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Ratingagenturen: Das Märchen von der amerikanischen Verschwörung

Die drei großen Ratingagenturen, die den Europäern mit schlechten Noten das Leben schwer machen, kommen aus den USA. Kritiker glauben, sie hätten sich gegen Europa verschworen. Die Theorie hat Schwachpunkte.

Die Konzernzentrale von Standard and Poors in New York. Haben sich die Amerikaner gegen Europa verschworen? Quelle: dapd
Die Konzernzentrale von Standard and Poors in New York. Haben sich die Amerikaner gegen Europa verschworen? Quelle: dapd

DüsseldorfStandard & Poor’s holt zum Rundumschlag aus. Die Ratingagentur hat es gewagt, gleich neun europäische Staaten auf einmal herabzustufen - und den Rettungsfonds EFSF noch dazu. Ein herber Rückschlag für die Eurozone im Kampf gegen die Schuldenkrise. Entsprechend empört oder besser gesagt beleidigt reagieren Europas Spitzenpolitiker. Als hätte sich die Nachricht aus heiterem Himmel getroffen, fragen sie: Warum gerade jetzt?

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Die Herabstufung ist ungerechtfertigt, meint EU-Binnenkommissar Michel Barnier. Er sei erstaunt über den Zeitpunkt der Herabstufung, schließlich sei Europa doch auf einem guten Weg. „Ich denke, die Ratingagenturen sollten die beispiellosen Maßnahmen der Regierungen besser miteinrechnen“, sagte er.

Der EU-Kommissar hat sich als einer der schärfsten Kritiker profiliert. Bereits im vergangenen Herbst war Barnier mit dem Vorschlag vorgeprescht, man solle Ratings vorübergehend verbieten, wenn ein Land in der Klemme steckt. Genehm sind Barnier offenbar nur gute Noten, die schlechten sollen die Agenturen gefälligst für sich behalten. Damals konnte der Binnenkommissar mit seinem Vorschlag nicht durchsetzen. Heute stehen die Chancen besser. Die Zahl derjenigen, die eine Verschwörung der US-Ratingagenturen gegen Europa wittern, wächst. Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag, manövrierte sich ins Rampenlicht mit dem Satz, die Ratingagenturen führten „Krieg“ gegen die „europäischen Völker“. Die Bonitätsbewertung in ihrer jetzigen Form sei „völliger Idiotismus“, hinter dem offensichtlich auch politische Absichten
steckten.

Stimmen zum Rating-Rundumschlag

  • Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

    „Ich glaube auch nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben.“

  • Moritz Kraemer, S&P-Chefanalyst für Europa

    „Wir erfüllen unsere Aufgabe“

  • Max Otte, Crash-Prophet

    „Die Ratingagenturen arbeiten zu langsam und in der Tendenz auch parteiisch, nämlich gegen Kontinental-Europa.“

  • Francois Baroin, französischer Finanzminister

    „Es ist keine Katrastrophe.“ „Es ist wie ein Schüler der eine sehr lange Zeit 20 von 20 Punkten erzielt und nun 19 Punkte erreicht hat. Es ist weiterhin eine exzellente Note.“

  • Andrew Wells, Global Chief Investment Officer Fixed Income bei Fidelity

    „Deutschland geht aus dieser Welle von Herabstufungen eindeutig als Sieger hervor.“ Er rechne mit einer anhaltenden Flucht in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. „Die Herabstufung Frankreichs war allgemein erwartet worden und ist sicherlich nicht so schlimm wie weitreichendere Herabstufungen von „AAA'-Nationen inklusive Deutschland gewesen wären.(...) Das Augenmerk des Marktes wird sich sicher schnell den EU-Stützungsmechanismen - vor allem dem EFSF - zuwenden.“

  • Jacques Cailloux, Royal Bank of Scotland (RBS)

    „Die Auswirkungen der Herabstufungen auf den Markt werden kurzfristig zwar begrenzt bleiben, sie rufen aber deutlich in Erinnerung, dass die europäische Schuldenkrise noch einige Zeit andauern wird. Entscheidender ist, dass die Herabstufungen die Erwartungen zementieren, dass weder der EFSF noch der ESM ihr 'AAA'-Rating halten können. Dies macht eine Stärkung der Finanzkraft jeder dieser beiden Institutionen schwieriger. Wir rechnen mit einer Verschärfung der Krise und einer Ausweitung der Spreads im Vergleich zu Deutschland. (...)“

  • Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank

    Der Druck der Ratingagenturen verschärfe generell „die Notwendigkeit zu Strukturreformen für mehr Leistungsfähigkeit, die nicht zuletzt die EZB in Europa immer wieder anmahnt.“ Die Auswirkungen der Rating-Abstufung einiger Länder seien aber überschaubar, weil sie an den Kapitalmärkten in den vergangenen Wochen „mehr und mehr erwartet worden ist und bereits langsam Eingang in die Preise gefunden hat“. Der Drei-Jahres-Tender der Europäischen Zentralbank (EZB) habe überdies „Stabilität in den Markt gebracht, die die Effekte einer Ratingveränderung kompensieren würde.“

  • Jörg Asmussen, EZB-Direktoriumsmitglied

    „Ich glaube nicht an die Verschwörungstheorie, dass die bösen USA Europa ruinieren wollen.“

  • Ewald Nowotny, EZB-Direktoriumsmitglieds

    „Was die EZB angeht, werden wir alles, was in unseren Möglichkeiten steht unternehmen, um eine Entspannung herbeizuführen“

  • Rolf Schneider, stellvertretender Chefvolkswirt bei der Allianz

    „Angesichts der weitreichenden Reformen in vielen Krisenländern der Eurozone sind sie nicht nachvollziehbar“

  • Sigmar Gabriel, SPD-Chef

    „Die Ratingagenturen sind doch in diesem Fall nur die Überbringer der schlechten Botschaft und nicht der Verursacher.“

  • Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums

    "Mich hat die Herabstufung nicht sehr erschüttert. Es war zu erwarten, dass Standard & Poor's sehr kritisch auf einige Länder schaut. Die Schelte, die Standard & Poor's momentan bekommt, ist die völlig falsche Reaktion. Die Rating-Agenturen haben in der Vergangenheit versagt. Aber sie sind im Moment so wichtig wie noch nie. Denn sie sind ein Regulativ der Politik, ein Regulativ des Schuldenmachens."

  • Heiko Müller, Deutschlandchef des Devisenbrokers Alpari

    „Die Abwertung bedeutet, dass nun die Kapitalaufnahme nicht nur für die Peripherieländer der Eurozone, die sich eh schon als sehr problematisch gestaltet, sondern auch für Schwergewichte wie Frankreich  teurer wird.“

  • Thomas Mayer, Chefvolkswirt Deutsche Bank

    „Damit dürfte der EFSF selbst auch seine AAA-Bewertung verlieren“

  • Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer Aktien bei Fidelity

    „Auch wenn die Herabstufung Frankreichs die Märkte nicht überrascht hat, so sind es doch enttäuschende Nachrichten, die den Euro und die Aktienmärkte nach unten ziehen werden. (...) Problematisch ist, dass nun die Spekulationen über eine Herabstufung des EFSF wieder angeheizt werden. Das wird es dem Rettungsschirm erschweren, das nötige Kapital aufzubringen und den Anleihenaufkauf der Europäischen Zentralbank zu ersetzen.“

  • Clemens Fuest, Wirtschaftsprofessor und Berater der deutschen Regierung

    „Die Chancen (einer Herabstufung Deutschlands) stehen 50 zu 50. Wenn sich die anderen Länder rasch erholen, gibt es eine Chance, dass Deutschland noch einmal drum herum kommt. Man muss aber auch sehen, so ein fürchterliches Drama wäre das auch nicht. Die USA sind ja auch herabgestuft worden. Deutschland würde dann etwas weniger als der ganz sichere Hafen angesehen werden."

  • Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland

    „Die Schultern der vermeintlichen finanzstarken Länder sind zu schwach, als dass sie die Lasten der maroden Länder übernehmen könnten.“

Und auch weniger politisch links Exponierte reagieren zunehmend gereizt. „Ich glaube auch nicht, dass Standard & Poor's (S&P) wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben“, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die Euroländer seien längst auf dem Weg in eine Fiskalunion, um sich an gemeinsame Haushaltsregeln zu halten. Schäuble will am liebsten zum Gegenschlag ausholen und die Ratingagenturen schärfer regulieren. Man müsse „darüber nachdenken, wie wir die Rolle der Ratingagenturen auf das beschränken können, was sie tatsächlich sind“, sagt der Finanzminister.

Was genau er damit meint, lässt Schäuble offen. Dabei ist das der entscheidende Punkt: Was sind die Ratingagenturen tatsächlich? Was sollen, können, müssen sie leisten? Die Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten – damit Investoren einschätzen können, wem sie zu welchen Konditionen Geld leihen. In die Bewertung der Bonitätswächter fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Schätzungen. Kritiker bemängeln, dass die Kriterien für die Bewertungen nicht transparent seien; welcher Anteil auf Mathematik beruhe und was Meinung sei.

  • 18.01.2012, 17:56 UhrAnonymer Benutzer: leistung-statt-abzocke@web.de

    Schufa für Staaten = Ratingagentur
    Ohne jahrzehntelange Schuldenpolitik ist eine Abwertung nicht möglich. Dtdl. hat über 1 Billion € (1.000.000.000.000 €) "Verlust" gemacht bei den Ausländern. Sie haben Kindergeld, Hartz-IV...herausgeholt als Steuern eingezahlt. 43,8 % aller Türken erhalten Sozialleistungen, 90 % aller Libanesen ebenfalls. Jedes Jahr höhere Steuereinnahmen und neue Schulden, das müssen wir ändern. Wir sind bereits 2.000 Leute - Näheres unter: LEISTUNG-STATT-ABZOCKE(ÄT)WEB.DE

  • 18.01.2012, 17:56 UhrAnonymer Benutzer: leistung-statt-abzocke@web.de

    Schufa für Staaten = Ratingagentur
    Ohne jahrzehntelange Schuldenpolitik ist eine Abwertung nicht möglich. Dtdl. hat über 1 Billion € (1.000.000.000.000 €) "Verlust" gemacht bei den Ausländern. Sie haben Kindergeld, Hartz-IV...herausgeholt als Steuern eingezahlt. 43,8 % aller Türken erhalten Sozialleistungen, 90 % aller Libanesen ebenfalls. Jedes Jahr höhere Steuereinnahmen und neue Schulden, das müssen wir ändern. Wir sind bereits 2.000 Leute - Näheres unter: LEISTUNG-STATT-ABZOCKE(ÄT)WEB.DE

  • 18.01.2012, 15:52 UhrAnonymer Benutzer: Monotaur

    Nachtrag:
    Es ist mir nicht bekannt, dass Herr Prof. Sinn und Günter Verheugen zu den Verschwörungstheoretikern gezählt werden.
    Fall dem jetzt unter "Political Correctness" so wäre, wissen wir dann 100%, was Medien und Politiker meinen, wenn sie wieder mal Prognosen, Tendenzen, Statements etc als Verschwörungstheorie diffamieren.
    Hier kann man sich weíterbilden:
    http://youtu.be/OK2FWvnewJk

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