
FRANKFURT. Die Aussichten für europäische Verbriefungen haben sich stabilisiert, über den Berg ist der angeschlagene Markt aber noch nicht. Besonders kritisch ist die Lage nach Ansicht der Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) noch bei mit gewerblichen Immobilienkrediten unterlegten Verbriefungen (CMBS) und bei strukturierten Finanzierungen, die Unternehmensanleihen und Kredite bündeln (CDO). Bei beiden Verbriefungsarten prüft S&P noch knapp ein Drittel aller Tranchen auf eine weitere Herabstufung.
Bei Verbriefungen gliedern meist Banken Forderungen aus ihrer Bilanz aus und übertragen sie auf eine Zweckgesellschaft. Die begibt Anleihen in verschiedenen Risikoklassen, deren Zins- und Tilgungszahlungen sich aus den Forderungen speisen. Der Markt ist in Verruf geraten, seit die Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch vor fast drei Jahren massenhaft mit schwachen Subprime-Krediten unterlegte Verbriefungen herabstuften, die sie zuvor zu gut bewertet hatten.
Die Herabstufungswelle hielt im vergangenen Jahr noch an - auch in Europa, wo es kaum mit Subprime-Hypotheken vergleichbare Kredite gibt. So stufte S&P im vergangenen Jahr 42 Prozent aller CDO und 39 Prozent aller CMBS herunter. Bei den CDO war dafür laut Simon Collingridge, Managing Director im Bereich strukturierte Finanzierungen bei S&P, vor allem die im Zuge der Rezession gesunkene Bonität vieler Firmen verantwortlich. Bei den CMBS sei der scharfe Verfall der gewerblichen Immobilienpreise ein Grund für die Bonitätsverschlechterung der Verbriefungen. Banken, die Verbriefungen kaufen, müssen diese bei schlechteren Ratings mit mehr Eigenkapital unterlegen.
Bei mit privaten Hypothekenkrediten (RMBS) und mit anderen Forderungen unterlegten Anleihen (Asset Backed Securities, ABS) gab es laut S&P dagegen mit 17 und 15 Prozent im vergangenen Jahr deutlich weniger Herabstufungen. Zudem stehen bei S&P bei diesen Verbriefungsarten nur noch zwei beziehungsweise vier Prozent auf der Prüfliste für eine weitere Herabstufung. Somit entspannt sich die Lage dort deutlich.
Emissionen werden für Banken langsam wieder attraktiver
Die Kurse der Verbriefungen sind im Handel seit dem vergangenen Sommer mit der auch an den Aktienmärkten abzulesenden höheren Zuversicht der Investoren wieder gestiegen. Im Gegenzug sanken die Risikoprämien massiv, wenn sie auch noch über dem Vorkrisen-Niveau liegen. Trotzdem werde es für Banken langsam auch wieder attraktiver, neue Verbriefungen bei Investoren zu platzieren, sagte Colling-ridge. Dies werde indes nur schrittweise geschehen. Nach einer Umfrage der Beratungsfirma Bearing Point rechnen die meisten Marktteilnehmer erst im kommenden Jahr wieder mit einer substanziellen Belebung des Markes für neue Verbriefungen.
Erste Lebenszeichen gibt es aber bereits. So hat im Januar eine Finanztochter von BMW eine mit Autoleasing-Krediten unterlegte ABS bei Anlegern platziert. Diese Woche verkaufte die Lloyds Banking Group einen mit privaten Hypotheken besicherten Bond über eine Mrd. Dollar an US-Investoren. Dies war das erste Mal seit Juli 2007, das eine europäische Verbriefung Abnehmer in den USA fand.




