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Risiko-Anlagen: Wie Staatsschulden in Europa unsere Altersvorsorge bedrohen

Investoren zweifeln erstmals an Bundesanleihen, die Europäische Zentralbank muss immer mehr Bonds der Euro-Randstaaten kaufen: Europas Schuldenkrise bedroht jetzt Lebensversicherer und Pensionskassen. Ist unsere private Altersvorsorge gefährdet?

von Martin Gerth, Stefan Hajek, Heike Schwerdtfeger, Niklas Hoyer und Annina Reimann Quelle: Wirtschaftswoche Online
Die europäische Krise bedroht auch deutsche Pensionen Quelle: dpa
Die europäische Krise bedroht auch deutsche Pensionen Quelle: dpa

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Betreff: "Ende der Veranstaltung!" steht über einer E-Mail, die bei Investoren die Runde machte. Ihr Autor dankt einem US-Analysten, der herausgefunden habe, dass die Routine-Auktion zehnjähriger Bundesanleihen mangels Nachfrage zu einer "hässlichen Vorstellung" entartet sei. "Ich erzähle das nicht, um irgendjemandem vor Thanksgiving die Stimmung zu vermiesen, sondern weil Deutschland der Rettungsschwimmer für eine absaufende Ansammlung europäischer Staaten ist, inklusive Spanien."

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Die Botschaft dahinter: Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Papiere überschuldeter Staaten aus der Peripherie der Euro-Zone abschmieren und diese - wenn sie überhaupt noch privates Geld bekommen - immer höhere Zinsen bieten müssen. Wer aber soll, wenn Investoren jetzt auch deutsche Staatstitel abstrafen, dann noch Europa retten?

Der Markt für Staatsschulden - und nichts anderes sind Bundesanleihen - ist alles andere als eine Veranstaltung für Spezialisten und Spekulanten. Hier wird entschieden, wie viel Schulden ein Staat machen kann und welchen Zins er zahlen muss. Ein durchschnittlicher deutscher Privathaushalt hält rund 9000 Euro in Anleihen. Gravierender noch: Die Ansprüche je Haushalt gegenüber Lebensversicherungen und Pensionskassen sind mehr als dreimal so hoch. Jeder Deutsche hat im Schnitt 1,12 Lebensversicherungspolicen. Versicherer und Pensionskassen aber, denen wir unsere private Altersvorsorge anvertraut haben, investieren vor allem in Anleihen.

Das ist das Problem: Die Staaten verschulden sich über Anleihen, Versicherer kaufen sie ihnen ab. Was also bewegt aktuell die Investoren auf den Anleihemärkten, wie werden sich die Zinsen entwickeln - und was bedeutet das für unsere Altersvorsorge?

Streng reguliert

636 Milliarden Euro haben Lebensversicherer in Rentenpapiere investiert. Laut Branchenverband GDV steckten per Ende Juni 2010 zwar nur 13 Prozent der Kapitalanlagen in Staatsanleihen und direkten Darlehen an Staaten. Die Lebensversicherer halten aber indirekt, vor allem über Pfandbriefe und Fonds, weitere Staatsschulden (siehe Grafik Seite 101). In der betrieblichen Altersvorsorge, wo 153 Pensionskassen etwa 112 Milliarden Euro verwalten, ist "der Anteil der Staatsanleihen und Bankschuldverschreibungen bei den größten Pensionskassen ähnlich hoch wie bei Lebensversicherungen", sagt Marcus Burkert, Geschäfts-führer beim Pensionskassen-Berater Heubeck-Feri.

Versicherer werden streng reguliert - die Aufsichtsbehörden achten genau darauf, dass sie nicht zocken. Weil sie ihren Kunden zudem bestimmte Renditen garantieren und gewaltige Summen anlegen müssen, brauchen sie sehr sichere Investments. "Das waren im Zweifel immer Staatsanleihen, vor allem deutsche", sagt Hans-Günter Redeker, Zins- und Währungsstratege der BNP Paribas in London. Staatsanleihen, erst recht europäische, galten über Jahrzehnte als ausfallsicher und brachten eine genau kalkulierbare Rendite. Versicherer und Pensionsfonds konnten beliebig viel Geld dort investieren, anders als etwa in Aktien, deren Wert stärker schwankt.

Nach dem Crash am Aktienmarkt 2001/02 fuhren deutsche Versicherungen ihre Aktienquoten massiv herunter, im Schnitt von mehr als zwölf auf unter ein Prozent. Lediglich die Allianz Leben hält noch rund acht Prozent in Aktien.

Sicherer Hafen?

Bis in den November hinein "profitierten vor allem die deutschen Staatsanleihen als relativ sicherer Hafen von den Problemen anderer Länder", sagt Martin Hüfner, ehemaliger Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank. So trieb die Griechenland-Krise im Mai die Anleger in deutsche Schuldtitel; bis Oktober flossen netto laut Deutscher Bundesbank bis zu 30 Milliarden Euro pro Monat aus dem Ausland in die deutschen Papiere.

Die massiven Zuflüsse trieben die Kurse und drückten die Verzinsung; die Bund-Renditen, die sich gegenläufig zu den Kursen entwickeln, fielen auf fast 2,1 Prozent für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Deutschland genoss unbegrenztes Vertrauen bei Anlegern - und konnte so weiter Schulden machen und Garantien für andere geben: 48 Milliarden Euro Neuverschuldung 2011, 22 Milliarden Euro Kredite und Garantien für Griechenland, knapp 150 Milliarden Euro Garantien für den Rettungsschirm von EU und IWF, zuletzt 6,25 Milliarden Euro als Beitrag zum Irland-Rettungspaket - und als dickster Posten bisher 180 Milliarden an Garantien und Krediten für Banken. Bundespapiere für 200 Milliarden Euro muss die Finanzagentur 2011 auf den Markt bringen. "Europa ist ein einfaches Spiel: 27 Nationen sind dabei, am Ende zahlen immer die Deutschen", sagt Neil Dwane, Europa-Investmentchef von Allianz Global Investors - ein Brite.

  • 15.12.2010, 09:15 UhrAnonymer Benutzer: Europäer

    Obwohl Japan und die USA, im Verhältnis zum biP, wesentlich höher verschuldet sind als Europa insgesamt, ist Europas Kreditwürdigkeit schlechter als die von Japan oder die USA.
    Der Grund liegt am Fehlen einer fiskalischen und politischen Union.
    Wir haben viel gewagt und auch viel gewonnen mit der EU, vor allem den Frieden ind den Wohlstand, wenn wir nicht alles aufs Spiel setzen wollen, sollten wir jetzt das Unvollendete vollenden.

  • 15.12.2010, 09:01 UhrAnonymer Benutzer: Poilu

    Die Deutsche sind so eingebildet dass sie tatsäclich glauben die butter und das Geld aus dem Verkauf der butter behalten zu können.
    "vous ne pouvez pas avoir le beurre et l’argent du beurre "
    Wieso hat keiner versucht das deutsche Volk aufzuklären, dem Volk klar zu machen dass es nicht nur Vorteile aber auch Nachteile geben muss, dass es ein Geben und Nehmen ist. Wenn die deutsche Wirtschaft brummt, wie man andauernd hört, liegt es daran dass es keine Zölle mehr gibt innerhalb der EU. Das könnte sich ändern wenn nicht eine Vernünftige, für alle gerechtere Lösung, gefunden wird. Sollten die Zölle zwischen den Ländern in Europa wider eingeführt werden, wäre Deutschland der größte Verlierer. Man muss dem Volk klar sagen was in Europa angestrebt wird. Dann wären manche Scheinopfer leichter zu verstehen und zu akzeptieren.

  • 15.12.2010, 00:52 UhrAnonymer Benutzer: matt_us

    Liebes Handelsblatt,

    Sie haben eine halbe Fussballmannschaft von Journalisten zusammengetrommelt um ueber Risiken im Anleihenmarkt zu berichten. Mir scheinen trotzdem die wichtigsten Punkte zu fehlen.

    Mit keinem Wort erwaehnen Sie Credit Default Swaps. Das sind Versicherungen die Anleihenbesitzer vor Ausfaellen schuetzen koennen. Warum nicht?

    Andererseits, so sagt man, sollen es ja gerade diese Credit Default Swaps (CDS) sein die eine gewisse Unstabilitaet in die Anleihenmaerkte bringen. Also was ist mit diesen CDS, machen die das Systme stabiler oder unstabiler?

    Wenn ein US Analyst, den Sie hier zitieren, von einer "absaufende Ansammlung europäischer Staaten .., inklusive Spanien" spricht, wie beeinflusst das die Maerkte? Wer verliert von einer solchen Meinung, wer profitiert?

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