_

Kampf um Investoren: Krise treibt Staaten in die Hände von Banken

Der Anleihemarkt steht vor einer Flut neuer Staatspapiere. Für weniger solide Schuldner wird es zunehmend schwierig, neue Mittel am Kapitalmarkt aufzunehmen. In ihrer Not greifen immer mehr Staaten auf die Hilfe von Banken zurück, die ihre Bonds platzieren sollen. Nur noch solide Schuldner wie Deutschland und Frankreich halten unbeirrt an Auktionen fest.

Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou: Mit Hilfe von Banken und dank eines satten Renditeaufschlags konnte das Land seine erste Anleihe 2010 erfolgreich platzieren. Quelle: Reuters
Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou: Mit Hilfe von Banken und dank eines satten Renditeaufschlags konnte das Land seine erste Anleihe 2010 erfolgreich platzieren. Quelle: Reuters

FRANKFURT. Die Erleichterung in Griechenland war groß. Die erste Anleihe, die das hoch verschuldete Land in diesem Jahr auf den Markt brachte, traf am Markt auf überraschend viel Interesse. Insgesamt gingen Angebote über rund 25 Mrd. Euro ein. Damit war die Nachfrage mehr als dreimal so hoch wie das Angebot.

Anzeige

Das Interesse der Anleger kommt allerdings nicht von ungefähr. Denn die Griechen boten ihren Bond mit einer sehr attraktiven Rendite an. Der Aufschlag zu deutschen Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit liegt bei 3,8 Prozentpunkten. Auch im Vergleich zu anderen angeschlagenen Euro-Ländern wie Portugal liegt der Renditeaufschlag mit knapp drei Prozent extrem hoch.

Dass Griechenland einen so hohen Preis für seine Staatsschuld zahlen muss, liegt an einem massiven Überangebot auf dem Bondmarkt. Die Staaten weltweit brauchen so viel Geld wie nie zuvor. Banken rechnen damit, dass allein die Länder im Euro-Raum in diesem Jahr Anleihen über rund eine Billion Euro begeben wollen. Die massiven Konjunktur- und Bankenrettungspakete gepaart mit sinkenden Steuereinnahmen in der wirtschaftlichen Krise machen die massive Kreditaufnahme nötig. Das Problem: Auch die Investoren wissen, dass viele Staaten zu kämpfen haben. Deshalb wird es für die Staaten schwieriger, Abnehmer für ihre Anleihen zu finden.

Um dennoch den Weg zu den Investoren zu finden, schalten immer mehr Länder sogenannte Bankenkonsortien ein, wenn sie neue Bonds platzieren wollen. Dabei wählen die Länder zunächst eine Reihe von Banken - meist sind es drei bis fünf - aus. Die sammeln dann Kaufaufträge von institutionellen Anlegern wie andere Banken, Fonds, Versicherer, Zentralbanken und Pensionskassen. Sie fragen die Investoren, ob sie Interesse an den neuen Bonds haben und wenn ja zu welchem Preis. Dann geben die Banken - in Absprache mit dem jeweiligen Land, das die Bonds platzieren will - eine Preisspanne vor und verkaufen die Anleihen anschließend an die Investoren.

Auf diese Weise platzieren auch Unternehmen und Banken ihre Anleihen. Große Staaten dagegen platzierten bis vor der Finanzkrise ihre Bonds dagegen überwiegend in Auktionen. Dabei geben um die 30 vom jeweiligen Land ausgewählten Banken zu einem bestimmten Zeitpunkt Gebote ab, zu welchem Preis sie die Anleihen ersteigern wollen. Die Banken nehmen die Bonds zunächst in ihre eigenen Bücher und verkaufen sie erst später an Investoren. Das erhöht das Risiko, dass die Länder auf ihren neuen Anleihen sitzen bleiben. Dafür sind die Auktionen für die Staaten günstiger, weil sie so die Gebühren für die Konsortialbanken sparen.

Im vergangenen Jahr platzierten im Euro-Raum lediglich Deutschland und Frankreich alle Anleihen über Auktionen. Beide Länder gelten als sehr gute Schuldner und deutsche und französische Anleihen sind zudem besonders liquide, also gut handelbar. Das ist Anlegern wichtig, die auch Staatsanleihen im Zweifelsfall schnell verkaufen wollen. Es reduziert das Risiko, dass die Schuldner auf ihren Papieren sitzen bleiben, erheblich.

Das einzige Land im Euro-Raum, das 2009 alle neuen Anleihen und Aufstockungen mit Hilfe von Konsortialbanken begab, war Griechenland. Andere Länder wählen zumindest zum Teil Auktionen, bei denen Banken an einem Tag um eine bestimmte Uhrzeit Gebote abgeben müssen, um die Bonds zu ersteigern. "Das war Griechenland aber offensichtlich zu riskant", sagt David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank. Dass sich das 2010 nicht geändert hat, ist wenig überraschend.

  • 27.01.2010, 09:51 UhrAnonymer Benutzer: Leertasche

    Schade, dass man nichts von den Käufern dieser Schund- und Schrott-Anleihen erfährt. Wird doch wohl keine Käufer aus dem außereuropäischen oder gar asiatischen Raum sein? Wäre ja glatt gefährlich für die gesamte EU.

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 30 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

  • Video

Börsen-News Börse Frankfurt am Abend

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt. Neue Probleme im hoch verschuldeten Spanien wirkten sich belastend auf das Handelsgeschehen aus.

  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Bausparrechner

    Der Bausparberater hilft den passenden Bausparvertrag zu finden.

  • Finanzierungsplanung

    Der Kassensturz zeigt, wie viel Kredit sich Immobilienkäufer leisten können.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Notar- und Grundbuchrechner

    Die Nebenkosten machen beim Immobilienkauf einige tausend Euro aus. Wie viel Sie zahlen müssen.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Zinsentscheidung

    Immobilienbesitzer können ausrechnen, ob sie Kredite kurz- oder langfristig festschreiben sollten.

  • Angebotsvergleich

    Niedrige Zinsen sind nicht alles. Vergleichen Sie die Baugeld-Offerten von mehreren Banken.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Renten-Rechner

    Welches Vermögen und welche Sparraten Sie aufbringen müssen, um eine Rentenlücke zu decken.

  • Ratgeber Versicherungen

    Rundum geschützt: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich optimal gegen Risiken absichern

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Immobilien-Wertfinder

    Finden Sie Miete- und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße mit einem interaktivem Tool.

  • Ratgeber Altersvorsorge

    Clever sparen für den Ruhestand: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine solide Altersvorsorge planen.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Auto-Versicherungsvergleich

    Mit dem Auto-Versicherungsvergleich können günstige Versicherungen suchen aund damit ihre Kosten reduzieren.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen