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Finanzmärkte: Investoren attackieren Kern-Europa

Die Investoren suchen das nächste Ziel: Nach den Schuldenstaaten sind jetzt auch die Länder in der Mitte Europas dran. Händler sprechen von Hysterie. Was die Märkte in Wahrheit wollen: Mehr Geld aus der Notenpresse.

Der Eiffelturm in Paris: Ausfallversicherungen auf Frankreich sind teuer wie nie. Quelle: dpa
Der Eiffelturm in Paris: Ausfallversicherungen auf Frankreich sind teuer wie nie. Quelle: dpa

FrankfurtDas Misstrauen der Anleger hat Kern-Europa erreicht. Investoren trennten sich am Dienstag im großen Stil von Bonds der bisher als noch grundsolide geltenden Länder Frankreich, Niederlande und Österreich. Von der Verkaufswelle wurden auch belgische Papiere erfasst. Händler sprachen von „Panik“ und „Hysterie“. Die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterten auf das höchste Niveau seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. „Das spiegelt ein Misstrauen gegen die Währungsunion als ganzes wider“, fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. Einen konkreten Auslöser für den Ausverkauf habe es nicht gegeben. Der Euro verlor rund einen US-Cent auf 1,3540 Dollar.

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Staatsfinanzierung Der Billionenhunger europäischer Staaten

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„Internationale Investoren bauen ihr Risiko ab, da sie einfach nicht verstehen, warum Europa so lange braucht, um die Krise in den Griff zu bekommen“, sagte ein Händler. „Einem Anleger in Asien oder Amerika kann man nicht erklären, warum es in Europa Wochen oder Monate dauert, bis ein Beschluss gefasst ist. Und haben sich die Europäer dann mal bis zu einer Entscheidung durchgerungen, dauert die Umsetzung nochmal so lange“, sagte ein weiterer Börsianer. „Es scheint als ob die letzten Dämme brechen“, kommentierte ein dritter.

Fragen und Antworten zu italienischen Anleihen

  • Warum sind die Anleihe-Renditen so entscheidend?

    Um ihren Finanzierungsbedarf zu decken, nehmen Staaten durch Anleihen Geld an den Finanzmärkten auf. Die Renditen dieser Papiere entsprechen der effektiven Verzinsung. Je riskanter Investoren ein Engagement einschätzen, desto mehr Zinsen muss ein Land bieten.

  • Weshalb sehen Investoren Italien so kritisch?

    Mit einem ausstehenden Volumen von rund 1,8 Billionen Euro ist der italienische Markt für Staatsanleihen einer der größten der Welt. Italien trägt gemessen an der Wirtschaftsleistung die zweitgrößte Staatsschuldenlast aller Euro-Länder und steht unter hohem Spardruck. Anders als Griechenland verfügt Italien allerdings über eine hohe Wirtschaftskraft. Die Finanzmärkte trauen der aktuellen politischen Führung jedoch nicht zu, die zur Haushaltskonsolidierung nötigen Reformen durchzusetzen.

  • Was passiert, wenn die Lage am italienischen Anleihemarkt sich weiter zuspitzt?

    In Italien werden bis Ende 2012 Anleihen unterschiedlichster Laufzeiten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Milliarden Euro fällig. Da die Anleihen mit festen Laufzeiten ausgegeben werden, muss das Land in regelmäßigen Abständen neue Papiere am Markt platzieren, um seine Schulden zu finanzieren. Sollten die Renditen auf den zuletzt erreichten Höchstständen verharren, könnte es für Italien unmöglich werden, neue Schulden aufzunehmen, um alte zu begleichen. Italien wäre dann wie Griechenland, Portugal und Irland vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und müsste unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, um sich aus Hilfsgeldern zu refinanzieren.

  • Würde Italien unter den Euro-Rettungsschirm passen?

    An diesem Punkt würde die Situation richtig kritisch. Experten stimmen überein, dass der Krisenfonds EFSF nicht ausreichen würde, um die Konsequenzen eines Ernstfalls in Italien zu bewältigen. Die zuletzt beschlossenen Modelle zur Hebelung des EFSF-Kreditvolumens sind noch nicht im Detail ausgestaltet und einsatzbereit. Sollte sich die Situation in Italien extrem zuspitzen, wäre außerdem davon auszugehen, dass auch der spanische Anleihemarkt kollabieren würde. Die Eurozone dürfte bei diesem Szenario endgültig auf die Zerreißprobe gestellt werden.

  • Wie kann eine Eskalation verhindert werden?

    Um dauerhaft zu gewährleisten, dass Italien seine Schulden an den Märkten platzieren kann, müssten zwei Bedingungen erfüllt werden: Potenziellen Investoren muss die Furcht vor einem Zahlungsausfall genommen werden. Zweitens müsste das Rendite-Niveau auf einem für Italien tragbaren Niveau gehalten werden. Kurzfristig kann dies nach Einschätzung von Experten letztlich nur die Europäische Zentralbank (EZB) sicherstellen. Mittel- bis -langfristig kann jedoch nur Italien selbst durch entsprechende Reformen und Haushaltsdisziplin die Lage entschärfen.

  • Welche Rolle spielt die EZB?

    Die EZB versucht bereits seit August, die Renditen für italienische Anleihen durch Ankäufe zu drücken. Die Zentralbank agiert jedoch nur auf dem Zweitmarkt. Sie beeinflusst so lediglich das Kursniveau von Papieren, die bereits in Umlauf sind. Direkte Anleihekäufe von Staaten sind für die EZB ein Tabu, anders als für ihre Pendants in den USA oder Großbritannien. Die EZB lehnt es strikt ab, als Kreditgeber der letzten Instanz Käuferstreiks am Erstmarkt zu verhindern.

  • Was muss nun geschehen?

    Fest steht: Muss Italien länger wesentlich höhere Renditen als bisher üblich zahlen, wird die Haushaltslage stark belastet und der ohnehin hohe Schuldenstand letztlich weiter nach oben getrieben.

    Solange der EFSF nicht ausreichend einsatzfähig ist und die EZB von ihren geldpolitischen Grundsätzen nicht abweicht, liegt es allein an der italienischen Politik, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen. Das ist jedoch ein ungewisses Unterfangen und dürfte einiges an Überzeugungsarbeit erfordern.

An den Terminmärkten stieg der Bund-Future um bis zu 81 Ticks auf 139,07 Punkte und notierte damit nur knapp unter dem Rekordhoch von 139,58 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen - sie sind richtungsweisend für die Euro-Zone - fiel auf 1,743 von 1,787 Prozent am Vorabend. Im Gegenzug stiegen die Renditen vergleichbarer französischer Anleihen auf 3,674 von 3,437 Prozent, österreichischer Anleihen auf 3,704 nach 3,417 Prozent und belgischer Anleihen auf 4,973 von 4,611 Prozent am Vorabend. Wegen der höheren Unsicherheit an den Rentenmärkten verteuerten sich auch die Kreditausfallversicherungen (CDS, Credit Default Swaps) für französische und andere Papiere.

  • 16.11.2011, 18:56 Uhrhein

    Herr Markus: Bin ganz Ihre Meinung, die Spekulative Maerkte ausschliessen nur an eigenen Leute verkaufen aber die koennen dann die Zinsrate bekommen die die Maerkte verlangen. Also kein Problem machen von der Zinsrate aber die Leute ausschiessen die gegen uns spekulieren.

  • 16.11.2011, 18:49 Uhrhein

    @ Ron777

    Wenn die Maerkte auch fuer Deutschland und Holland hoehere Zinsen verlangen waere es vielleicht nuetzlich Bundesanleihen nicht laenger an jedem zu verkaufen aber man zahlt die Rendite die am offenen Kapitalmarkt gefragt wird aber Anleihen duerfen zu diese Rendiete nur verkauft werden an Leute seshafft in Deutschland. Ausgeschlossen werden die Leute die mit ein Spielchen unter Anfuehrung von die USA versuchen die Euro zu beschaedigen.

  • 16.11.2011, 18:36 Uhrhein

    Wenn die Maerkte fuer Franzoeschise Anleihen eine Rendite moechten von 3,7 % wuerde ich wenn ich als Frankreich jetzt Geld brauche diesen Zins abgeben aber nur an eigene franzoesische Banken un nur fuer franzoesische Kunden.
    Also die Maerkte wuerden meine Anleihen nicht bekommen und ich werde zeigen kein Problem zu haben mit der Rate.
    Wuerde man das sofort auf diese Weisse machen wuerde vermutlich die Rate niedriger werden.
    Wenn nur die Anleihen in Frankreich selbst verkauft werden koennen die Maerkte kein Druck ausueben.

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