
Frankfurt/DüsseldorfDer Anleihemarkt spielt verrückt. Bei griechischen Bonds ist der Markt fast vollkommen zusammengebrochen. Die Kurse befinden sich im freien Fall, die Renditen erreichen absurde Höhen. Auch bei Anleihen anderer Schuldenstaaten funktioniert der Handel längst nicht mehr reibungslos.
Während die Politik noch an eine Rettung glaubt, haben die meisten Investoren Griechenland offenbar schon abgeschrieben. „Es geht nur noch darum, den Restwert zu handeln. Die Frage ist nur, wie groß der Abschlag am Ende sein wird“, sagt David Schnautz, Zinsexperte der Commerzbank.
Nur noch wenige Anleger trauen sich an die hellenischen Bonds ran. „Bei sehr kurzen Laufzeiten wird noch ein wenig spekuliert. Als Käufer treten vermutlich nur noch hochspekulative Anleger wie zum Beispiel Hedgefonds auf“, erklärt Schnautz.
Die heißeste Wette lautet: Schaffen es die Griechen noch bis zum März? Wer darauf setzt, kauft Griechen-Anleihen mit Fälligkeit am 20. März 2012. Das Papier notiert aktuell mit einem Abschlag von fast 50 Prozent auf den Nennwert. Die Rendite liegt bei unglaublichen 175 Prozent, auch Renditen über 200 Prozent sind in den vergangenen Tagen schon vorgekommen. Sollte die Anleihe zum vollen Wert ausbezahlt werden, hätten die Zocker ein gutes Geschäft gemacht.
Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.
Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.
Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.
„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.
Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.
Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.
IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.
Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.
Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.
Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.
Allerdings gehen am Markt nicht mehr viele davon aus, dass die Wette gut geht. Wer die Papiere verkaufen will, kommt kaum noch raus. Gehandelt wird meist nur auf Orderbasis und in kleinen Stückzahlen - der Verkäufer muss darauf warten, dass er zufällig einen Abnehmer findet.
Bei Bonds längerer Laufzeit sind die Abschläge noch größer. Der Kurs für zweijährige Griechen-Anleihen fiel auf 41,26 Prozent, der für zehnjährige bei 40,33 Prozent. Hier ist ein beträchtlicher Schuldenschnitt schon eingepreist.
Es ist „unvermeidbar, dass Griechenland sowohl zahlungsunfähig sein als auch aus der Eurozone austreten wird“, sagte Gerard Lyons, Chefvolkswirt von Standard Chartered, in einem Interview mit dem britischen TV-Sender Sky News. Die Wirtschaft des Landes könne „nicht mit der Rezession fertig werden, die als Folge der notwendigen Maßnahmen“ eingesetzt habe. Dies würde "nicht notwendigerweise" in den nächsten ein bis zwei Monaten eintreten, „aber es ist meiner Meinung nach recht wahrscheinlich, dass es zu gegebener Zeit passiert".
Es ist traurig, daß zur Lösung großer Probleme immer so viele Dummheiten gemacht werden !!!!
Dass Griechenland de facto pleite ist, war schon bei der 1. Rettungsaktion klar, aber man wollte den europäischen Banken Zeit kaufen, sprich, die Misere einer Staatspleite minimieren. Ich wette, daß man mit der Staatspleite offi-ziell warten wird, bis Trichet den Stab an Draghi über-geben hat und bis auch das letzte Euroland den erweiterten Rettungsschirm verabschiedet hat. Natürlich wird die Stützung des Finanzsektors etwas kosten, aber das ist eine einmalige Aktion und kein Dauerzustand und m.E. billiger als es eine permanente Stützung Griechenlands gewesen wäre. Übrigens kommt "Bürger" von "bürgen"....
Zitat:
Nur noch wenige Anleger trauen sich an die hellenischen Bonds ran. „Bei sehr kurzen Laufzeiten wird noch ein wenig spekuliert. Als Käufer treten vermutlich nur noch hochspekulative Anleger wie zum Beispiel Hedgefonds auf“, erklärt Schnautz.
Zitat Ende:
Das stimmt nicht ganz!
Die EBB (ex. EZB) kauft alle Schrottpapiere auf!
Und der "erweiterte EFSF" wurde extra dafür "erfunden".
Also alles Null Problemo!





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