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Italienische Anleihen: Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten

Italien bekommt eine neue Regierung. Doch am Kapitalmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren. Das Land bekommt zwar noch Geld - muss aber für neue Anleihen enorm hohe Zinsen zahlen. Euro und Aktien knicken ein.

Börsenhändler in Frankfurt. Quelle: dpa
Börsenhändler in Frankfurt. Quelle: dpa

DüsseldorfBerlusconi ist weg. Doch die Probleme sind die alten. Italien braucht dringend Geld – und muss extrem hohe Zinsen bieten, um welches zu bekommen. Am Finanzmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren.

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Während der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti in diesen Stunden versucht, eine Regierung auf die Beine zu stellen, lassen die Investoren nicht locker. Bei einer Auktion von Staatsanleihen hat Italien am Montag zwar wie geplant drei Milliarden Euro eingesammelt. Allerdings wird für die Papiere mit einer Laufzeit bis Mitte September 2016 ein Rekord-Zins von 6,29 Prozent fällig. Derart hohe Zinsen für fünfjährige Bonds musste das Land den Anlegern seit Einführung des Euro noch nicht zahlen. Zum Vergleich: Mitte Oktober wurden bei einer vergleichbaren Auktion lediglich 5,3 Prozent fällig.

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Der Euro fiel nach der Anleihe-Auktion zurück. Er gab 1,3 Prozent nach auf 1,3626 Dollar. In Frankfurt fiel der Dax um 1,6 Prozent auf 5960 Punkte, nachdem er am Morgen noch im Plus gelegen hatte. Der Mailänder Leitindex rutschte ebenfalls ins Minus und fiel um 2,1 Prozent auf 15.447 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Italien-Bonds um 24 Basispunkte auf 6,66 Prozent - damit liegt sie aber noch unter dem Rekordhoch der Vorwoche bei 7,46 Prozent.

„Es war eine ordentliche Anleihe-Emission“, sagte Zinsstratege Peter Chatwell von der Credit Agricole CIB. Italien habe schließlich sämtliche Papiere platziert. „Kurzfristig ist das positiv“, fügte er hinzu. „Langfristig ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass die Renditen zuletzt deutlich gestiegen sind.“

Fragen und Antworten zu italienischen Anleihen

  • Warum sind die Anleihe-Renditen so entscheidend?

    Um ihren Finanzierungsbedarf zu decken, nehmen Staaten durch Anleihen Geld an den Finanzmärkten auf. Die Renditen dieser Papiere entsprechen der effektiven Verzinsung. Je riskanter Investoren ein Engagement einschätzen, desto mehr Zinsen muss ein Land bieten.

  • Weshalb sehen Investoren Italien so kritisch?

    Mit einem ausstehenden Volumen von rund 1,8 Billionen Euro ist der italienische Markt für Staatsanleihen einer der größten der Welt. Italien trägt gemessen an der Wirtschaftsleistung die zweitgrößte Staatsschuldenlast aller Euro-Länder und steht unter hohem Spardruck. Anders als Griechenland verfügt Italien allerdings über eine hohe Wirtschaftskraft. Die Finanzmärkte trauen der aktuellen politischen Führung jedoch nicht zu, die zur Haushaltskonsolidierung nötigen Reformen durchzusetzen.

  • Was passiert, wenn die Lage am italienischen Anleihemarkt sich weiter zuspitzt?

    In Italien werden bis Ende 2012 Anleihen unterschiedlichster Laufzeiten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Milliarden Euro fällig. Da die Anleihen mit festen Laufzeiten ausgegeben werden, muss das Land in regelmäßigen Abständen neue Papiere am Markt platzieren, um seine Schulden zu finanzieren. Sollten die Renditen auf den zuletzt erreichten Höchstständen verharren, könnte es für Italien unmöglich werden, neue Schulden aufzunehmen, um alte zu begleichen. Italien wäre dann wie Griechenland, Portugal und Irland vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und müsste unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, um sich aus Hilfsgeldern zu refinanzieren.

  • Würde Italien unter den Euro-Rettungsschirm passen?

    An diesem Punkt würde die Situation richtig kritisch. Experten stimmen überein, dass der Krisenfonds EFSF nicht ausreichen würde, um die Konsequenzen eines Ernstfalls in Italien zu bewältigen. Die zuletzt beschlossenen Modelle zur Hebelung des EFSF-Kreditvolumens sind noch nicht im Detail ausgestaltet und einsatzbereit. Sollte sich die Situation in Italien extrem zuspitzen, wäre außerdem davon auszugehen, dass auch der spanische Anleihemarkt kollabieren würde. Die Eurozone dürfte bei diesem Szenario endgültig auf die Zerreißprobe gestellt werden.

  • Wie kann eine Eskalation verhindert werden?

    Um dauerhaft zu gewährleisten, dass Italien seine Schulden an den Märkten platzieren kann, müssten zwei Bedingungen erfüllt werden: Potenziellen Investoren muss die Furcht vor einem Zahlungsausfall genommen werden. Zweitens müsste das Rendite-Niveau auf einem für Italien tragbaren Niveau gehalten werden. Kurzfristig kann dies nach Einschätzung von Experten letztlich nur die Europäische Zentralbank (EZB) sicherstellen. Mittel- bis -langfristig kann jedoch nur Italien selbst durch entsprechende Reformen und Haushaltsdisziplin die Lage entschärfen.

  • Welche Rolle spielt die EZB?

    Die EZB versucht bereits seit August, die Renditen für italienische Anleihen durch Ankäufe zu drücken. Die Zentralbank agiert jedoch nur auf dem Zweitmarkt. Sie beeinflusst so lediglich das Kursniveau von Papieren, die bereits in Umlauf sind. Direkte Anleihekäufe von Staaten sind für die EZB ein Tabu, anders als für ihre Pendants in den USA oder Großbritannien. Die EZB lehnt es strikt ab, als Kreditgeber der letzten Instanz Käuferstreiks am Erstmarkt zu verhindern.

  • Was muss nun geschehen?

    Fest steht: Muss Italien länger wesentlich höhere Renditen als bisher üblich zahlen, wird die Haushaltslage stark belastet und der ohnehin hohe Schuldenstand letztlich weiter nach oben getrieben.

    Solange der EFSF nicht ausreichend einsatzfähig ist und die EZB von ihren geldpolitischen Grundsätzen nicht abweicht, liegt es allein an der italienischen Politik, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen. Das ist jedoch ein ungewisses Unterfangen und dürfte einiges an Überzeugungsarbeit erfordern.

Italien steckt tief im Schuldensumpf. Die Verschuldung wird auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Die neue Regierung unter Monti muss dringend Reformen durchsetzen, um das Defizit zu begrenzen. Ob es Italien aus eigener Kraft aus der Krise schaffen kann, ist umstritten. Am Markt wird darüber spekuliert, ob das Land habe den „Point-of-no-return“ bereits überschritten hat. Bei Zinsen in Höhe von sieben Prozent mussten andere Länder unter dem Euro-Rettungsschirm flüchten. „Die Zinsen treiben einem die Tränen in die Augen. Das lässt sich nur für eine überschaubare Zeit durchhalten“, sagt David Schnautz, Zinstratege von der Commerzbank.

  • 17.11.2011, 10:49 UhrAnonymer Benutzer: Finanztiger

    Es kann sich dann etwas verändern, wenn sich die Einstellungen der Menschen ändern!
    Die "Wirtschaft" ist kein anonymes Wesen - sie besteht aus Menschen!

  • 16.11.2011, 21:17 UhrAnonymer Benutzer: Quark

    Soviel zu Ihren Dogmen (ein Zitat!):

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!

    Zumindest was die Logik der fraktalen Zufälligkeit und deren Verteilung betrifft, muss man Mandelbrot wie auch Nassim Nicholas Taleb anerkennen, dass sie einige der wenigen sind, die die Komplexität der menschlichen Unfähigkeit aufnahmebereit zu sein, zumindest was unbequeme Neuigkeiten anbelangt und für die meisten, auch aus den Fachgebieten, unbegreiflich zu sein scheint, kritisieren und sich trotz aussichtsloser Lage weiterhin um Aufklärung bemühen.
    Dass Sie darauf anspielen, dass wir nicht so viel wissen, wie wir gerne vorgeben, zeugt von enormer Weitsicht, die die für die künftigen Wissenschafter verantwortlichen ausbildenden Professoren wohl gezielt werden ignorieren müssen, obwohl die einfache Lösung – mittelst Gauß’scher Glockenkurve – Verteilungen zu berechnen und daraus Risiken, die die Zukunft betreffen, abzuleiten, indem man versucht, durch Betrachtung der Vergangenheit, die künftige Entwicklung zu interpretieren, in bezug auf wirtschaftswissenschaftliche Themen mehr als fehlgeschlagen ist und da die wirtschafts-, die finanzmathematische, besonders aber die statistische Theorie ohne dieses Falsums nicht nur den Herren an den Universitäten die Lebensgrundlage entzöge: Die Ignoranz der meisten Wissenschafter gegen das mandelbrotische System und die dadurch unterlassene Sensibilisierung für die Risiken am Finanzmarkt lässt erkennen, dass sich auch künftig nichts ändern wird. Ganz nach dem Motto:

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!

  • 16.11.2011, 10:25 UhrAnonymer Benutzer: Finanztiger

    Was Sie als Argumente empfinden bzw. als wirtschaftl. Anspielungen sehen, sind Glaubenssätze wie in der Kirche. Und Gläubige wollen nicht wissen - sie geben sich mit einfachen Dogmen zufrieden.

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