Anleihen

_

Warnschuss: Britische Rating-Bestnote bedroht

Großbritanniens Dreifach-A-Bewertung wackelt bedrohlich. Die Ratingagentur Moody’s sieht enorme Herausforderungen auf die Insel zukommen. Noch schlimmer steht es um Frankreichs Top-Bonität.

Big Ben in London: Warnschuss der Rating-Agenturen. Quelle: Reuters
Big Ben in London: Warnschuss der Rating-Agenturen. Quelle: Reuters

London/ParisDie internationale Ratingagentur Moody’s hat die britische Regierung gewarnt, dass die Bonitätsbestnote „AAA“ des Königreichs zunehmend in Gefahr gerät. Die Bemühungen der Regierung um einen ausgeglichenen Haushalt könnten durch weitere Schocks für die Wirtschaft untergraben werden, erklärte Moody's am Dienstag.

Anzeige

Die Insel stehe vor „enormen und weiter wachsenden Herausforderungen“, heißt es in dem jährlichen Bericht über Großbritannien, den Moody’s gestern Abend veröffentlicht hat. Das deutlich höhere Budgetdefizit, die schwächeren Wachstumsaussichten, und die Risiken aus der eskalierenden Schuldenkrise der Eurozone ließen nur eine Schlussfolgerung zu: „Großbritanniens Fähigkeit, weitere makroökonomische oder fiskalische Schocks abzufedern, ohne dass das Rating in Gefahr gerät, hat gelitten“, warnen die Moody’s Analysten.

Der gegenwärtige stabile Ausblick für Großbritannien basiere auf der Annahme, dass die Regierung in London ihre Politik zur Haushaltskonsolidierung fortsetze, heißt es im Bericht. Der Handlungsspielraum für Großbritannien sei geringer geworden, sagte Moody's-Analystin Sarah Carlson.
Die Insel wurde durch die Finanzkrise in die tiefste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg gestürzt, und die Bank of England befürchtet, dass der fragilen Konjunkturerholung der Atem ausgeht und die Wirtschaft im kommenden Jahr erneut schrumpfen wird. Deshalb hat die Notenbank im Herbst noch einmal die Gelddruckmaschine angeworfen.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

  • Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

    Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

  • Gilt diese Faustregel immer?

    Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

  • Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

    Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

  • Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

    Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

  • Wie begründet S&P seine Entscheidung?

    Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

  • Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

    Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

  • Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

    Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

  • Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

    Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

  • Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

    Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für Großbritannien in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von nur 1,1 Prozent voraus, das Budgetdefizit wird voraussichtlich bei 8,5 Prozzent liegen und der gesamte Schuldenberg dürfte auf knapp 81 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung wachsen.
Vor Moody’s hat auch bereits die Ratingagentur Fitch gewarnt, dass Großbritannien keinen weiteren Rückschlag verkraften könne, ohne das „AAA“-Rating zu gefährden. Anders als bei zahlreichen Euroländern ist die Bonitätsbestnote der Britten allerdings noch nicht unmittelbar bedroht. Moody’s hat den Ausblick für das Rating des Königreichs trotz der deutlichen Warnung stabil gehalten. Dagegen hat Fitch die Einstufungen für gleich sechs Euro-Staaten Ende vergangener Woche auf den Prüfstand gestellt. Standard & Poor’s hat die Ratings für fast alle Mitglieder der Währungsunion, darunter auch für Deutschland und Frankreich, auf die Prüfliste für eine Herabstufung gesetzt.

Staatsfinanzierung Der Billionenhunger europäischer Staaten

  • Staatsfinanzierung: Der Billionenhunger europäischer Staaten
  • Staatsfinanzierung: Der Billionenhunger europäischer Staaten
  • Staatsfinanzierung: Der Billionenhunger europäischer Staaten
  • Staatsfinanzierung: Der Billionenhunger europäischer Staaten

Diese Warnungen sorgten vor allem bei den Franzosen für böses Blut. Vor wenigen Tagen forderte der französische Notenbankpräsident Christian Noyer, dass die Ratingagenturen bei Großbritannien und nicht bei Frankreich mit einer Herabstufung beginnen sollten. Die Briten würden mit einem höheren Defizit, höherer Inflation und schwächerem Wachstum kämpfen als die Franzosen.
Nichtsdestotrotz hat die französische Börsenaufsicht das Top-Rating bereits abgeschrieben. „Nur ein Wunder kann es noch retten, aber ich will daran glauben, dass es passieren kann“, sagte der Chef der Behörde AMF, Jean-Pierre Jouyet, am Dienstag in Paris. Jouyet warnte vor den weitreichenden wirtschaftlichen Folgen einer Herabstufung.

  • 20.12.2011, 21:46 Uhrausbritain

    Der Big-Ben kippt ja auch schon seit einiger Zeit, seine Neigung verstärkt sich beinahe selbständig. Also, das passt doch alles zusammen. Der Starrsinn ähnlich steifer Seebrise wird die Insel hoffentlich total isolieren und in eine mentale Ausnüchterungszelle fallen lassen.

  • 20.12.2011, 21:51 UhrWeihnachtswurm

    Redaktion: Im Artikel hat sich versehentlich ein "Moordy`s" eingeschlichen.

  • 20.12.2011, 22:17 UhrMischael

    Was sagen denn hierzu diejenigen die meinen dass England momentan genau den richtigen Weg geht? :-)

    Es trifft halt doch jeden, und das ist auch gut so!!!

    Hoffentlich müssen wir nie mehr zur D-Mark zurückkehren, denn nichts wäre mehr wie es mal war...

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
  • ANZEIGE
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 21 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

ANZEIGE
  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen