MADRID. Die Ratingagentur Moody's machte ihre Drohung wahr und setzte die Kreditwürdigkeit Portugals gleich um zwei Stufen herab. Waren Portugals Staatsschulden bisher mit einem Aa2-Rating versehen, so ist es jetzt nur noch A1, aber mit stabilem Ausblick. Moody's glich ihre Bewertung für Portugal damit den anderen beiden großen Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch an. Portugal hat bei Moody's das gleiche Rating wie die Tschechische Republik, Estland oder die Slowakei.
Moody's hatte bereits Anfang Mai angekündigt, dass es eine Herabstufung von Portugals Kreditwürdigkeit um ein oder zwei Stufen prüfe. Entsprechend hätten Anleger das Downgrade erwartet, beruhigte Portugals Finanzminister Teixeira dos Santos. Tatsächlich reagierten die Märkte praktisch nicht auf die Herabstufung. Die Risikoprämie auf portugiesische Staatsanleihen, also die Zinsdifferenz zu zehnjährigen Bundesanleihen, erhöhte sich nur geringfügig. Der portugiesische Aktienindex PSI-20 stieg gestern sogar leicht.
Die Wirkung der Herabstufung auf Portugals Finanzierungskosten sei marginal, erklärt Jose Brandao De Brito, Head of Markets Research bei BCP Millenium. An der Risikoeinschätzung der Investoren ändere sich dadurch wenig. Zudem habe das Finanzministerium von dem diesjährigen Finanzbedarf von 22 Mrd. Euro bereits rund 80 Prozent aufgenommen und muss den Markt dieses Jahr kaum noch anzapfen.
Schneller Anstieg der Staatsverschuldung erwartet
Die Ökonomen von Moody's begründen das verschlechterte Rating damit, dass sie einen schnellen Anstieg der Staatsverschuldung von 77 Prozent des BIP Ende 2009 auf fast 90 Prozent bis 2011 erwarten. Zwar hätten die von der Regierung aufgelegten Konsolidierungsprogramme die Chancen erhöht, dass Portugals Haushaltsdefizit 2013 von zuletzt über neun Prozent wieder unter die Maastricht-Latte von drei Prozent sinke. Mittelfristig hänge die Schuldendynamik aber nicht nur von der Haushaltsdisziplin, sondern auch von den Wachstumsaussichten ab, so Moody's: "Zwar führt die Regierung Strukturreformen etwa im Arbeitsmarkt und in der Sekundärbildung durch, aber noch ist nicht klar ob und wann diese Maßnahmen das reale BIP-Wachstum erhöhen."
Tatsächlich senkte auch die portugiesische Zentralbank gerade die Wachstumserwartungen für das kommende Jahr von 0,8 Prozent auf 0,2 Prozent, vor allem wegen der negativen Aussichten für den privaten Konsum. Es bestehe sogar eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Portugal 2011 erneut negativ wachse, erklärte der neue Zentralbankchef Carlos Costa. Dabei lief der Wirtschaftsmotor zuletzt sogar schneller als erwartet, die Zentralbank erhöhte ihre Wachstumserwartungen für 2010 von 0,4 Prozent auf 0,9 Prozent.
Die Bemühungen der Regierung zur Haushaltskonsolidierung könnten das Wachstum kurzfristig hemmen, sie seien aber für ein nachhaltiges Wachstum notwendig, sagte Teixeira dos Santos. Dass Moody's den Ausblick für Portugal nunmehr auf "stabil" gesetzt habe, interpretierte der Minister immerhin als "Signal des Vertrauens in die aktuelle Wirtschaftspolitik."





