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Geschichte der Anleihe: Mit Schulden Geld verdienen

Bereits seit dem 14. Jahrhundert nutzen Investoren Anleihen von Unternehmen und Staaten als Anlageinstrument. Dabei gilt: je kleiner das Vertrauen in den Schuldner, desto größer die Rendite-Chance - aber auch das Risiko.

Anleihen galten schon vor 600 Jahren als profitable Anlageoption. Quelle: dpa
Anleihen galten schon vor 600 Jahren als profitable Anlageoption. Quelle: dpa

FrankfurtDas Prinzip der Anleihe ist simpel: Investoren leihen einem Schuldner Geld, bekommen dafür Zinsen und am Ende der Laufzeit ihr Geld zurück. So viel zur Theorie. In der Praxis ist das ganze schon mal schwieriger. Spätestens dann, wenn die Anleihebesitzer daran zweifeln, dass sie ihr Geld wie vorgesehen zurückbekommen. Das lässt sich in der Euro-Krise derzeit beobachten. Weil Anleger nicht mehr glauben, dass sie ihr Geld, das sie etwa einst Griechenland liehen, jemals wiedersehen, steigen die Kosten für Griechenland, sich überhaupt noch Geld leihen zu können. Wie sehr auf der anderen Seite Schuldner davon profitieren, wenn ihnen die Anleger trauen, zeigt sich am Beispiel Deutschland. Dort fielen die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen fünf- und zehnjähriger Staatsanleihen gestern auf neue historische Tiefs von etwas über zwei respektive über einem Prozent.

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Dieses Wechselspiel aus Vertrauen und Misstrauen beherrscht das Geschäft mit den Anleihen schon seit Jahrhunderten. Der verhängnisvolle Hang zur Neuverschuldung zeigte sich dabei bereits im 14. Jahrhundert. Es waren die italienischen Stadtstaaten, die sich einst zuerst bei ihren Bürgern Geld liehen, um ihre Kriege zu finanzieren. Als die Kriege immer teurer wurden, lösten sie einfach ihre alten Anleihen mit immer neuen Anleihen ab - Schulden wurden fortan mit Schulden beglichen. Der Schuldenkreislauf war geboren.

Bis zum Anleihemarkt von heute, mitsamt der Abhängigkeit der Staaten von der Gunst der Anleihekäufer, war es aber noch ein weiter Weg. Er war begleitet von Kriegen, von Verschuldung, von Zerstörung und Aufbau. An der Börse gehandelt wurden Anleihen erst im 17. Jahrhundert. Die erste Millionenanleihe - damals eine Million Gulden - platzierten 1779 die Gebrüder Bethmann - Gründer des gleichnamigen Bankhauses - für den deutschen Kaiser in Wien. Gleichzeitig entstanden die ersten Pfandbriefe.

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Noch wichtiger wurden Anleihen, als nach den napoleonischen Kriegen Anfang des 19. Jahrhunderts und mit der beginnenden Industrialisierung der Geldbedarf für den Wiederaufbau stieg. Mitte des 19. Jahrhunderts finanzierten die USA ihren Sezessionskrieg vorwiegend über Anleihen. Ein Jahrhundert später ließen die Weltkriege, Hyperinflation und Währungsreform weltweit Anleihen wertlos werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sich die Staaten dennoch erneut über Anleihen finanzieren.

In den 70er-Jahren entstand eine neue Untergattung der seriösen Anleihe, der Junk-Bond: hochverzinste Anleihen von wenig kreditwürdigen Firmen. Es war ein Markt, der sich rasant entwickelte. Wie Junk-Bonds lockten zudem die Anleihen von Schwellenländern die Anleger in Scharen an. Und lehrten diese eine bittere Lektion, die auch heute noch wichtig ist: Hohe Renditen erkauft man sich mit hohem Risiko. Das zeigte sich, als in den 80er-Jahren viele Schwellenländer und der Junk-Bond-Markt kollabierten.

Auch die letzte große Krise nahm ihren Ausgang an den Anleihemärkten, als mit wertlosen US-Hypotheken-Krediten gedeckte Anleihen ausfielen und Banken, die die Papiere gekauft hatten, in den Ruin trieben. Und auch heute geht es um Anleihen: Weil Anleger Griechenland, Portugal und Irland nicht mehr finanzieren, stehen die Staaten vor der Pleite. Und die Angst ist groß, dass dies auch anderen Euro-Ländern droht.

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