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Rating-Herabstufungen: S&P versetzt Europa einen Schlag

Seit Dezember prüft S&P die Ratings fast aller Euro-Staaten. Jetzt hat die Ratingagentur ihre Urteile gefällt. Am Abend sollen mehrere Staaten zurückgestuft werden, darunter die Top-Schuldner Frankreich und Österreich..

Standard & Poor's stuft offenbar zahlreiche Euro-Staaten zurück. Quelle: Reuters
Standard & Poor's stuft offenbar zahlreiche Euro-Staaten zurück. Quelle: Reuters

Einen Tag nach den erfolgreichen Anleiheauktionen Italiens und Spaniens haben Gerüchte um eine breit angelegte Rating-Herabstufung europäischer Staaten die Hoffnungen auf eine Beruhigung der europäischen Schuldenkrise jäh zerstört. Das Handelsblatt erfuhr aus EU-Kreisen, dass Standard & Poor's noch am Freitag die Bonitätsnoten mehrerer Euro-Staaten zurücknehmen werde. S&P selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Spekulationen zufolge sollen aber sechs Länder betroffen sein. Prominentestes Opfer soll Frankreich sein, das künftig nicht mehr zum Kreis der Top-Schuldner mit "AAA"-Rating gehören werde. Das gleiche Schicksal droht offenbar Österreich. Außerdem werde S&P Spanien, Italien, Portugal und Belgien zurückstufen.

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S&P hatte am 5. Dezember die Ratings fast aller Euro-Länder - mit Ausnahme von Griechenland - auf den Prüfstand gestellt und wollte bis spätestens Mitte März die Ergebnisse der Prüfung bekanntgeben. Auch das deutsche Rating stand zur Debatte, S&P ließ dieses aber unverändert.

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Überraschend ist die Liste der fünf Staaten, deren Ratings angeblich gesenkt werden sollen, nicht. Am Kapitalmarkt stehen diese Länder seit Monaten im Fokus. Massive Renditeunterschiede zwischen ihren Anleihen und Bundeswertpapieren verdeutlichen das große Misstrauen der Investoren. "Der Markt weiß, dass ein Downgrade bevorsteht", sagte Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg. Die Folgen können dennoch gravierend sein. Weil Frankreich neben Deutschland zu den wichtigsten Garantiegebern im europäischen Rettungsschirm EFSF zählt, droht auch diesem Vehikel eine Herabstufung. "Als Folge würde das Finanzierungsvolumen sinken", sagte Klude.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte seinen Kampf gegen eine mögliche Herabstufung des französischen Ratings bereits am Donnerstag aufgegeben. Ein solcher Verlust wäre "nicht unüberwindbar", sagte er. Das Vertrauen der Investoren will er nun mit Reformen zurückgewinnen. Premierminister Francois Fillon hatte diese Woche unter anderem erklärt, die Finanzierung des Sozialsystems ändern zu wollen.

Wieso das Rating Frankreichs so wichtig ist

  • Kreditaufnahme wird erschwert

    Wenn die Ratingagenturen die Bonität von Euro-Staaten herabstufen, ist das zunächst einmal schmerzlich für diese Länder selbst: Es wird für sie schwieriger werden, an frisches Geld zu kommen. Die Zinsen, die sie für neue Anleihen zahlen müssen, ziehen in der Regel an.

  • Auswirkung auf Euro-Rettungsfonds

    Doch für die Euro-Rettung gibt es noch einen anderen Aspekt, der mindestens genau so wichtig ist: Von der Bonität der einzelnen Länder hängt auch das Rating der Rettungsinstrumente wie des EFSF und künftig des ESM ab, die Krisenstaaten mit Kredithilfen vor dem Staatsbankrott bewahren sollen.

  • Bestnote des EFSF gefährdet

    Frankreich trägt zu etwa 20 Prozent die Finanzierungslast des EFSF. Ohne eine Bestnote für Frankreich würde daher auch die "AAA"-Bestnote des EFSF wackeln.

  • Finanzkraft könnte schrumpfen

    Ein Verlust der Bestnote des EFSF würde die Finanzierung der Rettungspakete für angeschlagene Euroländer verteuern. Denn die Zinssätze für frische Anleihen dürften weiter anziehen. Als Alternative wäre es denkbar, dass der EFSF sein "AAA"-Rating verteidigt, indem er seine Finanzkraft einschränkt.

  • Geplanter Nachfolger des EFSF auch betroffen

    Damit der Rettungsfonds EFSF effektiv 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euroländer Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Diese Summe würde sich im Fall einer Herabstufung wohl deutlich erhöhen. Auch der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM, der schon im Juli und damit ein Jahr früher als geplant starten soll, könnte betroffen sein. Er soll anders als der EFSF selbst mit Kapital ausgestattet werden, das die Mitgliedsstaaten nun schneller bereitstellen müssen. Dafür müssten sie selbst neue Schulden machen, was im Falle einer Herabstufung teurer würde.

  • 13.01.2012, 20:46 Uhrkognitiver

    Ja arme GrandeNation und armes Europa und allerärmstes Deutschland. Zugrundegerichtet von den bösen Ratingagenturen, weil die rufen: "Der Kaiser ist ja nackt"! Hier wurde von einigen Nichtsmerkern gefragt, warum die Ratingagenturen gerade jetzt das aussprechen, was sie ohnehin schon vor einigen Wochen angekündigt haben, jetzt wo die Panik gerade wieder etwas nachliess. Nun genau aufgrund der nachlassenden Panik glaubten die erkenntnisresistenten Poltiker, die ohnehin schon wachsweichen Gipfelbeschlüsse wieder teilweise kassieren zu können, und prompt haben sie den Schuss vor den Bug bekommen den sie brauchten, und das ist gut so. Das war aber für jeden mit mehr als 3 vernetzten Synapsen vorherzusehen, nur nicht von den Euromantikern. Es muss ein permanenter Druck aufrechterhalten werden, sonst ändert sich nichts zum Besseren

  • 13.01.2012, 19:54 UhrAnonymer Benutzer: CCC

    „Dennoch bleibt die Frage, warum Sie Japan erwähnt haben?“

    JUG ist eine ähnliche halbwegs willkürliche Zusammenstellung von Staaten wie PIIGS oder BRIC. Und es passt zu meinem Schlussatz.

    Ich hätte auch USA Großbrittannien und Lybien zu den UGLy-States machen können, nur dass mir mehr Gemeinsamkeiten mit Japan eingefallen sind (alles wichtige und entwickelte Industrieländer, alle mit hohem Haushaltsdefizit, alle mit hohem Schuldenstand und alle mit relevanter Finanzierung der Staatsschulden über die Zentralbank und alle momentan munter am weiter Schulden aufnehmen).

    Oder vielleicht einfach nur USA und GB zu den UG-States machen? Da wäre noch der angelsächsische Aspekt berücksichtigt.

    Naja ich werde garantiert nicht den nächsten Trendbegriff setzen, aber ähnlich willkürlich werden solche Trends gemacht.

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich glaube nicht an die grosse allumfassende Verschwörung, die in manchen anderen Kommentaren hier durchscheint. Ich gehe aber davon aus, dass es viele auch große Spieler gibt, von denen sich sicher einige koordinieren oder auch nur locker austauschen, während andere mit- oder hinterherlaufen. Ich bin nur erstaunt, wie leicht man eine Herde doch zum Rennen bringen kann, teilweise mit absurden Ergebnissen.

  • 13.01.2012, 19:37 UhrAnonymer Benutzer: USAsindpleite

    Freuen wir uns doch darüber, daß der Euro an Wert verliert, das bringt einer Exportnation, wie es Deutschland ist, doch nur Vorteile. Und ob eine amerikanische Ratingagentur nun hü oder hott sagt, sollte doch mittlerweile niemanden mehr ernsthaft interessieren - oder? Die USA sind mindestens genauso pleite, wie die EU und schert das jemanden? Der grundsätzliche Unterschied zwischen der EU, insbesondere zu Deutschland und den USA liegt in der Handelsbilanz und woraus sich, damit korrespondierend, das BIP (GNP) zusammensetzt. Die USA türmen seit Jahrzehnten einen negativen Handelsbilanzsaldo auf und das GNP basiert zur mehr als 60% auf der Inlandsnachfrage.
    Also, was kümmert es die deutsche Eiche, wenn sich S&P an ihr reibt.

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