
LONDON. Auch der Markt für islamische Finanzierungen kann sich den Spätfolgen der Finanzkrise nicht entziehen. Verschärft werden die Probleme durch das Beben an den Kapitalmärkten in der Golfregion. Damit wird das noch recht junge Geschäft vor seine erste echte Bewährungsprobe gestellt. Vor allem die Schuldenkrise des Staatskonzerns Dubai World untergräbt das Vertrauen der Investoren.
Im Gegensatz zu westlichen Banken dürfen islamische Investoren keine Zinsen bezahlen oder fordern. Deshalb entwickelten Banker im Nahen Osten, in Malaysia und in London eine Vielzahl von Finanzinstrumenten, die dem islamischen Recht, der Scharia, entsprechen. Dabei erhalten die Investoren in der Regel statt Zinsen eine Art Gewinnausschüttung, beispielsweise einen Anteil an der Miete eines Gebäudes, das mit Krediten oder Anleihen finanziert wurde. Seit 1999 hat sich das Volumen von schariakonformen Finanzierungen in etwa verzehnfacht und die Schwelle von einer Billion Dollar übersprungen.
Doch die Finanzkrise forderte ihren Tribut. 2007 kamen nach Berechnungen des Informationsdienstes Dealogic noch islamische Bonds, so genannte Sukuks, im Wert von 27,1 Mrd. Dollar an den Markt, ein Jahr später waren es nur noch 14,2 Mrd. Dollar und auch 2009 erholte sich der Markt nur leicht auf 17,8 Mrd. Dollar. "Im Vergleich zum Höhepunkt der Finanzkrise hat sich die Liquiditätslage wieder etwas verbessert, aber die Situation in Dubai sorgt für ein Vertrauensproblem", warnt Debashis Dey, Partner der internationalen Anwaltskanzlei Clifford Chance.
Dubai World hatte die Investoren Ende 2009 mit der Bitte um ein sechsmonatiges Schuldenmoratorium geschockt. Das Staatskonglomerat, zu dem auch der Immobilienentwickler Nakheel gehört, hatte während der Krise hohe Schulden angehäuft. Im vergangenen Dezember konnte Nakheel nur dank zehn Mrd. Dollar Finanzhilfe des Nachbaremirats Abu Dhabi einen islamischen Bond mit einem Volumen von 4,1 Mrd. Dollar zurückzahlen. Es wäre der erste Zahlungsausfall für einen großen Sukuk gewesen.




