
Wer gedacht hat, die Griechenland-Krise sei durch das zweite Hilfspaket und den Schuldenschnitt entschärft, sieht sich getäuscht. Die Ratingagentur Fitch hat Griechenland nur einen Tag nach der vermeintlichen Rettung erneut herabgestuft - von CCC auf C. Das heißt übersetzt: ein Staatsbankrott "steht unmittelbar bevor" oder ist "unausweichlich". Danach gibt es für die Agentur nur noch RD für den begrenzten Zahlungsausfall und D für den völligen Zahlungsausfall.
Nach zwei Tagen mit Kursgewinnen gerieten griechische Bonds unter Druck. Die Rendite von zehnjährigen griechischen Papieren stieg um 50 Basispunkte auf 30,04 Prozent.
Griechenland hatte sich in der Nacht zum Dienstag mit privaten Investoren auf einen Schuldenschnitt im Umfang von 107 Milliarden Euro verständigt. Außerdem sagten EU und IWF zusätzliche Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro zu. Ob das ausreicht, damit Griechenland von seiner hohen Schuldenquote wegkommt, ist fraglich. Die Ratingagentur Fitch glaubt offenbar nicht daran.
Schon im vergangenen Juli hatten die Europartner Griechenland ein zweites Rettungspaket zugesagt. Nach vier weiteren EU-Gipfeln und einem letzten, 13-stündigen Verhandlungsmarathon der Finanzminister bis zum Dienstagmorgen stehen die Einzelheiten fest.
Die Privatgläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der ausstehenden Kredite. Wenn sich ausreichend Banken beteiligen, sinkt die Schuldenlast um 107 Milliarden Euro.
Der Rest der Privatschulden wird in neue Anleihen mit Laufzeiten von elf bis 30 Jahren umgetauscht. Dafür erhalten die Banken geringe Zinsen von zwei bis 4,3 Prozent. Insgesamt spart Athen dadurch in den kommenden acht Jahren 150 Milliarden Euro ein.
Die internationalen Geldgeber „versüßen“ den Banken den Schuldenumtausch, indem sie die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro absichern.
Athen erhält neue Notkredite von 100 Milliarden Euro. Ob der Internationalen Währungsfonds (IWF) davon - wie bei den Programmen für Portugal und Irland - jeweils ein Drittel übernimmt, ist noch nicht klar. IWF-Chefin Lagarde will den Beitrag auch davon abhängig machen, ob die Eurozone ihren dauerhaften Rettungsfonds aufstockt.
Die nationalen Notenbanken geben die Gewinne aus ihren Griechenland-Krediten an Athen zurück. Das soll die Schuldenlast Athens um 1,8 Prozentpunkte senken.
Die Zinsen für die bereits gewährten Notkredite werden auf 1,5 Prozentpunkte oberhalb des Euribor gesenkt.
Der Schuldenerlass und die neuen Finanzspritzen sollen es Athen ermöglichen, seine Gesamtverschuldung bis 2020 von mehr als 160 auf 120,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.
Ein Teil der neuen Kredite fließen auf ein Sperrkonto, damit Athen seine anfallenden Schulden künftig auch zurückzahlen kann. Der Schuldendienst hat Vorrang vor anderen Staatsausgaben. Auf dem Konto muss ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen.
Die Umsetzung des Spar- und Reformauflagen wird von Experten der EU-Kommission permanent in Athen überwacht. Deutschland ist bereit, dazu Fachpersonal zu entsenden.
Erst am Mittwochmorgen korrigierte Griechenland das Haushaltsdefizit für dieses Jahr auf 6,7 Prozent nach oben. Zuvor hatte die Regierung ein Ziel von 5,4 Prozent ausgegeben.
Zudem brachte die griechische Regierung ein Gesetz auf den Weg, mit dem die privaten Gläubiger notfalls zum Forderungsverzicht gezwungen werden könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig ausfallen sollte. Solche „Collective Action Clauses“ (CAC) würden die Umschuldung erleichtern, sind rückwirkend aber heikel.
Die neuen Zahlungsbedingungen können von der Mehrheit der Geldgeber beschlossen werden - einzelne Gläubiger können eine Umschuldung nicht mehr blockieren. Üblicherweise bauen Emittenten von Schuldverschreibungen diese CAC schon ein, wenn die Anleihen begeben werden. So soll ein mögliches Umschuldungsverfahren von vornherein in geordnete Bahnen geleitet werden. „Mit CACs wird ein Rechtsrahmen geschaffen, der Umschuldungsverhandlungen mit heterogenen Gläubigergruppen durch Mehrheitsvoten erleichtern kann“, erklärt der Bankenverband.
Das griechische Parlament will die rückwirkende Einführung solcher Collective Action Clauses am Donnerstag beschließen. Noch offen ist, ob die Ratingagenturen den Schuldenschnitt dann noch als freiwillig ansehen oder einen solchen Schritt als Zahlungsausfall bewerten werden.
Die Bundesrepublik hat unterdessen eine neue zweijährige Anleihe im Volumen von fünf Milliarden Euro auf den Markt gebracht. Sie lief nicht mehr ganz so gut wie zuletzt: Die Rendite lag bei 0,25 Prozent verglichen mit 0,17 Prozent bei einer Auktion von vergleichbaren Papieren am 18. Januar. Die Emission war 1,8-fach überzeichnet, bei der letzten Auktion gingen 2,2mal so viel Zeichnungen ein wie Papiere vorhanden waren.
Zu Rating-Agenturen fällt einem nichts mehr ein, höchstens dies: negieren, was da kommt. Übrigens zum Thema GR-Tragödie interessanten Artikel eines Sanierers gelesen, der meint, man könne das Land sanieren wie ein Unternehmen. Auf jeden Fall müsse die gegenwärtige Politk geändert weden:
http://www.su-consulting.de/griechische-tragoedie-gibt-eine-loesung-p-215.html
Griechenland ist nicht nur vom Gefühl her schon längst D.
Naja es wird halt ein langsames und qualvolles Ableben des Patienten aus Griechenland.
Liebe Vorredner: Der kluge Mann lamentiert hier nicht folgenlos herum, sondern packt die Chance beim Schopf und erwirbt jetzt griechische Aktien zum Schnäppchenpreis (z.B. WKN LYX0BF mit einem KGV < 7). "Kaufen wenn die Kanonen donnern" ist meistens eine gute Strategie...





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