Anleihen

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S&P-Insider: „Es war wie im Wilden Westen“

Ein ehemaliger Manager der Ratingagentur Standard & Poor's packt aus und übt heftige Kritik an den Geschäftspraktiken der Branche. Für die Agenturen ginge es allein um's Geschäft. Für Anleger seien die Urteile nutzlos.

Die großen Ratingageturen wie Standard & Poor's stehen in der Kritik. Sie haben in der Finanzkrise keine rühmliche Rolle gespielt. Quelle: dpa
Die großen Ratingageturen wie Standard & Poor's stehen in der Kritik. Sie haben in der Finanzkrise keine rühmliche Rolle gespielt. Quelle: dpa

New YorkSeit über einem Jahrhundert sind ihre Beurteilungen mit ausschlaggebend für die Finanzierungskosten von Staaten und Unternehmen. Doch das Vertrauen der großen Investoren haben sie verloren. So sieht ein ehemals leitender Angestellter der Ratingagentur Standard & Poor's seine alte Branche.
„Es gibt sie, weil die Leute sie in Anspruch nehmen müssen, nicht, weil sie an sie glauben”, sagt David Jacob, früherer Leiter der Abteilung für die Beurteilung von Derivaten, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Vielleicht brauchen die Kleinanleger sie, das ist das Bedauerliche, aber ich glaube, für institutionelle Investoren trifft das nicht zu”, sagt Jacob.

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Ratingagenturen ABC

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

  • Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

    Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

  • Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

    Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

  • Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

    Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

  • Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

    Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Der 56-Jährige wurde im Dezember 2011 von S&P entlassen. Zuvor leitete er dreieinhalb Jahre die Derivate-Abteilung. Er vertritt den Standpunkt, Politik und Regulierer seien zu zögerlich vorgegangen bei ihrem Versuch, die Abhängigkeit von den Rating-Gesellschaften zu verringern. „Ratings sind nicht das heilige Werk Gottes”, sagt Jacob. „Sie sind ein Geschäft. Es ist ein Drahtseilakt, einerseits einen gewissen Marktanteil zu erlangen, und andererseits den Verlust der Glaubwürdigkeit zu riskieren.”

Die Branche wird von S&P, Moody's und Fitch Ratings dominiert. Die drei generieren zusammen einen Jahresumsatz von vier Milliarden Dollar (3,26 Milliarden Euro). Ihre 3.600 Analysten bewerten 2,73 Millionen Papiere im 43 Billionen Dollar schweren weltweiten Anleihenmarkt.

Ratings im Sinkflug Bei welchen Staaten die Bonität in Gefahr ist

  • Ratings im Sinkflug: Bei welchen Staaten die Bonität in Gefahr ist
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  • Ratings im Sinkflug: Bei welchen Staaten die Bonität in Gefahr ist
  • Ratings im Sinkflug: Bei welchen Staaten die Bonität in Gefahr ist

Die Ratingagenturen hatten zur schlimmsten Finanzkrise seit 1929 beigetragen, indem sie Papieren, die auf minderwertigen Hypotheken basierten, hohe Qualität bescheinigten. Seither hat die Reputation der Agentur am Anleihemarkt weiter gelitten. Zur Zeit des Immobilienbooms wurden Analysten unter Druck gesetzt, komplizierte Investitionen günstig zu bewerten, um Aufträge von Wall Street-Banken zu gewinnen, stellte ein Ausschuss des US-Senats im vergangenen Jahr in einem Bericht fest. Mit der Unterstützung der Ratingagenturen machten die Banker aus riskanten Hypotheken Wertpapiere, die scheinbar ebenso sicher waren wie Staatsanleihen. So ließen sich immer mehr riskante Kredite ausreichen.

Laut Senatsbericht mussten Banken gelegentlich über eine Millionen Dollar für ein einziges Rating zahlen. Von den mit minderwertigen Hypotheken besicherten Wertpapieren, die in den Jahren 2006 und 2007 mit AAA bewertet wurden, wurden später etwa 90 Prozent auf Ramschniveau herabgestuft.

  • 13.07.2012, 10:10 UhrAstrologinPalmer

    Was nützt es dem deutschen Trottel-Anleger, wenn er für ein Zertifikat ein gutes Rating von einem amerikanischen Rating-Gangster-Syndikat erfährt?
    Nichts, denn er wird betrogen.
    Aber daran ist er mitschuldig.
    Denn sonst er ist geizig und geil, wenn es um seine Penunze geht. Aber seine Geldgier hält ihn davon ab, das Kleingedruckte in Finanz-Prospekten zu lesen, wo z.B. steht, dass sein Zertifikat eine Inhaber-Schuldverschreibung ist, und jederzeit bei Emittenden-Ausfall nichts mehr wert ist.
    Er hat nichts über die Finanz-Gangster gelesen, denn er liest nur die BLÖD-Presse oder sitzt im Fußball-Stadion wenn er nicht gerade das private Ar..loch-TV konsumiert.
    Auf der anderen Seite haben auch unsere deutschen Bank-Trottel das Zeug tonnenweise eingekauft - auch Sparkassen - und mit dem schwarzen Band der Sympathie an die ahnungslosen Anleger-Deppen verhökert.
    Das ist das eigentlich Kriminelle an der Sache.
    Die "Bank Deines Vertrauens" verkauft Dir Schrott-Papiere und wird noch nicht einmal dafür zur Rechenschaft gezogen.

  • 12.07.2012, 22:50 UhrRelativ

    Und dann sind Griechen die"Betrüger"?
    Dass ich nicht lache.Alle haben mitgemacht.Ich bin gespannt was noch vom wem so rauskommt.Danach muss der "Focus" eine ganze Menge mehr Mittelfinger im Cover abdrucken.Nicht das es die Nike auf der Quadriga auf dem Brandenburger Tor wird?

  • 12.07.2012, 18:35 UhrRechner

    Der Rechtsstaat versagt auf der ganzen Linie:

    Wo ist der Staatsanwalt, der gegen diese Betrüger Anklage erhebt?

    Wo ist der Innenminister, der diese kriminellen Vereinigungen verbietet?

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