgesichert. Bis vor wenigen Jahren war das kein Problem, die Immobilenbranche des Emirats verzeichnete jährliche Wachstumsraten von bis zu 40 Prozent. Doch durch das Platzen der weltweiten Immobilienblase droht nun einigen der Sukuk-Anleihen der Ausfall. Experten gehen davon aus, dass etwa fünf bis acht Prozent des 150 Mrd. US-Dollar schweren Sukuk-Marktes akut bedroht sind. Nach Einschätzung von Thomas Prün, Anwalt bei der Wirtschaftskanzlei Linklaters, werden vor allem Banken aus der Golfregion unter den Folgen leiden. Davon könnten wiederum westliche Institute profitieren, die noch nicht in der muslimischen Welt vertreten sind. GE Capital nutze bereits die Gunst der Stunde und platzierte als erstes westliches Unternehmen vor wenigen Tagen einen Sukuk in Höhe von 500 Mio. Dollar.




