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Finanzagentur: Die Herren der Schulden

Mehr als eine Billion Euro Schulden hat der Bund bei privaten und institutionellen Gläubigern aufgetürmt. Das Management der Verbindlichkeiten ist aufwendig. Seit zehn Jahren erledigt die Finanzagentur des Bundes in Frankfurt diese Aufgabe.

HB FRANKFURT. Solche Summen beeindrucken. 1 079 242 000 000 Euro sind eine Menge Geld, die sich die wenigsten Menschen vorstellen können. Die große Zahl beziffert die Schulden der Bundesrepublik Deutschland am 31. Juli 2010 und sie lässt Männer wie Carsten Lehr und Carl Heinz Daube ruhig schlafen. Die beiden sind Geschäftsführer der "Bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH" in Frankfurt und damit Herren der Schulden. Seit zehn Jahren jongliert die Agentur mit Anleihen, Bundesschatzbriefen und-obligationen, um dem Staat jederzeit die benötigten Milliarden zum Beispiel zur Bankenrettung zu verschaffen.

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Die heute vom Bundestag kontrollierte Institution im vollen Bundesbesitz kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Schon zum Jahr 1820 war das Königreich Preußen auf die Idee gekommen, für die Schuldenverwaltung eine "ganz abgesonderte Behörde" zu gründen. Über die Reichsschuldenverwaltung (1900) und die Bundesschuldenverwaltung (1949) bekam die Institution am 19. September 2000 ihre heutige Rechtsform und den freundlicheren Namen Finanzagentur. Sie residiert in einem unscheinbaren Zweckbau in der Frankfurter Büro-Vorstadt Heddernheim. Dort wird an diesem Dienstag (28.9.) das Jubiläum gefeiert.

Der Bestseller Bundesschatzbrief ist erst seit gut 40 Jahren im Angebot, vorher gab es gar kein Privatkundengeschäft. Die Anlagemöglichkeiten für die Bürger machen zwar kaum ein Prozent der Gesamtschulden des Bundes aus, prägen aber gleichwohl die Wahrnehmung. Neben den Schatzbrieftypen A (jährliche Zinsausschüttung) und B (Zinsen erst am Ende der Laufzeit) gibt es für Privatleute noch Finanzierungsschätze, Bundesobligationen und seit 2008 auch eine Tagesanleihe.

Die Tagesanleihe war das erste neue Bundeswertpapier für Privatanleger seit fast 30 Jahren. In großem Stil wollte der Bund auf dem lukrativen Tagesgeldmarkt Privatkunden locken und so Banken und Sparkassen Konkurrenz machen. "Ordnungspolitisch äußerst bedenklich" nannten Kritiker wie die CDU-Politiker Steffen Kampeter und Otto Bernhardt diesen Schachzug und bezweifelten, dass das Privatkundengeschäft einen wirklich zählbaren Beitrag zur Finanzierung der Bundesschuld beitragen kann.

Tatsächlich blieb die Resonanz bescheiden. Dennoch: "Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie Bundeswertpapiere halten", sagt Agentursprecher Boris Knapp. Wer beispielsweise eine Riester- Police besitze, die an einen europäischen Rentenfonds gebunden ist, sei damit auch automatisch Gläubiger der Bundesrepublik. Die institutionellen Anleger geben ihre Bundesanleihen über die diversen Finanzprodukte sofort an den Markt weiter.

  • 27.09.2010, 14:50 UhrAnonymer Benutzer: Daniel

    @A.Prenden: Nein, ich meine in der Tat den physisch existenten Goldbarren im eigenen Tresor. Meine Aussage stützt sich auf folgende Annahme: Wenn die im bericht genannte GmbH ihren Zahlungspflichten nicht mehr nachkommen sollte, ist das faktisch gleichbedeutend damit, dass die bundesrepublik Deutschland ihren Zahlungspflichten nicht mehr nachkommt. Das wiederum wäre quasi DER volkswirtschaftliche Super-Gau, dessen Auswirkung ich zumindest nicht abschätzen kann. in jedem Fall hätte der Euro nichtmal mehr seinen Materialwert, sämtliche bankguthaben, Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, ... wären wertlos. Die banken würden ohnehin zusammenbrechen, weil trotzdem alle ihr (wertloses) Guthaben abholen. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und damit auf Fremdwährungsanlagen kann ich wie gesagt nicht beurteilen. Auf jeden Fall hätten aber erstmal nur noch Realwerte wie das Dach über dem Kopf oder die Kartoffeln im Keller (und eben prinzipiell auch sowas wie Gold) einen Wert. Das Gold natürlich nur, sofern man es selbst in Händen hält. Das Plünderungsrisiko sowohl bei Kartoffeln wie auch beim Gold lasse ich mal außen vor.

    Fazit: Faktisch hätte es eigentlich kaum eine bedeutung, ob für die GmbH im Konkursfall eine Garantie des bundes vorliegt oder nicht :-)

  • 27.09.2010, 14:19 UhrAnonymer Benutzer: A. Prenden

    Zu [2] Daniel: Was meinst du mit Gold? Das was (eher unwahrscheinlich, da keine Angaben von niemandem) in Frankfurt oder angeblich in New York liegen sollte? Es gibt wie immer an den Finanzmärkten nur das "Vetrauen" in die Erfüllung der Schulden ohne nachaltige Sicherungen!!!

  • 27.09.2010, 12:30 UhrAnonymer Benutzer: blubb

    Was ich mich bei der Geschichte mit der bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH frage ist. Warum sollte man einer Gesellschaft mit Haftungsbeschränkung meherere Milliarden anvertrauen, ohne dass der dahinter stehende Staat z.b. mit einer Patrionatserklärung den Rücken der GmbH stärkt??!!

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